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Heiße Diskussion um Sonnenenergie in Nettelkofen

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Von: Michael Seeholzer

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Ungefähr auf dieser schraffierten Fläche südwestlich von Nettelkofen will das Eberwerk eine Freiflächen-Photovoltaikanlage errichten. Die Mehrheit des Stadtrats weiß es dabei auf seiner Seite.
Ungefähr auf dieser schraffierten Fläche südwestlich von Nettelkofen will das Eberwerk eine Freiflächen-Photovoltaikanlage errichten. Die Mehrheit des Stadtrats weiß es dabei auf seiner Seite. © Eberwerk

Das Eberwerk will in Grafing südwestlich von Nettelkofen auf einer Ackerfläche eine Photovoltaik-Freifläche errichten. Die Dimensionen: Das Areal soll bis zu vier Hektar groß werden, was in etwa einer Leistung von vier Megawatt entspräche.

Grafing – Das geplante Projekt trägt zur örtlichen Energieversorgung bei, gefällt aber nicht allen. Für das Vorhaben muss der Flächennutzungsplan geändert werden. Die dagegen eingebrachten Bedenken und Argumente wurden im Bauausschuss des Stadtrats behandelt.

Kritik von Bayernpartei und Vogelschützern

Vor allem die Bayernpartei und der Landesbund für Vogelschutz übten Kritik, die zur Kenntnis genommen wurde. Das Verfahren wird trotzdem weiter verfolgt. In der Abstimmung dagegen war nur Walter Schmidtke (BP), der sich am Standort störte. Jetzt erfolgt die öffentliche Auslegung der Pläne.

„Wir sind froh, wenn wir diese Fläche kriegen“, meinte Josef Biesenberger (Grüne), dessen Kritik nicht in Richtung dieser Freifläche, sondern in eine ganz andere deutete: „Grafing produziert auf seiner Fläche gerade einmal 15 Prozent seines eigenen Bedarfes“ an Energie, hatte er ausgerechnet. Sollte heißen: Das ist bisher viel zu wenig.

BP-Stadtrat Schmidtke kritisierte am Standort, hier werde „hochwertiges Gut auf dem Scheiterhaufen der Energiewende geopfert“. Dem entgegnete Bauamtsleiter Josef Niedermaier, dass es sich bei der Fläche für die Photovoltaikanlage um einen „Maisacker“ handele. „Die Zauneidechse könnte sich sehr viel wohler fühlen“ unter den Sonnenpaneelen, meinte er. „Ich kann keinen Verstoß gegen den Artenschutz erkennen.“

CSU: Entweder wollen wil erneuerbare Energie oder nicht

Regina Offenwanger (SPD) sah das genauso: „Maisanpflanzung ist ökologisch null“, sagte sie zur bisherigen Nutzung der Fläche. „Entweder wollen wir erneuerbare Energie oder nicht“, erinnerte Josef Fritz (CSU) an eine Grundsatzfrage und gab zu bedenken: „Unter den Photovoltaikflächen grasen dann Schafe.“ „Das ist eine der hässlichsten Ecken von Grafing“ und keine schützenswerte Landschaft, meinte Biesenberger. „Wir kartieren gerne nach, was die Zauneidechse betrifft, aber durch diese Anlage wird kein Lebewesen getötet“, bestätigte Niedermaier.

Schmidtkes Kritik richtete sich auch gegen einen neuen Radwegabschnitt, der im Verfahren sozusagen als bisher fehlendes Bindeglied zwischen Grafing und Kirchseeon gleich mit erledigt werden soll. „Jeder Radweg ist eine Landschaftszerschneidung“, protestierte der Stadtrat, während Roswitha Singer (Grüne) darauf hinwies, dass sie nach Vollendung des entsprechenden Abschnittes von Grafing bis nach München fahren könne.

CSU-Stadtrat Max Graf von Rechberg lobte einen kleinen, aber in seinen Augen nicht unbedeutenden Nebenaspekt: Als Ausgleichsfläche für die vier Hektar große Freiflächenanlage wird nicht landwirtschaftlicher Grund im unmittelbaren Umgriff umgewidmet und damit aus der Produktion herausgenommen. Die Lösung ist in diesem Fall die ökologische Aufwertung und der Umbau des Seeoner Baches. Da haben auch Amphibien etwas davon.

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