Die Wohnblöcke in der Grafinger Schloßstraße hatten schon viele Eigentümer. Jetzt steht ein Verkauf der Wohnungen hat. Die Stadt Grafing könnte auch Eigentümer werden.
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Die Wohnblöcke in der Grafinger Schloßstraße hatten schon viele Eigentümer. Jetzt steht ein Verkauf der Wohnungen hat. Die Stadt Grafing könnte auch Eigentümer werden.

Stadt fährt zweigleisig – Möglichkeiten an der Aiblinger Straße und an der Schloßstraße

Schub für sozialen Wohnungsbau in Grafing

  • Michael Seeholzer
    VonMichael Seeholzer
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Jemand anderen auf einem eigenen Grundstück nagelneue sozial gebundene Wohnungen bauen lassen und damit auch noch Geld verdienen? Oder lieber 50 Jahre alte Wohnungen kaufen und sie dann an Mieter mit schmalem Geldbeutel vermieten? Vielleicht wird ja in Grafing aus beiden Vorhaben etwas. Gleich zwei Tagesordnungspunkte zum Thema sozialer Wohnungsbau sorgten für lange Diskussionen im Bauausschuss.

Grafing - Gleich zwei Tagesordnungspunkte zum Thema sozialer Wohnungsbau sorgten für lange Diskussionen im Bauausschuss. Vorhaben Nummer eins: Die Stadt hat durch einen Grundstückstausch ein Areal an der Aiblinger Straße für die staatliche Wohnbaugesellschaft BayernHeim attraktiv gemacht. Unter Verlängerung des Lärmschutzwalles Richtung Gewerbegebiet Haidling könnten dort im Anschluss an die erst neu entstandene Siedlung 50 bis 60 Sozialwohnungen realisiert werden.

„Das wäre ein Durchbruch im sozialen Wohnungsbau“ und das auch noch in einer nicht unattraktiven Lage, erläuterte Bauamtsleiter Josef Niedermaier und sprach von etwa 4500 Quadratmetern Wohnfläche. Voraussetzung dafür, dass die BayernHeim dort bald tätig werden kann, ist ein schnelles Verfahren und außerdem „dass wir nicht weiter auf Brautschau gehen und das Grundstück nicht auf dem freien Markt anbieten“, so Niedermaier.

Vorteile für die Stadt liegen auf der Hand

Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Stadt bekommt Sozialwohnungen und erzielt über Erbbaurecht oder Verkaufserlös sogar noch einen Erlös dabei, weil die staatliche Wohnbaugesellschaft ihrem eigenen Auftrag folgt. Klingt kompliziert, meint aber eigentlich nur: Ein Dritter baut Sozialwohnungen, die Stadt sichert sich durch den Grundstücksdeal Mitsprache beim Belegungsrecht. Da waren alle dafür.

Vorhaben Nummer zwei: Die Stadt verhandelt weiter mit der Stadtsparkasse München über den Kauf von Wohnungen in der Schloßstraße, die derzeit von dem Geldinstitut auf dem Markt angeboten werden. So elegant, wie das Projekt an der Aiblinger Straße erschien dieser Antrag der Bayernpartei einigen Ausschussmitgliedern freilich nicht.

Schloßstraße: Elli Huber (CSU) warnt vor der Katze im Sack

Gebrauchte Wohnungen seien „die Katze im Sack“, meinte Elli Huber (CSU). Bürgermeister Christian Bauer (CSU) kritisierte die Bayernpartei dafür, dass sie den Wohnungskauf maßgeblich in die Öffentlichkeit getragen hatte zu einem Zeitpunkt, da die Stadt bereits Gespräche mit der Stadtsparkasse führte. „Unsere Verhandlungsposition wurde erheblich verschlechtert“, so Bauer wörtlich. Der Zustand der Wohnungen in der Schloßstraße sei „nicht so schlecht“, meinte Schmidtke und fügte hinzu: „Die Stadt hat früher Wohnungen von der Resterampe gekauft.“ Bei derzeitigen Zinsen von 0,04 bis 0,08 Prozent für kommunale Investitionen solle man kein Stadtrat sein „der zögert und zaudert“.

„Das ist ein gebrauchtes Ding. Gekauft wie gesehen“, warnte Huber vor einem Engagement in der Schloßstraße. Angesichts der Möglichkeit am Aiblinger Anger sollte sich die Stadt „nicht verzetteln“, gab ihr Claus Eimer (FDP) recht. „Die Mieter haben einen Kündigungsschutz über zehn Jahre“, informierte Bauer, dass selbst im Fall des Kaufes dieser Wohnungen sie anschließend nicht für den sozialen Wohnungsmarkt zur Verfügung stünden. Schwierig werde es auch bei Eigentümerversammlungen, wenn wichtige Entscheidungen nur einstimmig gefällt werden könnten, wandte Josef Biesenberger (Grüne) ein. Bauer will weiter Verhandlungen führen mit dem Ziel, „einen oder zwei Blöcke“ im Stück zu kaufen.

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