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Eine Lärmschutzwand soll die Bürger in Schammach vor dem Krach der Züge schützen.

Kuriose Situation in Grafing

Lärmschutz erster und zweiter Klasse

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Grafing - Bahnlärm nervt alle: Dennoch machen die Planer einen Unterschied zwischen Bürgern in Grafing-Bahnhof und Schammach. Warum das so ist? Wir haben nachgeschaut.

Schwer zu sagen, ob sich die Bewohner von Grafing-Bahnhof in dem Maße über diese Nachricht geärgert haben, wie sich die Anlieger in Schammach darüber gefreut haben dürften. Die Rede ist hier von einer 260 Meter langen Lärmschutzwand, mit der der Ortsteil Schammach künftig vor dem Bahnlärm der Trasse München-Rosenheim geschützt werden soll, der mit der Ertüchtigung der Trasse als Zubringer zum Brennerbasis-Tunnel untrennbar einhergehen wird. Denn für Grafing-Bahnhof gibt es so etwas nicht.

Dass die Schammacher diese Lärmschutzwand mit einer Höhe von zwei Metern bekommen werden, gab’s bereits schwarz auf weiß (wir berichteten). „Dafür liegt jetzt die schriftliche Zusage von Verkehrsminister Dobrindt vor“, informiert die Stadtverwaltung. „Die 260 Meter lange und zwei Meter hohe Lärmschutzwand wird den östlich der Bahnlinie gelegenen Ortsteil Schammach vor Lärmemissionen der Bahn schützen. Neuberechnungen aufgrund von korrigierten Nutzungsarten (mehr Wohnungen als ursprünglich angenommen) haben dieses Umdenken bei der Bahn bewirkt“, so die Stadt. Schon bei den ursprünglichen Planungen dabei sei Oberelkofen mit einer 400 Meter langen Lärmschutzwand.

Aber es gibt auch eine schlechte Nachricht: „Für einen Schutz des Ortsteils Grafing-Bahnhof lieferten die Planungen leider keine ausreichenden Grundlagen“, bedauert die Stadtverwaltung. Damit stellt sich die Situation derzeit so dar: Während die kleineren Siedlungsteile wie Schammach und Oberelkofen Lärmschutzwände bekommen, steht der weitaus größere Siedlungsteil Grafing-Bahnhof, in dem viele Menschen wohnen, nach derzeitigem Planungsstand „ohne“ da. Warum ist das so?

Ausschlaggebend ist in diesem Fall der Kosten-Nutzen-Faktor gewesen, der durch das zuständige Planungsbüro ermittelt wurde. Und der habe bei Grafing-Bahnhof einen Wert unter 1 ergeben, berichtet der CSU-Bundestagsabgeordnete Andeas Lenz (CSU), der das zugrunde liegende Lärmschutzgutachten des Planungsbüros Möhler+ Partner genau studiert hat. Heißt im Klartext: Zuviel Kosten, zu wenig Nutzen.

Der für Schammach ausschlaggebende Schwellenwert sei, so Lenz sinngemäß, auch erst nach Verhandlungen und unter anderem dadurch erreicht worden, dass an der Baumaßnahme eingespart worden sei. Das wiederum ließ rein rechnerisch den zweifellos bestehenden Nutzen größer erscheinen im Verhältnis zum finanziellen Aufwand.

Immerhin ist es mit diesem Kniff gelungen, die Maßnahme für Schammach doch noch durchzudrücken. „Wir bräuchten fast überall möglichst aktiven Lärmschutz“, räumt Lenz ein und bringt die Möglichkeit ins Spiel, dass die Stadt Grafing selbst zur Finanzierung weiterer Lärmschutzmaßnahmen beitragen könnte – wenn die denn gewünscht seien. „Es ist nicht so, dass nichts gemacht wird“, sagt der Bundestagsabgeordnete und verspricht sich dabei viel vom Einbau der Schienenstegdämpfer, die den Zuglärm abmildern sollen.

Abgesehen davon, dass in unmittelbarer Siedlungsnähe zur Bahntrasse in dem Gutachten ein Lärmdruck von bis zu 70 Dezibel festgestellt wurde, dringen in Schammach aber eben auch in Grafing-Bahnhof zwischen den Häusern lange „Lärmfinger“ weit in die Siedlung ein, in denen noch bis zu 55 Dezibel gemessen werden. Lenz weist deshalb darauf hin, dass nicht nur Anlieger in der ersten Reihe vom Bahnlärm betroffen sind. Deren Häuser bilden aber quasi auch eine Art Lärmschutz für die Hinterlieger. Viele Maßnahmen der Bahn seien bereits freiwillig, sagt Lenz. Er sagt aber auch: „Das muss gemacht werden, wenn man die Akzeptanz für die Bahn erreichen will.

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