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Angela Reichmeyer und Ottilie Eberl (re.) mit fair gehandelten Produkten in dem Grafinger Laden.

Leuchtendes Einmachglas als Verkaufsschlager

Die Spur der Scheine

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Der Verkaufsschlager ist derzeit ein leuchtendes Einmachglas. „Damit machen die Kinder in Afrika am Abend Hausaufgaben“, berichtet Angela Reichmeyer vom fair-Grafing Weltladen. „Brennt zwölf Stunden. Funktioniert mit Solarenergie.“ Wie aber wird garantiert, dass das Geld der Grafinger Käufer auch wirklich bei der produzierenden Kooperative vor Ort ankommt? Die Ebersberger Zeitung interessierte sich für die „Spur der Scheine“.

Grafing – Eigentlich funktioniert der Warenstrom im fair-Grafing Weltladen genauso wie der in jedem anderen Einzelhandelsgeschäft. „Wir nehmen die Sachen vom Großhändler ab“, informiert Ottilie Eberl, die zusammen mit Uwe Peters, Astrid Geweke und Annett Seifert den Vorstand der Grafinger Genossenschaft bildet. Das Sortiment gestalten die Initiatoren des seit elf Jahren bestehenden Ladens nach Kundenbedarf. Als Großhändler tritt zum Beispiel die „Gepa – The fair trade company“ auf. „Die lassen sich regelmäßig zertifizieren.“ Damit soll garantiert werden, dass das Geld aus dem Erlös beim Produzenten ankommt. Und dazu gehört auch ein Besuch beim jeweiligen Handelspartner im Ausland. Beispiel: Ein Kaffeebauer aus Burundi bekommt für ein Pfund Rohkaffee im konventionellen Handel etwas über einen Euro. Fair gehandelt bekommt er das Doppelte. Im Preis von zwei Euro sind etwas über 50 Cent Fairprämie und Infrastrukturprämie enthalten. „Damit bauen die zum Beispiel eine Schule, oder einen Brunnen“, berichtet Reitmeyer.

Welche Kontrolle haben die Grafinger, dass das tatsächlich klappt? Ganz einfach. Sie bekommen ab und zu Besuch, zum Beispiel von Josephat Sylvand aus Tanzania. „Er kam zur Fairen Woche 2011 zu uns“, berichtet Reitmeyer. Der 40-jährige vertritt eine Kooperative in seinem Heimatland. Er hat sich im Grafinger fair-Laden umgesehen und „konnte kaum glauben, dass wir alle ehrenamtlich arbeiten“, so Eberl. „You are our saviors“, sagte er dankbar zu den Genossenschaftsmitgliedern, berichtet Reichmeyer von dieser Begegnung. „Ihr seid unsere Retter.“ Auch aus Burundi kam Besuch von den Kaffeebauern Augustin Manirakiza und Ernest Ngumuraro.

Durch den persönlichen Kontakt wird verhindert, dass das Geld der Grafinger Kunden in Kanälen landet, wo es nicht hingehört. Und die Einnahmen sollen „den Bauern auch den Erwerb eigenen Grundes ermöglichen“, was der Grafinger Initiative einen geopolitischen Hintergrund verleiht. Denn wenn der Beitrag auch ein geringer ist, soll er doch helfen, den totalen Ausverkauf von Ackerland in Afrika an Chinesen zu verhindern, die derzeit ganze Landstriche zusammenramschen. Die einheimische Bevölkerung hat davon leider nichts. Sie produziert zum Teil Jahrzehnte auf Ackerland, das noch keinen eingetragenen Besitzer hat, weiß Reichmeyer. „Die Regierung könnte sie jederzeit vertreiben“, fürchtet sie. Der Erwerb der Produktionsflächen mit Geld aus dem fairen Handel soll diese Entwicklung bremsen.

Fairer Handel funktioniert aber im Grafinger Laden nicht nur international, sondern auch regional. „Wir bieten Waren aus den Steinhöringer Werkstätten und aus Zinneberg an“, informiert Eberl. „Mit so einem Sortiment sind wir die Einzigen in Grafing.“ Auch gehandicapte Menschen hätten ein Recht auf fairen Handel, sagt sie. U. a. werden Teelichter ohne Aluhülle verkauft. Hergestellt hat sie ein 80-Jähriger, der in seinem Leben straffällig wurde und danach in der Gesellschaft keinen Fuß mehr fassen konnte. „Der arbeitet noch acht Stunden am Tag“, berichten Reichmeyer und Eberl. Am Sonntag sei ihm langweilig. „Er braucht einfach die Tagestruktur.“

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