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Richard Lechner (48) aus Grafing ist seit über 25 Jahren im Steuerrecht tätig. Jetzt ist sein zweites Buch erschienen.

„Ich fahre keinen Kuschelkurs“

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Der Weg zur  Steuererklärung ist ein langer und frustrierender Boxkampf – und am Ende gewinnt immer der Gegner. Das muss nicht sein! Sagt der Grafinger Steuerberater Richard Lechner.

Grafing  Der Grafinger Steuerberater Richard Lechner, der in Freising seine Kanzlei hat, zeigt in seinem neuen Buch „Im Ring mit dem Finanzamt“ Strategien auf – für den normalen Steuerpflichtigen im Angestelltenverhältnis genauso wie für Freiberufler, Kleinunternehmer und Kapitalgesellschaften. Wer die 268 Seiten gelesen hat, sollte das Handtuch im Clinch mit der Behörde nicht mehr werfen müssen.

Herr Lechner, beginnen wir das Interview mit einem rechten Haken: Es gibt so viele Steuer-Ratgeber auf dem Markt. Braucht es da Ihr Buch wirklich noch?

Lechner: Klar braucht’s das. Es stimmt zwar, dass es schon viel gibt, allein 95 Prozent der weltweiten Steuerrechtsliteratur kommt aus Deutschland. Vieles ist aber nicht nur langweilig dargeboten, sondern auch in einer schwer verständlichen Sprache geschrieben. Ich wollte ein Buch schreiben, das jedermann verstehen kann, das unterhaltsam und spannend ist und Tipps bietet.

Sie machen das, indem Sie die Steuererklärung mit einem Boxkampf vergleichen. Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?

Lechner: Ich boxe selbst seit einigen Jahren, um einen sportlichen Ausgleich zu haben. Eigentlich unbewusst habe ich dann damit begonnen, Steuerzusammenhänge mit Analogien aus dem Boxen zu erklären, um die Sache verständlicher zu machen. Wir Deutschen empfinden ja so eine Art Hassliebe für das Finanzamt. Viele Menschen befinden sich da in einem gefühlten Kampf. Das wollte ich als Autor nutzen, um möglichst viele Leser abzuholen.

Ist das Finanzamt in diesem Fight kein übermächtiger Gegner?

Lechner: Nicht, wenn man sich richtig auf seine Steuererklärung vorbereitet und sich bei der Ausarbeitung die richtigen Leute ins Boot holt.

Dennoch verbreitet allein der Klang des Wortes „Finanzamt“ Furcht und Schrecken. Sie berichten am Anfang Ihres Buches, dass sogar renommierte Boxer vor der Behörde einknicken.

Lechner: Sieht so aus. Ich habe im Laufe meiner Recherche für das Buch einige Boxer kennengelernt. Also jetzt keine, die mal auf einem Volksfest boxen, sondern gestandene Weltmeister. Ich habe sie der Reihe nach gefragt, ob sie ein Vorwort für das Buch schreiben wollen. Ich dachte, das wäre eine witzige Idee. Erst hieß es immer: Ja, klar, mach ich, bis sie dann anscheinend irgendwann das Nachdenken angefangen haben. Jeder hat mir abgesagt. Keiner wollte sich – vermeintlich – mit dem Finanzamt anlegen oder aus der Deckung kommen.

Sie selbst sind da offenbar frei von Ängsten.

Lechner: Ein Mandant aus Bayreuth hat mich mal als härtesten Steuerberater Deutschlands bezeichnet. Einen Kuschelkurs fahre ich jedenfalls nicht, die Konfrontation scheue ich auch nicht. Aber es ist nicht so, dass ich ein schlechtes Verhältnis zum Finanzamt hätte. Denn ich stelle die Beamten ja nicht als Raubritter da. Bei meinem ersten Buch über Schwarzgeld-Konten hatte ich sehr positive Resonanz – auch von Finanzbeamten. Ich habe sogar vom Leiter der Steuerfahndungsstelle in Konstanz eine Rezension bekommen: Er hat das Buch bei zwei Gläsern Wein in drei Stunden durchgelesen, weil er es so unterhaltsam fand.

Im Buch ordnen Sie verschiedene Gruppen von Steuerpflichtigen den Gewichtsklassen im Boxen zu.

Lechner: Stimmt. Mir war es wichtig, dass sich die Leser in meinem Buch schnell wiederfinden und einordnen können. Wer eine sehr einfache Steuererklärung hat, ist ein Fliegengewicht. Das sind normale Steuerpflichtige im Angestelltenverhältnis. Hier ist die Steuererklärung meist sehr einfach und mit wenig Aufwand zu erledigen. Ein bisschen komplizierter wird das dann schon beim Mittelgewicht. Das sind in meinen Augen Kleingewerbetreibende. Hier muss man dann schon schauen, ob der Unternehmer eine Buchhaltung führt, oder welche Steuerarten je nach Gesellschaftsform zu bezahlen sind.

Sie sagen, dass es im Kampf mit dem Finanzamt auf die richtigen Helfer ankommt. Aus geschäftlichen Gründen müssen Sie das. Aber braucht es wirklich immer einen Steuerberater – auch in der Federklasse?

Lechner: Nein. Aber es gibt für jeden zwei Umstände, bei denen es sich lohnt, sich einen Steuerberater zu suchen. Der erste: Wer schon Probleme mit dem Ausfüllen seiner Steuererklärung hat, sollte sich jemanden suchen, der ihm helfen kann. Zu schnell sind falsche Angaben gemacht, wenn man die richtige Zahl in die falsche Zeile schreibt. Damit das nicht passiert, braucht man im Grund nur jemanden, der einem ein bisschen behilflich ist, ohne gleich eine Beratungsleistung zu erbringen.

Und was ist dann der zweite Umstand?

Lechner: Eine komplizierte Steuererklärung. Zahlen Sie nur Einkommensteuer und haben vielleicht noch das ein oder andere Konto, das Zinsen abwirft, dann brauchen Sie niemanden zu engagieren. Das Wissen um die paar Pauschalen und Freibeträge kann man sich erarbeiten. Interessanter wird es, wenn jemand sein Einkommen aus verschiedenen Quellen speist. Hat einer noch Einnahmen aus bedeutenden Kapitaleinkünften, weil er erfolgreich an der Börse spekuliert oder eine Unternehmensbeteiligung hat? Hat er außergewöhnliche Kosten, etwa durch Fortbildungen oder eine doppelte Haushaltsführung? Grenzgänger, die in Deutschland wohnen und in einem Nachbarland arbeiten, haben ebenfalls einen Grund, sich Beistand zu holen. Auch ein Erbe oder der Plan der Eltern, Teile ihres Vermögens an die Kinder zu verschenken, sind Fälle, wo es sinnvoll ist, sich einen Berater zu suchen.

Sie prangern in Ihrem Buch auch Steuerverschwendung an. Warum?

Lechenr: Meine These ist, dass der Steuerverschwender genauso hart bestraft werden sollte wie der Steuerhinterzieher. Für mich ist das ein Motivationskapitel. Viele machen aus Bequemlichkeit keine Steuererklärung. Damit sparen sie dem Staat viel Geld. Man sollte ihm aber nur das überlassen, was ihm wirklich zusteht. Wer sein Geld nicht in die nächste Elbphilharmonie fließen sehen will, sollte sich also bei der Steuererklärung einen Ruck geben

Sie sind seit einem Vierteljahrhundert Steuerberater. Wie ist Ihre Ringbilanz mit dem Finanzamt?

Lechner (lacht): Ich bin auf alle Fälle noch nie K.o. gegangen, und das bleibt auch so.


Das Gespräch führte
Manuel Eser

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