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Dieses Lottogeschäft in Kirchseeon hatte der 19-Jährige im Mai überfallen. Einen Monat später schlug er in Grafing zu.

Er hatte ein Lottogeschäft und einen Supermarkt überfallen

Kirchseeoner (19) muss fast drei Jahre ins Gefängnis

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Die erste Jugendstrafkammer des Landgerichts München II hat einen 19-Jährigen aus Kirchseeon zu zwei Jahren und elf Monaten Jugendhaft verurteilt – wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung und versuchter besonders schwerer räuberischer Erpressung.

Kirchseeon/Grafing - Mit einem Küchenmesser hatte der junge Mann heuer im Mai ein Lottogeschäft in Kirchseeon und im Juni einen Supermarkt in Grafing überfallen. Der Inhaber des Lottoladens verweigerte ihm jegliches Geld, bei der Leiterin des Supermarktes erbeutete er 500 Euro.

Das Motiv des Jugendlichen fasste die Vorsitzende Richterin Regina Holstein so zusammen: „Ich will hier und jetzt und sofort in den Urlaub fahren – und meiner Mutter nicht offenbaren, dass ich keinen Job habe und mich nicht bemühe.“ Wie ein Kind habe er seine Bedürfnisse sofort und unreflektiert durchsetzen wollen. Zuvor habe er seine Ausbildungsstellen sofort hin geschmissen und nicht eingesehen, dass man für seinen Urlaub sparen muss. Unter dem Strich kam deshalb Jugendstrafrecht zur Anwendung.

Dennoch: „Das ist so ziemlich die schwerste Tat, die unser Strafgesetzbuch kennt. Die nächste Hürde wäre noch die Tötung gewesen“, sagte die Richterin. Als Erwachsener hätte er dafür mindestens fünf Jahre ins Gefängnis gemusst. „Wir sind also an der Schwerkriminalität angekommen bei Ihnen nach Erwachsenenrecht.“ Man müsse auf alle Fälle auf den 19-Jährigen einwirken, betonte die Richterin. Da könne es keine Bewährung mehr geben. „Das geht gar nicht, weil wir keinerlei Anhaltspunkte haben, dass es ohne Vollzug geht.“ Der Verteidiger hatte eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren für den jungen Mann gefordert. Die Staatsanwältin hatte auf vier Jahre Haft plädiert. Das allerdings bewertete die Richterin als „verdammt lang“ in diesem Alter.

So wurden es zwei Jahre und elf Monate – knapp unter drei Jahren also. Das soll den Bosnier vor der Abschiebung bewahren. „Sie sollen ein wertvolles Mitglied der Gesellschaft werden“, sagte die Vorsitzende. Nur das arbeiten müsse er noch lernen, bisher sei er zu faul dazu gewesen. Er habe die Fähigkeiten, eine Schulabschluss oder eine Lehre zu machen. Das soll er nun in der Haft nachholen. Das Urteil ist bereits rechtskräftig. Eine Ohrfeige und eine Sachbeschädigung auf einem Parkplatz in Kirchseeon wurden eingestellt, da sie nicht mehr ins Gewicht gefallen wären.

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