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Ein Blick von oben zeigt: In Grafing gibt es innerstädtisch noch Entwicklungspotential. Vorerst geht es nur um die rot umrandete Fläche. 

Grafinger SPD fordert mehr Phantasie bei der Städteplanung - Filetstück an der Glonner Straße

„Mittendrin eine Straße durch“

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Es ist wie bei jeder langen Partnerschaft. Manchmal gibt es unterschiedliche Auffassungen über Gestaltungsfragen.

Grafing – Zwar ist die Stadt Grafing jetzt nicht mit dem Städteplaner Klaus Immich verheiratet, er war aber über viele Jahre der Wunschpartner, wenn es um die künftige Ortsplanung ging – auch wenn jetzt unlängst öffentliche Kritik an seinem Platz an der Rotter Straße laut wurde.

Diese Kritik war es, die vor allem die SPD-Stadtratsfraktion aktuell aufgreift. Es geht dabei um die künftige Überplanung des Areals im Anschluss an das Seniorenhaus. Das soll nämlich erweitert werden.

In Rede steht dabei zunächst einmal eine Fläche mit einem Umgriff von 3000 Quadratmetern, danach soll das freie Areal dahinter entwickelt werden. Die Zeit drängt, denn im Hintergrund gibt es offensichtlich Verträge, die erfüllt werden müssen, dass aus dem von allen gewünschten Projekt baldmöglichst oder eben überhaupt Wirklichkeit werden kann.

Es gibt eine Gefahr

Der Bedarf für eine Erweiterung des Seniorenhauses ist vorhanden. Dabei gibt es aber eine Gefahr. Wird von der gesamten Fläche in Einzelmaßnahmen immer wieder ein Stück abgezwackt, könnte folgende Situation eintreten: Es würde unter Umständen auf den kompletten Grundstück Baurecht entstehen, auf das die Stadt später einmal nur mehr reduzierte Gestaltungseinflüsse geltend machen könnte.

Deshalb musste jetzt ein Strukturplan her, den Immich auch anfertigte. Erste Zeichnungen dazu waren bereits im Juni 2016 entstanden, informiert der Städteplaner auf Nachfrage der Ebersberger Zeitung. Diskutiert wurde das Vorhaben bereits im Bauausschuss.

SPD gefällt die Gestaltung nicht

Vor allem der SPD-Fraktion hat der Gestaltungsvorschlag nicht gefallen, bestätigt Fraktionssprecherin Regina Offenwanger. „Das habe ich auch angesprochen. Die Anordnung gefällt uns nicht“, berichtet sie für ihre Fraktion.

„Da führt mittendrin eine Straße gerade durch und links und rechts sind Rechtecke angeordnet.“ Das sei ihr zu einfallslos, meinte Offenwanger sinngemäß. Sie könne sich dagegen vorstellen, die Häuser „l-förmig“ anzuordnen, dass so etwas wie ein „Innenhof“ entstehen könne, was die SPD-Stadträtin weitaus gefälliger finden würde, wie sie sagt.

So weit ist es allerdings noch nicht, berichtet der Grafinger Bauamtsleiter Josef Niedermaier. Derzeit gehe es nur um die Erweiterung des Seniorenhauses.

Niedermaier bestätigt aber, dass mit einer Strukturplanung zumindest das „Netzsystem der Straßen“ festgelegt werde. Auch Immich sagt: „Da ist noch alles offen. Der Stadtrat sollte sich aber überlegen, wie die Fläche sich entwickeln soll.“

„Einen anderen Planer ins Boot holen“

Offenwanger weiß, dass es sich bisher nur um eine „Grobplanung handelt“, hat aber in der Vergangenheit folgende Erfahrung gemacht: Auf einmal liege ein fertiger Plan auf dem Tisch „und dann heißt es, ihr habt ja keinen Einspruch erhoben“. Dem will die SPD-Fraktion mit einer frühen Mitsprache vorbeugen und bringt dabei auch den Vorschlag ein, sich „einen anderen Planer mit ins Boot zu holen“.

Niedermaier verweist darauf, dass der Fachmann Immich die Zusammenhänge in der Stadt kenne wie nicht schnell ein Zweiter. „Wir brauchen einen Städteplaner, weil wir in der Verwaltung selbst keinen haben“, sagt er.

An vielen Stellen in der Stadt ist die Handschrift Immichs zu erkennen, unter anderem bei der auf dem ehemaligen BayWa-Gelände entstehenden Wohnbebauung. Auch bei der schon diskutierten Umgestaltung des Marktplatzes hatte Immichs Wort Gewicht, wenngleich das Projekt bisher immer abhängig gemacht wurde von der tatsächlichen Auswirkung der Ostumfahrung auf den innerstädtischen Verkehr.

Eines der letzten Filetstücke innerorts

Bei dem großen Grundstück in der Nachbarschaft zur evangelischen Kirche und zum Seniorenhaus handelt es sich wahrscheinlich um eines der letzten „Filetstücke“ innerorts, auf dem die Stadt ihre Bemühungen, verbilligten Wohnraum zu schaffen, weiter verfolgen könnte. „Dazu müssten aber die Grundeigentümer mit Grenzveränderungen einverstanden sein“, sagt Immich. „Das ist alles noch Zukunftsmusik.“ Er habe lediglich bisher „ein paar Baukörper“ dargestellt.

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