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Gefährliche Stolperstellen und zudem nicht barrierefrei: Die öffentlich kritisierten Treppen zu den neuen Geschäften in d er Rotter Straße.

Diskussion um Rotter Straße

Warum es bei diesem Neubau in Grafing keine Barrierefreiheit gibt

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Bei Neubauten sollte auf Barrierefreiheit geachtet werden. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Doch: Pustekuchen. Siehe diesen Neubau Grafing.

Grafing – Falls Geschäfte nur über eine Treppe oder mehrere Stufen erreichbar sind, kann das den Umsatz negativ beeinflussen. „Das ist eine erste und entscheidende Hürde“ bestätigt Bernd Ohlmann vom Handelsverband Bayern. Wenn also irgendwo neu gebaut wird, sollte auf diesen Zusammenhang eigentlich Rücksicht genommen werden. Das passiert aber leider nicht immer.

Barrieren sorgen für Ärger

Die Barrierefreiheit für Kunden wurde aktuell in Grafing im Zusammenhang mit der Gestaltung des neuen Platzes an der Rotter Straße öffentliches Thema. Zwei Ladengeschäfte in dem dortigen neuen Wohn- und Geschäftsgebäude sind nur über drei Stufen zu betreten. Stufen gibt es auch an langen Rampen vor den Arkaden. Wer sie nicht gehen kann, muss außen rum. Die Platzgestaltung sorgte in den sozialen Medien für Diskussion. „Wer ist bzw. war bei dem Bau für die Inklusion zuständig? Der Optiker und das Geschäft daneben sind nicht barrierefrei. Es ist sehr traurig, dass an eine solche Selbstverständlichkeit keiner denkt“, äußerte sich ein Mann aus Grafing bei Facebook, der selbst mit Behinderten arbeitet.

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...weil jeder mitschnabeln will!

Angestoßen hatte das Thema der Grafinger CSU-Stadtrat und Landtagsabgeordnete Thomas Huber in der jüngsten Sozialausschusssitzung. „Es gibt offensichtlich ein Problem im behördlichen Zusammenspiel“, will er solche und ähnliche Vorgänge anhand dieses aktuellen Exempels auf die Bayernebene ziehen. „Das ist ein klassisches Beispiel, wo alle mitschnabeln, jeder will Barrierefreiheit, aber irgendwo ist der Haken“, meint er.

Der Haken war im Grafinger Fall der Hochwasserschutz, sagt Bauamtsleiter Josef Niedermaier und berichtet von zahlreichen Gesprächen – unter anderem mit dem Bauherren, dem Straßenbauamt und der Regierung von Oberbayern. Der Bauträger habe sich an die gesetzlichen Vorgaben gehalten.

Dreh- und Angelpunkt der Ausgangsplanung war demnach die Einfahrt zur dortigen Tiefgarage, die vergangene Woche öffentlich in Betrieb gegangen ist. Das Areal liegt in einem potenziellen Überschwemmungsgebiet. Das hohe Niveau der Garageneinfahrt sollte verhindern, dass im Überschwemmungsfall Wasser eintreten kann. Damit war das Maß der Dinge weitgehend festgezurrt.

Hochwasser in Grafing

Unrealistisch ist ein Hochwasserszenario an dieser Stelle nicht. Das belegen historische Fotos, auf denen der Grafinger Marktplatz unter Wasser steht, das sich seinen Weg über die Rotter Straße sucht, um Richtung Attel abzufließen. Die Bauverwaltung der Stadt hatte den Vorschlag ins Spiel gebracht, das Straßenniveau anzuheben, um die Barrieren vor den Geschäften zu vermeiden. Die Regierung von Oberbayern konnte dieser Option aber nichts abgewinnen, weil das Wasser dann in Richtung St.-Ägidius-Weg ablaufen könnte und dabei das dortige Wohnquartier gefährden würde. „Das ist immer wieder in den Gremien diskutiert worden“, berichtet Niedermaier.

Zwar ist Huber selbst stellvertretendes Mitglied im Grafinger Bauausschuss, trotzdem fragt er sich jetzt, warum nicht wenigstens der Gehweg unter den dortigen Arkaden dem Eingangsniveau der Geschäfte angepasst worden sei – Straßenniveau hin oder her. „So wie es jetzt ist, ist es gefährlich“, berichtet er und weist darauf hin, dass die Treppen unter den Arkaden weit in den Bürgersteig hineinreichen würden. „Wenn nachts die Schaufensterbeleuchtung ausgeschaltet ist, sieht die niemand. Treppe oder Rampe, das ist dem Wasser wurscht“, plädiert er für eine Änderung. Was die Stufen vor den Arkaden betrifft, kündigt Niedermaier eine Verbesserung an: Dort werden Handläufe installiert, damit sich ältere Menschen beim Treppensteigen festhalten können. 

Lesen Sie hier die Vorgeschichte zum neuen Platz in Grafing, der für mächtig Verwirrung sorgt: Neuer Platz wird neu gestaltet

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