+
Christian Bauer (CSU) galten in der Stichwahl die Sympathien der Grafinger Wähler. Er verdrängte damit Angelika Obermayr (Grüne) aus dem Amt.

Kommunalwahl 2020

Nach Bürgermeisterwahl: Angelika Obermayr ist auch Corona-Opfer

  • Michael Seeholzer
    vonMichael Seeholzer
    schließen

Nach Stichwahl in Grafing: Vorschusslorbeeren und Vertrauen hat Wahlsieger Christian Bauer (CSU) bekommen. Eine Analyse von EZ-Redakteur Mike Seeholzer. 

Grafing – Bürgermeisterwahlen sind zum großen Teil Persönlichkeitswahlen. Die Wähler entscheiden oft weniger nach Parteizugehörigkeit, sondern vergeben unabhängig von Programm und politischen Präferenzen Sympathiepunkte. Das ist ungerecht, aber Realität. Daraus den Schluss zu ziehen, dass alleine die größere Sympathie dem Grafinger Stichwahlsieger um das Bürgermeisteramt, Christian Bauer (CSU) auf den Posten des Rathauschefs verhalf, wäre grundfalsch. Eine Analyse ist es trotzdem wert.

Viele Fehler, die der Öffentlichkeit ins Auge gesprungen wären, hat Stichwahl-Verliererin Angelika Obermayr (Grüne) in ihrer Amtszeit nicht gemacht. Einige Probleme hatte sie von ihren Vorgängern geerbt, wie zum Beispiel die Stadthallensanierung. Ganz zu Anfang ihrer Amtsperiode musste sie die Ostumfahrung einweihen, gegen die sie selbst als Stadträtin der Grünen immer heftig opponiert hatte. Bei den Kindertagesstätten – wie etwa beim Neubau an der Forellenstraße oder in Straußdorf – lief es bisweilen tatsächlich nicht reibungslos. Die Entwicklung hätte vermutlich auch einen Bürgermeister anderer Couleur vor Probleme gestellt.

Obermayrs Amtsperiode nicht von größeren Patzern gekennzeichnet

Dass Obermayrs Amtsperiode nicht von größeren Patzern gekennzeichnet ist, belegt indirekt auch der Wahlkampf der Grafinger CSU, der höchst professionell und offensichtlich ein Gemeinschaftswerk zwischen jungen Kräften und alten Profis war. Zwar wurde intern offensichtlich diskutiert, sich im Werben um Wählerstimmen auf eben die kommunalpolitischen Fehler Obermayrs zu konzentrieren. Dem Vernehmen nach setzten sich diejenigen – vor allem auch jüngere – Mitglieder durch, die lieber die eigenen Stärken herauskehren wollten. Bauer als Kämmerer könne rechnen, seine Vorschläge, wie etwa ein „großes Kulturzentrum“ seien durchkalkuliert und keine Luftschlösser. Das ist Balsam in Zeiten von stark steigender städtischer Verschuldung.

Bauer: Rhetorische Fähigkeiten gehören nicht zu seinen Stärken

Man tut dem neuen Grafinger Bürgermeister sicher nicht unrecht, wenn man seine rhetorischen Fähigkeiten bisher nicht zu seinen Stärken zählt. Aber auch bei Obermayrs öffentlichen Auftritten war selbst am Ende der Legislaturperiode nicht zu übersehen, dass das Pflichtübungen für sie waren, die sie nervös machten und sie spröde wirken ließen. Sie war nicht wegen dieser Auftritte, sondern trotz ihrer gerne Bürgermeisterin. Aber selbst in einer Stadt wie Grafing ist eine gewisse Jovialität kein Schaden und vielleicht kassierte Bauer mit seinem Ergebnis in dieser Hinsicht Vorschusslorbeeren – noch dazu in Krisenzeiten.

Wahlkampf: Coronavirus überlagerte in der Öffentlichkeit alles andere

Die Krisenzeit ist es auch gewesen, die die Grünen exakt zum Stichwahlzeitpunkt plötzlich ihres Markenkerns beraubte. Das Thema Umwelt war verschwunden, das Coronavirus überlagerte in der Öffentlichkeit alles andere auch auf kommunaler Ebene und damit lief der Wahlkampf der Grünen nahezu ins Leere. Das hat in Grafing wie in ganz Oberbayern zum Ergebnis beigetragen, bei dem die Grünen in fast allen Stichwahlen Federn lassen mussten. Dass sich Bauer im Endspurt öffentlichkeitswirksam an Hilfsaktionen in der Stadt beteiligte, hat ihm sicher nicht geschadet, der Online-Wahlkampf der Grünen wirkte dagegen farblos. Vor sechs Jahren lief es genau anders herum: Da hatte sich Obermayr in der Stichwahl mit 60 Prozent gegen die CSU-Kandidatin Susanne Linhart durchgesetzt. Grafinger sind Wechselwähler. Damit muss jeder Bürgermeister leben.

Nach Kommunalwahlen im Landkreis Ebersberg: Die Partei lobt das starke Abschneiden auf Kreisebene. In zwölf von 20 Kommunen hatten CSU-Kandidaten gewonnen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Nach Corona-Zwangspause: Blut spenden in Pliening an zwei Tagen
Nach der Corona-Zwangspause findet im Bürgerhaus Pliening wieder ein Blutspendetermin statt - an zwei Tagen hintereinander. Außerdem gibt es erstmals Infos zum Thema …
Nach Corona-Zwangspause: Blut spenden in Pliening an zwei Tagen
Jahrhundert-Eiche: Baum-Gutachter entdeckt Siebenschläfer-Familie
Ein neues Gutachten zur Jahrhundert-Eiche bei Seeschneid, die für eine Straße mit Radweg gefällt werden soll, beschäftigt Kritiker und Befürworter.
Jahrhundert-Eiche: Baum-Gutachter entdeckt Siebenschläfer-Familie
Wegen Corona: Poings „Lange Nacht der Gefühle“ fällt aus
Die Gemeinde Poing hat die für September geplante „Lange Nacht der Gefühle“ abgesagt. Der Grund ist ein mittlerweile guter bekannter. 
Wegen Corona: Poings „Lange Nacht der Gefühle“ fällt aus
Mila aus Barganger
Da strahlen beide um die Wette: Barbara und Marko Cutura aus Berganger haben ihr erstes Kind bekommen. Mila heißt das Mädchen, das am 22. Juni in Ebersberg das Licht der …
Mila aus Barganger

Kommentare