Paul H. (28) sitzt seit der Tat in der Psychiatrie.

Ein Jahr nach der Bluttat von Grafing-Bahnhof

S-Bahn-Amokläufer bleibt in Psychiatrie

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Seit einem Jahr sitzt Paul H., der Amokläufer von Grafing-Bahnhof, in der Psychiatrie. Wann der Prozess gegen den Mann startet, der wahllos einen Menschen tötete und drei schwer verletzte, steht immer noch nicht fest. Dass es am Ende ein Urteil mit Haftstrafe gibt, ist unwahrscheinlich.

Grafing/München – Vor einem Jahr brach das Unheil über Grafing-Bahnhof herein. In Person von Paul H., einem arbeitslosen Schreiner aus Hessen. Der war von Fulda aus mit dem Zug nach München gefahren, von dort aus mit der S-Bahn in den Ort im Landkreis Ebersberg. Am 10. Mai gegen 5 Uhr morgens stach Paul H. zu. Mit einem Fahrtenmesser tötete er einen Familienvater (56), der auf dem Weg zur Arbeit war, und verletzte drei weitere Männer schwer. Dass es Paul H. ausgerechnet nach Grafing-Bahnhof verschlug: völliger Zufall. Auch seine Opfer wählte der damals 27-Jährige willkürlich.

Blumen und Kerzen lagen nach der Tat am Zugang zum S-Bahnhof Grafing-Bahnhof, wo Paul H. am 10. Mai 2016 wahllos zustach, dabei einen Menschen tötete und drei weitere schwer verletzte.

Seit der Tat sitzt Paul H. in der Psychiatrie. Ein Jahr später gibt es noch immer keinen Prozesstermin gegen den Amokläufer. Sein Pflichtverteidiger Florian Alte geht davon aus, dass der Verhandlungsauftakt frühestens im August stattfinden wird (siehe Kasten). Dass Paul H. am Ende zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wird: äußerst unwahrscheinlich. Denn nicht einmal die Anklagebehörde hält dies für realistisch. Das erklärt Andrea Grape, Sprecherin der Staatsanwaltschaft München II, die in dem Fall ermittelt: Der Täter sei bei der Tat wegen einer psychischen Erkrankung schuldunfähig gewesen, das habe ein medizinisches Gutachten ergeben.

Schon am Tag des Amoklaufs deutet darauf vieles hin: Als Paul H. sich an dem Morgen schließlich zwei Polizisten ergab, war er barfuß. Später heißt es, er habe von „Wanzen an den Füßen“ gesprochen, weshalb ihm zu warm geworden sei und er die Schuhe ausgezogen habe. Seine Aussagen bei der Vernehmung sind den Ermittlern zufolge wirr. Auch habe er „Ungläubige, ihr müsst sterben!“ geschrien, als er auf seine Opfer losging. Stichhaltige Hinweise auf einen politischen oder religiösen Hintergrund gibt es aber nicht. Dafür stellte sich heraus, dass Paul H. nur zwei Tage vor seiner Amoktat auf Drängen seiner Großeltern eine Nacht lang in psychiatrischer Behandlung gewesen war. Die Großeltern hatten aus Angst vor ihrem Enkel sogar die Polizei verständigt. Aus der Klinik türmte dieser jedoch – und machte sich auf den Weg nach Grafing-Bahnhof.

Ermittler der Spurensicherung untersuchten den Bahnsteig und den S-Bahn-Zug am Tatort.

Die Staatsanwaltschaft hat angesichts der Tatumstände und des medizinischen Gutachtens zur Schuldunfähigkeit des mittlerweile 28-Jährigen keine Anklage erhoben. Stattdessen hat sie eine Antragsschrift verfasst, wonach Paul H. dauerhaft in der geschlossenen Abteilung einer psychiatrischen Klinik untergebracht werden soll. „Jemanden, der schuldunfähig ist, kann man nach dem Gesetz nicht anklagen“, erklärt Grape. Die Voraussetzungen für eine dauerhafte Unterbringung sieht die Staatsanwaltschaft aber erfüllt. „Der Tatnachweis kann unserer Ansicht nach geführt werden“, sagt die Sprecherin. Ob der Täter inzwischen geständig und kooperativ ist, kann Grape nicht beantworten.

Die Staatsanwaltschaft gehe aber davon aus, dass der Hesse weiterhin eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt, also die Gefahr besteht, dass er weitere erhebliche Straftaten begehen könnte. Sollte der Gutachter in der Hauptverhandlung vor dem Landgericht München II die Schuldunfähigkeit von Paul H. bestätigen, wird das Gericht daher aller Wahrscheinlichkeit nach entscheiden, dass er dauerhaft in der Psychiatrie untergebracht wird.

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