Thomas Huber und seine schwarze Liesl, eine italienische Hündin, aus der Toskana. Schwarz ist Huber auch im Herzen, die CSU ist sein Leben. Im Oktober gilt’s: Behält er sein Direktmandat?
+
Thomas Huber und seine schwarze Liesl, eine italienische Hündin, aus der Toskana. Schwarz ist Huber auch im Herzen, die CSU ist sein Leben. Im Oktober gilt’s: Behält er sein Direktmandat?

Landtagswahl 2018

Ohne CSU-Mann Thomas Huber wäre Söder ein Mann ohne Baum

  • Christoph Hollender
    VonChristoph Hollender
    schließen

Am Sonntag, 14. Oktober, wird in Bayern ein neuer Landtag gewählt. Im Stimmkreis Ebersberg bewerben sich etliche Kandidaten für das Direktmandat, das derzeit Thomas Huber von der CSU inne hat. In einer losen Folge stellen wir einige Kandidaten vor. Heute: Thomas Huber.

Das Mobiltelefon von Thomas Huber klingelt, Söder ist dran, wer sonst, der Ministerpräsident. „Kannst du das machen?“, sagt er zu Huber. Er nickt, sagt ja, irgendwie werde das schon gehen. Auch wenn’s richtig eng werden dürfte. Huber, 46, CSU-Kreisvorsitzender, Landtagsabgeordneter und seit Kindertagen aktives Mitglied im Grafinger Trachtenverein, soll es für Söder richten. 

Er soll einen Maibaum aus Oberbayern nach Brüssel transportieren und ihn dort traditionell im Hof der Bayerischen Vertretung hinter hohen Mauern nicht weit weg von der EU-Kommission aufstellen. Zünftig soll’s werden – mit der Fichte aus dem Ebersberger Forst. Auf den Pressefotos, die daraus entstehen, lachen Huber und Söder über beide Ohren. Teamgeist sollen die Bilder demonstrieren. Ein Motto, das zumindest Huber schätzt.

Alleine gehe nichts, nur zusammen

Alleine gehe nichts, nur zusammen, betont er. 2013 zog er mit knapp 47 Prozent in den Landtag ein, ist demografiepolitischer Sprecher der CSU-Landtagsfraktion, im Kreis kennen ihn viele. Fünf Wochen hatte er im Frühjahr Zeit, die Maibaumaktion vorzubereiten. „Eigentlich viel zu kurz und unmöglich“, sagt Huber. Sein Leben ist geprägt von Aktionen, ähnlich wie der mit dem Maibaum. Ehrgeizig, fleißig, engagiert, nennen ihn viele. Einige nennen ihn einen typischen Parteimitläufer. Huber würde sich vielleicht als Typ Macher bezeichnen. Politik sei seine Berufung.

Er steht im Vorhof der Atteltaler Alm vor der Holzhütte seines Trachtenvereins. Des Vereins, dessen Burschen den Maibaum im April geschmückt und in Brüssel mit ihm gemeinsam in Tracht aufgestellt haben. Neben Huber, dunkelblaues Poloshirt, das er noch nicht oft getragen haben dürfte, wuselt Liesl, die an diesem Tag einen langen Gassigeh-Vormittag erlebt. Eine Mischlingshündin mit schwarzen Haaren. Dass sie schwarz ist, so wie die Parteifarbe der CSU, sei ein absoluter Zufall, hat Huber schon zu Beginn des Spaziergangs durch Grafing versichert und lang geschmunzelt.

In der Toskana, in einem Weingut, hat er gemeinsam mit seiner Frau Urlaub gemacht, legt er los, und die Hündin als Welpe getroffen. Vor über sieben Jahren. „Sie ist uns nicht mehr von der Seite gewichen“, sagt Huber.

Wieso aus Chiara Liesl wurde

Dass Familie Huber, sein Sohn ist jetzt 16, einen Hund bekam: ein Zufall. Sie konnten Chiara, so hieß der Vierbeiner damals in Italien, nicht widerstehen. Daheim, in Grafing, Hubers Heimat, „ist aus Chiara schnell Liesl geworden“, sagt Huber und lacht etwas süffisant: „Ein bayerischer Name musste her, klar“, meint er. Wie sehr er Bayern über die Grenzen hinaus mag, betont Huber, wenn er in Südtirol Urlaub macht, in Feldthurns. Dort trifft er Parteikollegen der Südtiroler Volkspartei und merkt, man ist sich hier, im alpenländischen Kulturkreis recht ähnlich. 

Huber, ein traditioneller Trachtler mit Festgwand im Schrank, der den Brauch kennt, der aber auch die Lederhosn mit T-Shirt und Flipflops trägt: „Auch Tracht entwickelt sich weiter“, sagt er, und die Einstellung dazu, wie man sie trage. Weißwurst gibt’s dafür traditionell vor zwölf Uhr und nur mit süßem Senf. Weißbier nur gelegentlich, eher Wein.

Vieles im Leben dreht sich bei Huber um Politik. Und um die CSU. Wie viel Geld man ihm geben müsste, dass er eine Woche nicht über Politik spricht? „Unbezahlbar!“ Gut, mit seiner Frau spreche er nicht ständig über Politik, aber sehr oft. Weil man unverblümt sagen könne, was man wolle. Und Feedback bekomme, „auch wenn mir dieses nicht immer gefällt“.

Lesen Sie das Porträt über Doris Rauscher, SPD: Doris Rauscher und ihr Sterntaler

Thomas von Sarnowski Bündnis, 90/ Die Grünen: Grün – und offen für Rot und Schwarz 

und Thomas Müller, FDP: Der liberale Bairer

Viel Süßholz - viel geschafft

An diesem Tag im September, die Sonne scheint, redet Huber dagegen gerne mal verblümt, wirbt für die CSU als eine Partei, die so viel Gutes für Bayern getan hat und dass man, was die schlechten Umfrageergebnisse angeht, bis zur Wahl warten solle. Wird schon wieder, sozusagen. Intern, in der Partei, mache er den Mund auf, sage offen, wenn ihm was nicht passt, wie zuletzt, dass sich die Sprache der Partei – vor allem in der Asylpolitik – ändern müsse, „überhebliche, unangemessene Äußerungen“ seien abstoßend, meinte Huber. Zu viel Konflikt darf es aber nicht sein, schließlich lebt er von der CSU.

Er redet viel von sich, springt von seinem Eintritt in die CSU 1991 ins Jahr 1996, wo „ich als 23-Jähriger jüngster Stadtrat in Grafing wurde“. Dann in seine JU-Zeit, er war bis 2001 der Chef der Grafinger CSU-Jugendorganisation, schaffte einen Mitgliederzuwachs von 40 auf 178, organisierte Open-Air-Konzerte: „Von der Jugend, für die Jugend“, Tausende Gäste kamen, das eingenommene Geld floss in Projekte, für das Jugendcafé zum Beispiel. Geschafft hat er viel, das kommt an. 

Sein Rezept: Junge Leute mobilisieren, mitnehmen. Nicht unbekannt bei der CSU. Nicht umsonst seien führende CSUler im Landkreis, Landrat Robert Niedergesäß, der Bundestagsabgeordnete Andreas Lenz und Huber aus einer „Politiker-Generation“, wie Huber sagt, also im etwa gleichen Alter.

Huber liege jede Generation am Herzen, das sei ihm wichtig, betont er immer wieder. Er schlendert am Kasperlkreuz am Stadtrand vorbei, sagt, dass es ihm die Sozialpolitik angetan habe, dass er wisse, dass es Altersarmut gebe, auch in gut betuchten Gegenden wie im Landkreis. Kommunen müssten noch stärker für bezahlbaren Wohnraum sorgen, es sei deren Pflichtaufgabe, sagt er.

„Mit der AfD würde ich nie eine Koalition eingehen!“

Der Freistaat stelle dafür viel Geld zur Verfügung, das wolle Huber zukünftig weiter forcieren. Mit blindem Bauen und Zubetonieren, wie es beispielsweise die FDP fordere, sei es nicht getan. Bestehende Flächen müssten besser genutzt werden, Genossenschaftsmodelle seien ein guter Hebel, damit sich auch Geringverdiener eine Wohnung leisten können. Und Bauland müsse für junge Familien bezahlbar sein. Positionen, die auch die Konkurrenz spielt.

Der Weg führt Huber und Liesl hinauf zur Wasserreserve, Grafing leuchtet im Sonnenschein, Huber lächelt, ist sichtlich stolz, „ich fühle mich hier wohl“. In München leben könnte er nicht, arbeiten im Landtag schon.

Ob er Hunger auf mehr hat, auf höhere Posten als „nur“ ein Mandat, wenn er denn gewählt werde, lässt er offen. Genauso, mit wem die CSU nach der Wahl koalieren werde. „Mir ist wichtig, das Beste für den Landkreis herauszuholen“, sagt er und verrät doch noch etwas, was in der Zeitung stehen darf. „Mit der AfD würde ich nie eine Koalition eingehen!“ Es seien Populisten, ohne Antworten, ohne dass sie in den Parlamenten, in denen sie in Deutschland vertreten sind, je etwas gerissen hätten. „Es ist eine reine Protestpartei.“ Die CSU sei die Volkspartei.

Auch interessant

Kommentare