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Drei mit der „Oidensau“: Vorsitzende Philomena Huber, Kassier Wolfgang Hluchnik und 2. Vorsitzende Eva Doniat (v.l.). Im Hintergrund die Preise, die es beim jüngsten Schafkopfrennen des Trios zu gewinnen gab.

Neuer Verein in Grafing

Zwei junge Frauen und die Oidesau

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Es gibt keine „Wiederholen“-Taste. Gestochen ist gestochen. Und wer falsch zugibt, hat verloren. Analog Schafkopfen ist etwas anderes, als am Computer das zum Beispiel derzeit beliebte „Sauspiel“ zu spielen. Aber genau das macht ja den Reiz aus.

Diesen Reiz haben in Grafing zwei junge Frauen entdeckt. Sie haben deshalb einen Verein gegründet. Er heißt „Oidesau“. Wenig schmeichelhaft. Aber genau passend. „Wir wollten einfach mehr lernen“, sagt Vorsitzende Philomena Huber (29) über die Motive ihrer Vereinsgründung.

Die 29-Jährige ist von Beruf Innenarchitektin. 2. Vorsitzende ist Fernseh-Redakteurin Eva Doniat (35). Schafkopfen ist nach wie vor eine Männerdomäne. Und ausgerechnet in dieser männlichen „Trendsportart“ haben sich zwei Frauen als Vereinsgründer zusammengetan.

Turniere veranstalten sie auch. Zum Beispiel im Grafinger Kastenwirt. Wer beim letzten mal gewonnen hat? Egal. Es geht um den Spaß an der Freude. „Einen Sponsor könnten wir schon gebrauchen“, sagt Eva. „Am besten einen Metzger. Bäcker geht aber auch.“ Fleischpreise sind beliebt.

Inzwischen hat der Verein „Oidesau“ 20 Mitglieder. Für diejenigen, die nicht Schafkopfen können – und damit keine Missverständnisse aufkommen: „Oidesau“ meint im Kartlerjargon „Eichel-Ass“, der „Oide“ ist der Eichel-Ober, bei einem Sauspiel der höchste Trumpf. „Beim Schafkopfen muss man eh zu mehreren sein“, sagt Huber. „Warum dann nicht gleich einen Verein gründen?“, pflichtet ihr Doniat bei. Das Ergebnis ist Grafings derzeit jüngster Verein.

Die beiden Frauen spielen schon länger Schafkopf. Huber seit etwa zehn Jahren, Doniath seit 20 Jahren. Und ihre Partner? „Der meine kann’s ein bisschen“, berichtet die Vorsitzende. Und ihre Stellvertreterin winkt ab: „Meiner kann’s überhaupt nicht.“

Ihre spielerischen Qualitäten haben die beiden Frauen bei diversen Turnieren schon unter Beweis gestellt – unter anderem bei den Schafkopfrennen, die die EZ regelmäßig veranstaltet. Den Spielleiter Sepp Hundegger kennen sie jedenfalls, sagen sie. „Der ist gut drauf.“

Bei Schafkopfturnieren sind Frauen noch eine Randerscheinung. So war es auch beim jüngsten Turnier im Kastenwirt. An zehn Tischen saßen insgesamt vier Frauen – die beiden Veranstalterinnen mit eingerechnet. Die beiden anderen sind zwei Schwestern aus Grafing und Profis, die regelmäßig bei den Turnieren in der Umgebung als Teilnehmerinnen aufschlagen.

Eva Doniath muss hin und wieder aufstehen, weil sie Turnierleiterin ist. Wer ein genehmigungspflichtiges Spiel hat, muss nach ihr rufen. Ihr eigenes Spiel behält sie trotz dieser Unterbrechungen im Auge. In der ersten Runde muss sie an diesem Tag allerdings im Geldbeutel „nachfassen“.

Beim Vater von Philomena Huber, dem Grafinger Stadtrat der Grünen, Wolfgang Huber, läuft es aber auch nicht anders. „Es war schon mal besser“, meint er mit Blick auf ein paar verlorene Münzen, die in seinem blauen Schüsserl klimpern. Keine Angst: Auf lange Sicht setzt sich ein guter Spieler durch. So ist das beim Schafkopfen. Denn diese Art des Kartenspiels hat weniger mit Glück, als vielmehr mit spielerischen Können zu tun.

Wer sich die Turniertermine nicht merken kann, bekommt von den beiden Frauen einen Bierdeckel in die Hand gedrückt. Auf dem wird auch erklärt, das es mit der „Oidensau“ auf sich hat. Der Name steht für: „Oberbayerische Institution der exzellenten Schafkopfer am Urtelbach.“ Ganz schön selbstbewusst für eine Vereinigung, die sich auf die Fahnen geschrieben hat, das bayerische Kartenspiel in der jüngeren Generation überhaupt am Leben zu erhalten. Der Durchschnittsschafkopfer dürfte jedenfalls weit über 50 Jahre alt sein, da tut frisches Blut ganz gut.

Den Saukopf auf dem Bierdeckel ziert übrigens eine Prinzessinnenkrone. Wer jetzt Lust bekommen hat, selbst einmal mitzuspielen und wenigstens die Karten richtig rum halten kann, der ist jeden 4. Dienstag im Monat im Gasthaus Sirtl in Grafing ab 19 Uhr herzlich willkommen zu einer offene Schafkopfrunde. Und wenn’s da dann gut klappt, kann gerne auch an einem Turnier teilgenommen werden. Das nächste ist am 12. Mai im Grafinger Kastenwirt.

Und wer weiß: Vielleicht hat sich bis dahin ja wirklich schon ein potenter Sponsor gefunden.

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