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Flüchtlinge holen ihr Gepäck aus den Containern an der Schule. Sie werden andernorts untergebracht. Begleitet werden sie von der Polizei.

Nach wochenlangem Hin und Her 

Polizei räumt Grafinger Asyl-Container

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Grafing - Die Flüchtlinge, die sich seit Wochen einem Umzug widersetzt hatten, mussten ihre Unterkunft am Grafinger Gymnasium jetzt verlassen. Die Polizei vollzog eine Anordnung des Landratsamts. Die Asylbewerber werden nun außerhalb des Landkreises untergebracht.

„Ihr seid alle Rassisten“, machte sich ein Flüchtling Luft. Es war teilweise laut, aber friedlich, als das Landratsamt Ebersberg am Mittwoch zum ersten Mal eine Asylbewerberunterkunft räumte – mit massiver Polizeiunterstützung. Ende Mai hatte ein 20-Jähriger aus Sierra Leone auf dem Dach der Containeranlage am Gymnasium Grafing gegen die Verlegung demonstriert und gedroht, in die Tiefe zu springen. Er landete schließlich in einem Sprungkissen der Feuerwehr.

Schon lange vorher hatte das Amt angekündigt, die Wohncontainer, die erste Notunterkunft im Landkreis, zu schließen. Ein Termin wurde gesetzt. Die meisten Bewohner zogen Ende Mai freiwillig aus und wurden in die neue Traglufthalle nach Pliening gebracht. Einige aber weigerten sich. Das Landratsamt ließ sie zunächst weiter in den Containern wohnen. Maßnahmen, wie Strom und Wasser abzustellen, wurden nicht ergriffen. Aktuell waren noch elf Männer dort offiziell gemeldet. Zudem waren am Mittwoch auch drei Frauen und ein Kleinkind dort – Besucher aus München, wie das Landratsamt mitteilte.

Gegen 14 Uhr wurden die Bewohner informiert, dass sie die Unterkunft verlassen müssten. Zunächst wurden ihre Personalien überprüft, dann konnten sie ihre persönlichen Sachen aus dem Gebäude holen. Das Tor zum Gelände wurde von der Polizei abgeriegelt.

Es gab Proteste: „Ich wohne seit einem Jahr und zwei Monaten hier, ich gehe zur Schule, ich integriere mich. Warum muss ich weg?“, schrie einer der Männer. „Das ist nicht demokratisch.“ Ein anderer fragte: „Ist das menschlich?“ Oder: „Ihr macht das nur, weil ich schwarz bin.“

Alle Bewohner erhielten einen Bescheid, in welcher Unterkunft sie künftig wohnen können. Laut Landratsamt sind es Einrichtungen außerhalb des Landkreises Ebersberg, unter anderem in München. Eine Verlegung nach Pliening gibt es nicht. Jeder der Betroffenen erhielt zudem Fahrgeld, um selbständig in die neue Unterkunft kommen zu können. Über den Helferkreis werde organisiert, dass persönlicher Besitz der Flüchtlinge, der jetzt zurückgeblieben sei, den Eigentümern übergeben werden könne, sagte Andreas Stephan vom Landratsamt.

Hintergrund:Das Schließen der Anlage in Grafing und der Umzug der Flüchtlinge war eine Konsequenz aus den stark zurückgegangenen Zugängen von Asylbewerbern in den vergangenen Monaten. Im Landkreis Ebersberg gebe es seit Mitte März keine Neuzugänge, verteidigte Landrat Robert Niedergesäß (CSU) die Maßnahme. Bis auf weiteres würden auch keine weiteren Flüchtlinge kommen. Deshalb könnten nun primär die Standorte an den Schulen des Landkreises aufgelöst werden werden. Dazu zählten auch die Container am Gymnasium Grafing. Das sei ebenso eine Notunterkunft, so Niedergesäß. Die Asylhelfer vor Ort waren jedoch anderer Meinung.

Die Anlage in Grafing ist nun verschlossen. Die Sanitärcontainer sollen in den nächsten Tagen abgebaut werden. Die restlichen Container werden künftig weiter für Asylbewerber genutzt werden, nämlich als Räume für die Berufsschule.

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