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Alle hören gerne auf ihr Kommando: Hedi Gruber, Leiterin des Grafinger Jugendorchesters, mit einem Teil des Ensembles.

Sommerkonzert

Besser geht’s nicht

Zum fünften Geburtstag hat das Grafinger Jugendorchester ein famoses Sommerkonzert im Alten Speicher Ebersberg hingelegt. Unsere Kritik:

Ebersberg – Unüberhörbar und unübersehbar: Mit gewöhnlichen Konzertarrangements hat das Grafinger Jugendorchester (GJO) noch nie etwas am Hut gehabt. Man hört und sieht es erst nicht, wenn jeder Zuhörer im Ebersberger Alten Speicher seinen Platz eingenommen hat. Die „Drumline“, das Percussion-Ensemble des GJO, vor dem kein Gegenstand sicher sein kann, nicht als Schlagwerk benutzt zu werden, zieht vor den Sommerkonzerten durch die Fußgängerzone, um mit fetzigen Rhythmen auch noch den letzten Unentschlossenen zu überzeugen, in den Alten Speicher einzutreten. Bisher hat es noch niemand bereut und auch die fünfte Auflage als selbständiger Verein reihte sich ein in die Jahr für Jahr immer wieder neuen Musikfeste einer Hundertschaft junger und jung gebliebener Musiker und Helfer auf, vor und hinter der Bühne.

Charmant: Moderator Philipp Gassert. 

Sie alle sind ein Verein mit flacher Organisation, wo jeder viel mehr investiert, als nur sein Instrument zu spielen. Man spürt schon beim ersten Taktschwung den Teamspirit, der von der Leiterin Hedi Gruber ausgeht, der alle einbezieht und das Publikum von Anfang an begeisternd mitnimmt. Mitnimmt in ein Programm, von dem man aufgrund der einzelnen Musikstücke nur ahnen kann, welch intensive Vorbereitung erforderlich ist, um die Kunst der Leichtigkeit selbst schwieriger rhythmischer und tonaler Passagen zu vermitteln, die letztlich in der Spannungsauflösung die Begeisterung freisetzt.

Das Ganze wird mit Witz und Charme von Tausendsassa Philipp Gassert moderiert, der nicht nur verbindende Späßchen beherrscht, sondern mit Sologesang („Bettina“) versucht, das schwierige Kapitel der Geschlechter-Annäherung zu verstehen, selbst wenn Amelie Jost zuvor mit zauberhafter Stimme den Klassiker „I Wanna Be Loved By You“ aus Billy Wilders Film „Manche mögen’s heiß“ singt und die Hemmschwelle herabsetzt. Dass er darüber hinaus sich als Posaunist ins Orchester einreiht und zur Titelmelodie von „Drei glorreiche Halunken“ im Outfit von Clint Eastwood gleich zwei Okarina bespielt, sei nur zur Vollständigkeit bemerkt.

Galant: das Tanzpaar Teresa Gruber und Kilian Berger.

Im Mittelpunkt des Konzerts steht der fünfte Geburtstag des GJO. Organist und Pianist Jakob Skudlik gratuliert im Gewand von Johann Sebastian Bach, Wolfgang Amadeus Mozart und Frédéric Chopin mit Werken ihrer Zeit und erntet Ovationen. Die Gaudi mit anspruchsvollem Inhalt nimmt ihren Lauf. Hedi Grubers Arrangements sind auch deshalb einzigartig, weil es ihr ein besonderes Anliegen ist, nicht nur jeder Instrumentalgruppe eine Alleinstellung zu geben, sondern weil sie auch solistische Vorträge fördert. Amelie Jost und Hannah Kreck (Gesang), Teresa Gruber (Konzertmeisterin, Gesang, Tanz), Seppi Neuhäusler (Klavier, Gesang), Florian Hacker (Gesang, Altsaxophon), Julius Gassert und Eberhard Bechstedt (Trompete), Kilian Berger (Tanz), Jakob Skudlik und Paul Hacker (Klavier), Xaver Neuhäusler (Gitarre), und Benedikt Ohmann (Drumset) sind beste Beispiele.

Typisch für den Spaß auch das Finale des Programms „Once Upon A Time“: Zum von Hannah Kreck vorgetragenen Titel „It’s Raining Men“ fällt vom Trapez feinster Nieselregen. Sieben Tage in Folge intensivste Proben und Konzerte: die Protagonisten hätten wohl nichts gegen eine kühle Dusche gehabt. Stolz verneigt sich Chefin Hedi Gruber vor ihrem großen Ensemble, das wiederum sich glücklich schätzt, ein Teil des großartigen Ganzen zu sein.

Wilfried Gillmeister

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