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Richard Wagner braucht in seinem Haus Winterkleidung.

In der Grafinger Wolfsschlucht funktionieren die Heizungen nicht

Frieren im 850.000-Euro-Haus

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Ohne Wärme wird’s auch im schönsten Haus ungemütlich: „Wir haben derzeit kein warmes Wasser und keine Heizung“ schilderte Richard Wagner aus der Neubausiedlung in der Wolfsschlucht seine Situation und die seiner Frau am Donnerstagvormittag. „Und das bei einer Außentemperatur von zwei bis drei Grad.“

Der Grund dafür sind offensichtlich Probleme mit der örtlichen Nahwärmeversorgung. „Wir haben den zeitlichen und baulichen Aufwand unterschätzt“, räumt Florian Rothmoser von der Geschäftsleitung des zuständigen Energieversorgers Rothmoser GmbH & Co. KG auf die Frage nach der Ursache freimütig ein. Derzeit laufende Umbauarbeiten an einer Fernwärmeleitung sind demnach dafür verantwortlich, dass momentan in der Wolfschlucht zu wenig oder gar keine Wärme mehr ankommt. Mit an dieser Leitung hänge auch das Quartier in der Poststraße, informiert der Diplomingenieur.

Die Häuser im Neubaugebiet Wolfsschlucht und die in der Poststraße werden hauptsächlich von einem Blockheizkraftwerk in der Grafinger Gartenstraße aus versorgt. Weil aber die dort erzeugte Wärme für die gestiegene Zahl der Anschlussnehmer manchmal nicht ausreicht, werde vom Standort in der Lagerhausstraße „zugefüttert“. „Das läuft normalerweise problemlos“, so Rothmoser. Die aktuell laufenden Umbauarbeiten machen das aber unmöglich, „weil das Netz aufgeknüpft wurde. Wir arbeiten mit Hochdruck daran“, verspricht er.

Hätten die Arbeiten nicht besser in der warmen Jahreszeit durchgeführt werden sollen? „Vielleicht hätten wir es verschieben können“, antwortet Rothmoser auf die Frage dem Zustandekommen des Umbautermins. Die Arbeiten an der Baustelle in der Gartenstraße hätten sich jedoch als umfangreicher herausgestellt, als ursprünglich angenommen. „Inzwischen haben wir alle Betroffenen angeschrieben. Es tut uns leid“, meinte er entschuldigend.

Die Informationspolitik des örtlichen Strom- und Nahwärmeversorgers ist für Wagner kritikwürdig. „Es ist ja nicht das erste Mal“, ärgert er sich darüber, dass er in einem kalten Wohnzimmer sitzt und kein warmes Wasser mehr hat. „Ohne Vorankündigung“ sei man vor vollendete Tatsachen gestellt worden. „In der Wolfschlucht wohnen auch Familien mit Kindern“, gibt er zu bedenken. Für die sei die derzeitige Situation besonders ärgerlich.

„Es dauert ja auch eine Zeit, bis sich die Häuser wieder erwärmen.“ Rothmoser verspricht, dass das „so bald als möglich“ der Fall sein wird.

„Glücklich sind die Grafinger Bürger, die eine eigene Heizung und einen eigenen Ofen oder Kamin haben“ spricht Wagner ein Problem der Nahwärme an. „Wir sind abhängig davon.“ 

Die Wolfsschlucht in Grafing war in der Vergangenheit schon in die Schlagzeilen geraten, weil die Häuser im Einheimischenmodell vertrieben wurden und dennoch zwischen 750.000 Euro und 850.000 Euro kosteten. Die Folge war, dass die Einheimischenbindung aufgehoben und die Immobilien frei verkauft wurden.

Im Landkreis Ebersberg setzen immer mehr Hausbesitzer auf das Nahwärmemodell. In der Gemeinde Moosach macht das größte Solarwärmeprojekt Bayerns Fortschritte – aber nur, wenn sich viele Bürger beteiligen. Es soll ein Vorzeigeprojekt für den Landkreis werden.

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