Der Eishockey-Nachwuchs läuft im Nebel: Das gehört beim Sommer-Eis immer dazu, um die Schwaden zu vertreiben.
+
Der Eishockey-Nachwuchs läuft im Nebel: Das gehört beim Sommer-Eis immer dazu, um die Schwaden zu vertreiben.

EHC Klostersee auf Unterstützung angewiesen

Klima-Debatte um Eisstadion Grafing - Verein warnt: „Ohne Zuschuss gehen die Lichter aus“

  • VonOlaf Heid
    schließen
  • Wolfgang Herfort
    Wolfgang Herfort
    schließen

„Ohne die finanzielle Unterstützung gibt es in Grafing keinen Eissport.“ Sacha Kaefer, Vorsitzender des EHC Klostersee, fand klare Worte. Grund dafür war die im Rahmen der jüngsten Sitzung des Kreisausschusses aufgekommene Kritik an den Betriebskosten des vereinseignen Stadion.

Grafing – „Das ploppt alle Jahre wieder auf. Natürlich wollen wir Kosten sparen, natürlich wollen wir den CO2-Austoß reduzieren und etwas gegen den Klimawandel tun.“ Der Vorwurf, die neue Kälteanlage habe nicht die erhoffte Energie-Einsparung gebracht, sei richtig, so der Klosterseer Chef. „Aber aktuell ist eine Fachfirma dran, die Einstellung zu optimieren, dann werden wir weniger Strom benötigen.“

Geschlossene Halle wäre teurer, argumentiert der EHC Klostersee

Kaefer bezog auch zum Vorwurf Stellung, den halboffenen Status der Halle zu ändern und sie in eine geschlossene Halle zu verwandeln. „Wenn das umgesetzt würde, wäre der Stromverbrauch deutlich höher. Nicht im Winter, aber in den Monaten, in denen kein Eis gemacht wird. Denn die Halle wird ja ganzjährig genutzt. Da wird Inline-Hockey gespielt. Auch Versammlungen finden dort statt. Wäre die Halle geschlossen, müsste man eine Lüftungsanlage installieren und betreiben. Sehr kostspielig.“ Außerdem sei man durch die Bauweise in der Lage gewesen, zumindest Kadersportlern Trainingsmöglichkeiten, als alle anderen Hallen wegen Corona geschlossen waren.

Dass der Zuschuss, den Stadt Grafing und Landkreis jährlich gewähren, nach Einsparpotenzial abgeklopft werde, sei „doch Inhalt des 15-Jahres-Vertrages, der mit uns geschlossen wurde“, so Kaefer. „Alle drei Jahre findet eine Überprüfung statt, wie hoch der Zuschuss sein muss, um den Betrieb zu gewährleisten.“ Einige Politiker seien zudem nicht ganz im Bilde, was in der umgangssprachlich als „Scheune“ alles geboten werde. „Die Halle ist zweimal im Jahr für je 14 Tage zu. Ansonsten wird sie ob mit oder ohne Eis von früh Morgens bis spät in der Nacht genutzt.“

Eisbereitung später im Jahr: Vorgaben der Verbände lassen das nicht zu

Bei der im Kreistag aufgekommenen Forderung nach einer späteren Eisbereitung gab Kaefer zu bedenken, dass man diesbezüglich keine Entscheidungsmöglichkeit habe. „Das hängt doch auch mit den Vorgaben der Verbände wie dem Bayerische Eishockeyverband ab und deren Termingestaltung. Die legen fest, wann Wettbewerbe, Tuniere usw. stattfinden. Wir sind hier das kleinste Glühwürmchen. Hier wären die Politiker und Funktionäre gefragt, das allgemeinverträglicher zu gestalten.“

Überhaupt müsse man in Zukunft flexibler reagieren. Es könne nicht angehen, dass man stur von Oktober bis Februar Eis bereite und kein Auge auf die Entwicklung der Pandemie habe. „Sport treiben, wenn es die Inzidenzzahlen zulassen“, nannte der EHC-Vorsitzende als eine Möglichkeit. „Beispiel Miesbach. Eine geschlossene Halle in städtischem Besitz. Dort läuft der Eisbetrieb bereits.“

Der EHC Klostersee und die Stadt Grafing würden „sehr gut“ zusammenarbeiten. Schließlich gehe es darum, weit mehr als 300 Kindern, Schülern und Aktiven ihren Sport zu ermöglichen. „Ohne Zuschuss von Stadt und Kreis müssten wir schließen. Das Eisstadion fiele dann an die Stadt Grafing.“

Eiskunstlauf und Eissschnelllauf: Sommer-Training sehr wichtig

Die beiden Abteilungsleiterinnen der Sparten Eiskunstlauf und Eisschnelllauf/Shorttrack pflichten „ihrem“ Vorsitzenden bei. Ihre Sparte beginne mit dem Training in den Sommerferien nach den Eishockeycamps, erläuterte Constanze Mentz, die kommissarisch die Abteilungsleitung inne hat. „Die Zeit ist sehr wichtig, hier ist noch keine Schule und man kann intensiv trainieren, um für die Saison vorbereitet zu sein.“ Zumal die ersten Leistungsprüfungen Ende September beginnen.

„In der letzten Sommerferienwoche haben wir seit Jahren einen Kurs für Ferienkinder beim Ferienprogramm in Grafing und beim Ebersberger Ferienspaß ausgeschrieben“, sagte Mentz weiter. „In den Jahren vor Corona hatten wir bis zu 50 Kinder bei dieser Veranstaltung dabei.“ Sie meinte, „dass das Eisstadion, genauso wie das Freibad und die anderen Sportstätten eine große Aufwertung der Stadt und des gesamten Landkreises sind, die es zu erhalten gilt“. Bezüglich des Energieverbrauchs müsse man vielleicht mit Fakten kontern, so Constanze Mentz. „Es wäre sicher interessant zu sehen, wie der Pro-Kopf-Energieverbrauch über die Saison ist und wie der dann im Vergleich zu Schwimmbädern, Klimaanlagen, Flugreisen usw. steht.“

Schicksal des Eissports im Landkreis hängt vom Stadion ab

Auch Renate Ulrich, Abteilungsleiterin und Cheftrainerin der Shorttracker, sagte, dass sie die Kritiker des Sommer-Eises durchaus verstehe, aber letztlich überwiege das „Für“ eindeutig. „Es ist das einzige Stadion im Landkreis und bietet auch außerhalb des Leistungssports für viele Kinder und Jugendliche eine Möglichkeit sich sportlich zu betätigen.“ Und es gäbe einige, die Shorttrack nicht mehr wettkampfmäßig betreiben und trotzdem regelmäßig zum Training kommen.

Ulrich gibt auch aber auch zu: „Wir haben den ,Luxus’, Eis schon ab Ende August zu haben, immer sehr geschätzt und genossen.“ Der Leistungsgedanke spiele dabei quer durch alle Sportarten beim EHC jedoch eine immense Rolle. „Für uns war und ist es sehr wichtig, so früh Eis zu haben, schließlich finden die ersten Wettkämpfe immer gleich nach den Sommerferien statt.“ Ohne diese Möglichkeit würde sich einiges ändern. Ulrich glaubt: „Gäbe es kein Eisstadion mehr in Grafing, würde dies wahrscheinlich das Ende unserer Sparte bedeuten.“ Und – wenn man den Faden weiter spinnt – auch das des EHC Klostersee oder Eissports im Landkreis Ebersberg.

Ebersberg-Newsletter: Alles aus Ihrer Region! Unser brandneuer Ebersberg-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Region Ebersberg – inklusive aller Neuigkeiten zur Corona-Krise in Ihrer Gemeinde. Melden Sie sich hier an.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare