Homeoffice bietet Vorteile, hat aber auch entscheidende Nachteile. Eine Erfahrung, die in der Pandemie viele machen.
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Homeoffice bietet Vorteile, hat aber auch entscheidende Nachteile. Eine Erfahrung, die in der Pandemie viele machen.

Stadt will mit neuem Angebot Lücke zwischen München und Rosenheim schließen

In Grafing angedacht: Homeoffice zum Mieten

  • Michael Seeholzer
    vonMichael Seeholzer
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In Grafing könnte ein Gründerzentrum entstehen. Es soll auch „Co-Working Spaces“ bieten. Der Wirtschaftsausschuss zeigte sich der Idee gegenüber aufgeschlossen.

Grafing – Die Corona-Pandemie wird noch viele Pleiten verursachen. Auch im Landkreis Ebersberg. Ob das jetzt der richtige Zeitpunkt ist, den Sprung in die Selbständigkeit zu wagen? Darüber wurde im Grafinger Wirtschaftsausschuss diskutiert. Es ging um die Themen Homeoffice, Bürogemeinschaften auf Zeit und einen Service für diejenigen, die ein solches Mietmodell zum Arbeiten nutzen wollen.

Zwei Frauen für Konzept verantwortlich

Sollte das „Grafinger Gründerzentrum“ auf einer Fläche von etwa 1000 Quadratmetern tatsächlich Realität werden, würde das eine Lücke schließen – nicht nur im Landkreis Ebersberg. Die nächsten „Co-Working Spaces“ gibt es nämlich nur in München, Rosenheim und am Tegernsee, schilderten die Grafingerinnen Gabi Köhler und Lisa Lohoff den Ausschussmitgliedern ihre Recherche. Sie zeichnen verantwortlich für das Konzept, das den Stadträten vorgelegt wurde. Die beiden Frauen haben die Initiative aus eigener Betroffenheit gestartet.

40 Prozent für Gründer, 60 Prozent für „Heimwerker“

40 Prozent der Fläche sollen Gründer belegen können, 60 Prozent seien klassischen Homeoffice-Arbeitsplätzen vorbehalten. Die Corona-Pandemie hatte unter anderem nämlich zweierlei Wirkung: Zum einen wurden in den Betrieben die Vorteile des Arbeitens zuhause erkannt. Viele Mitarbeiter müssen nicht zwingend zu ihrem Arbeitsplatz etwa nach München pendeln, und dabei hin und zurück drei bis vier Stunden Lebenszeit liegen lassen. Andererseits offenbarten sich schnell die Nachteile des Arbeitens zuhause, etwa dann, wenn im Wohnzimmer, dort wo der Laptop steht, auch kleine Kinder am Boden herumkugeln. Die Lösung: Ein gemietetes Homeoffice auf Zeit, stunden-, tage oder auch wochenweise, mit einer guten Infrastruktur ausgestattet, anständigen Büromöbeln, einem Catering samt Kaffeeküche und einem Service, der auch den Posteingang betrifft.

Preisvorstellung: 350 Euro pro Monat

„Das ist besonders wichtig“, schilderten die beiden Initiatorinnen. Junge Gründer würden Wert legen auf eine Postadresse, die nicht der persönlichen Wohnadresse entspricht. Eine genaue Preisvorstellung gibt es auch und die liegt bei 100 Euro für fünf Tage für den, der dauerhaft eine Woche im Monat einen Schreibtisch buchen will. Für einen ganzen Monat wäre eine Miete von 350 Euro für einen Arbeitsplatz fällig.

Die Mitglieder des Wirtschaftsausschusses konnten dem Projekt insofern schon Positives abgewinnen, als einen Tagesordnungspunkt zuvor deutlich wurde, wie sehr die Stadt in Zukunft mehr Einnahmen aus der Gewerbesteuer brauchen wird, um politisch gestaltungsfähig zu bleiben. Und je länger die beiden Frauen ihr Konzept vorstellten, umso mehr wuchs auch die Zustimmung, die einer anfänglich eher reservierten Haltung einiger Mitglieder wich.

Grüne sagen: Zukunftsweisend

„Ich finde, das ist eine Superidee, das ist zukunftsweisend“, meinte Hermann Maier (Grüne). Und auch Susanne Linhart (CSU) sagte: Ich bin dem gegenüber aufgeschlossen. Da gibt es eine bessere Infrastruktur als zuhause.“ Maier hält den Standort Grafing-Bahnhof für ein solches Projekt am besten geeignet, vor allen Dingen auch deswegen, weil durch die Bahnanbindung der Einzugsradius möglicher Interessenten größer würde.

Jetzt soll geprüft werden, wer sich für einen solchen Büroplatz auf Zeit gegen Entgelt interessieren würde. „Im nächsten Grafing aktuell soll der Bedarf erhoben werden“, kündigte Wirtschaftsförderer Tim Grebner im Ausschuss eine Umfrage an. Auch in den sozialen Medien will die Stadt nach Interessenten fahnden. Noch habe die Verwaltung keine konkrete Fläche für ein solches Projekt im Auge, berichtete Bürgermeister Christian Bauer (CSU). Er will jetzt zuerst abwarten, was die Umfrage an Bedarf ergebe. Immerhin habe eine größere Grafinger Firma bereits Interesse gezeigt an einem solchen Angebot, das für ihre Mitarbeiter gut geeignet wäre.

Als Betreiber des Gründerzentrums würde eine Betreiber-GmbH auftreten, zu der laut Konzept auch die Stadt Grafing gehören soll, der Landkreis Ebersberg und vielleicht auch die Vertreter örtlicher Banken und Firmen. Der Wirtschaftsausschuss beschloss einstimmig, das Projekt weiter zu verfolgen.

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