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Die Farbe blau bedeutet mehr Lärm: Weil die Stadt Grafing den Lärmschutzwall am künfigen Baugebiet an der Aiblinger Straße um einen Meter niedriger plant, bekommen die blauen Stockwerke kein Fenster zum Öffnen. 

Wegen Lärmschutz

Neues Grafinger Baugebiet: Kein Fenster zum Aufmachen

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Grafing - Beim Thema Nachtruhe kann es schon mal lebendig werden im Grafinger Stadtrat. Gerne auch bei der Frage, wem jetzt mehr Krach zugemutet werden soll: „Bestandsanliegern“ oder neu Zugezogenen. Es ging aktuell um den Aiblinger Anger.

Das Neubaugebiet liegt in dem Areal zwischen Glonner Straße und Aiblinger Straße hinter dem Aldi-Gelände und muss gegen Immissionen geschützt werden. Sonst kann hier nicht gebaut werden, oder jedenfalls nicht so dicht, wie vorgesehen. Soll der Lärmschutzwall samt Wand aber nun vier Meter hoch werden oder nur drei Meter? Diese Frage löste ein langatmiges Für und Wider im Bauausschuss aus.

Die Altanlieger leben bisher selbstverständlich mit dem Straßenlärm. Wird auf der gegenüber liegenden Fahrbahnseite aber jetzt ein Lärmschutzwall zum Schutz des geplanten Neubaugebietes vor Immissionen errichtet, befürchten die Alteingesessenen, dass von dort der Krach in ihre Siedlung reflektiert wird. Und sie haben Recht. Der Lärm stiege tatsächlich um 0,5 Dezibel, hat die Verwaltung ermitteln lassen. „Das liegt unter der Wahrnehmungsgrenze“, beruhigte Bauamtsleiter Josef Niedermaier. Die Wortmeldung eines Anliegers, dem Bürgermeisterin Angelika Obermayr (Grüne) Rederecht erteilte, machte deutlich, dass man deswegen keineswegs beruhigt ist. „Die Nachbarn werden minimal mehr belastet, das müssten sie akzeptieren“, appellierte Niedermaier.

Einige sind von den Diskussionen genervt

Architekt und Stadtrat Christian Einhellig (FW) ist in bisherigen Ratssitzungen noch nicht durch emotionale Regungen aufgefallen. Nachdem sich die Debatte über den Lärmschutz an der Aiblinger Straße aber episch hinzuziehen drohte, meinte er: „Ich kann diese endlose Diskussion über die Höhe des Walles nicht mehr gutheißen.“ Zu diesem Zeitpunkt musste die Bürgermeisterin die Bauausschussmitglieder bereits daran erinnern, warum man hier überhaupt in die Planung eingestiegen ist: „Wir haben einen Wahnsinnsdruck. Was sollen wir denn tun, wir brauchen die Wohnungen!“, appellierte sie an das Gremium, sich nicht zu verzetteln. Stadtrat Heinz Fröhlich („Bündnis für Grafing“) hatte da das Baugebiet Aiblinger Anger aus für den Rest des Gremiums nicht nachvollziehbaren Gründen schon ganz in Frage gestellt: „Das ist nicht organisch, für mich ist das anorganisch.“ Fröhlich verweigerte als Einziger seine Zustimmung. In dieser Situation bot die Verwaltung einen Kompromiss an, der allgemeinen Beifall fand. Denn der Lärmschutzwall wird nur drei Meter hoch und auch bepflanzt werden. Damit sei gewährleistet, dass den Altanliegern keine Nachteile entstünden. Keine Wirkung ohne Gegenwirkung: In Kauf nehmen musste man deswegen freilich, dass in den neu entstehenden Wohnungen auf den dem Verkehr zugewandten Gebäudeseiten keine Fenster eingebaut werden können – jedenfalls keine, die man öffnen könnte, und sei es nur zum Fenster putzen.

Die Entscheidung des Stadtrates greift auch aus einem anderen Grund tief in das neue Baugebiet ein. Unter anderem können jetzt in den oberen Stockwerken der an der Straße liegenden Geschosswohnungsbauten die Zimmer nicht mehr frei aufgeteilt werden. Denn die Schlafräume müssen auf der der Straße abgewandten Seite unterkommen.

Nicht nur Kosmetik

Es war also nicht nur Kosmetik, die von den Ratsmitgliedern hier betrieben wurde. „Die gesetzliche Lage schützt den Neubau und den Altbau nicht“, resümierte Stadtrat Max Graf von Rechberg (CSU). „Wenn wir den Wall auf drei Meter reduzieren, ist das schon wesentlich besser“, rechtfertigte er die massiven Konsequenzen für das neue Baugebiet.

Ein Lärmschutzwall auf der Seite der Altanlieger dürfte an der Bereitschaft der Grundbesitzer scheitern, die dafür notwendigen Flächen ihres Gartens zur Verfügung zu stellen.

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