In den Startlöchern: Sebastian Schlagenhaufer will im Außenbereich Kultur ermöglichen.
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In den Startlöchern: Sebastian Schlagenhaufer will im Außenbereich Kultur ermöglichen.

Gegen den Stillstand

Mit neuen Konzepten: Stadthalle Grafing soll ab Sommer wieder richtig loslegen

Schwere Zeiten für Kulturveranstalter. Sebastian Schlagenhaufer von der Stadthalle Grafing freut sich auf den Sommer. Er setzt auf Open-Air-Konzerte und mehr.

Grafing – Kulturveranstalter streamen derzeit, was das Zeug hält. Live-Veranstaltungen vor Publikum finden Corona-bedingt schließlich keine statt. Auch im Landkreis übertragen die Bühnen inzwischen ihre Programme ins Internet. Nicht nur das alte kino in Ebersberg oder das Moosacher Meta Theater nutzen diesen digitalen Weg, auch eine städtische Einrichtung wie die Grafinger Stadthalle sendet Datenströme ins Netz.

Kürzlich beispielsweise einen History Talk mit Museumsleiter Bernhard Schäfer, der im Gespräch mit dem künstlerischen Leiter des Hauses, Sebastian Schlagenhaufer, über die 150-jährige Geschichte von Grafing Bahnhof erzählte. Fernsehqualität hatte dieser Stream freilich nicht, wie alle anderen – nicht nur die aus Grafing – übrigens auch nicht, hat man doch weder das Knowhow, noch die Technik und das dafür ausgebildete Personal. „Das ist auch nicht unser Anspruch,“ so der Stadthallenleiter. Trotzdem hat auch die Grafinger Stadthalle investiert – einen niedrigen vierstelligen Betrag, wie Schlagenhaufer verrät – und Kameras sowie ein Videomischpult angeschafft. Dass dies nicht in einer Größenordnung wie beim alten kino möglich war – dort hat man immerhin 100 000 Euro zur digitalen Aufrüstung aus Hilfsprogrammen erhalten –, habe, so erklärt Schlagenhaufer, damit zu tun, dass die Grafinger Stadthalle als kommunale Einrichtung in vielen Fällen gar nicht antragsberechtigt ist. „Trotzdem haben wir natürlich aufgerüstet und streamen momentan durchschnittlich zwei Veranstaltungen im Monat.“ Es gab verschiedene Pubquiz-Abende online, ein Jazz-Konzert mit Josef Ametsbichler oder Improtheater.

Veranstaltungen sollen einen Bezug zu Grafing haben

Schlagenhaufer ist es wichtig, dass seine Formate immer einen Bezug zu Grafing haben. „Sonst macht das keinen Sinn,“ sagt er. Das nächste größere Internet-Ereignis ist ein internationales Jazzkonzert zum Internationalen Tag des Jazz am 30. April mit aus Grafing stammenden Musikern, die längst Profils sind und weltweit touren.

„Dass wir nicht in der Frequenz wie das alte kino ins Netz übertragen, hat auch mit unserer Personalsituation zu tun. Wir sind hier nur zu dritt und für die Kultur bin ich alleine zuständig.“ Außerdem werde die Grafinger Stadthalle derzeit häufig für politische Veranstaltungen genutzt, ermöglicht die Größe des Raumes Zusammenkünfte doch eher als im Rathaus.

Hybrid-Formate wird es wohl weiterhin geben

Natürlich sieht auch Schlagenhaufer in der Zukunft Hybrid-Veranstaltungsformate auf uns zukommen, ganz Corona-unabhängig, heißt Liveveranstaltungen samt Online-Übertragung. Doch er werde diese Technik nur dann einsetzen, „wenn es wirklich einen Mehrwert hat, ab und zu als Gag vielleicht, etwa bei einem Pubquiz. Wie bisher jedenfalls werden wir nach der Corona-Zeit nicht streamen, einzelne Veranstaltungen vielleicht.“

Derzeit – noch ist Corona-Zeit – plant er eine Grafinger Kochshow als Stream mit bekannten Persönlichkeiten aus der Stadt. Man spürt es, der Mann sehnt sich nach Live-Programm. Nicht von ungefähr war es Schlagenhaufer, der die mobile Bühne im Landkreis initiierte, die ab Sommer den Landkreis durchziehen soll mit einem Programm aller Kulturschaffenden aus der Region.

Schlagenhaufer: Kultur soll auf die Straße gehen

„Ich werde nicht müde,“ sagt er und kündigt gleich weitere Live-Formate an: „Sobald es wieder möglich ist, würde ich gerne Kultur auf die Straße bringen, in den Öffentlichen Raum, etwa Bands jeden Samstag am Marktplatz spielen lassen. Solange allerdings keine größeren Veranstaltungen erlaubt sind, geht das nicht. Wir jedenfalls sind in den Startlöchern und können ganz schnell losgehen.“

Mit einigen Künstlern – Profis, keine Hobby-Bands – sei er im Gespräch und hofft, ab Juni beginnen zu können. Deutlich pessimistischer ist er, was die Indoor-Situation betrifft: „Ich glaube noch nicht einmal, dass wir im Herbst wieder innen spielen dürfen.“

Ähnlich den Kollegen in Ebersberg oder Moosach, auch die Grafinger Stadthalle muss die Corona-Zeit mit „ganz viel Improvisation“ überstehen.

Peter Kees

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