+
Blitzeinschlag: Das große Anwesen in Obstädt trifft das Gewitter mit voller Wucht. Ein Blitz beschädigt das Gebäude, das von Rettern gesichert wird. Ein 30-Jähriger und eine 28-Jährige müssen ins Krankenhaus.

Unwetter trifft Oberbayern

Schutzengel für einen 30-Jährigen: In Aßling schlägt direkt über ihm ein Blitz ein

  • schließen

Auch Folgen des Klimawandels. Ein Unwetter trifft den Landkreis. Geflutete Bahnunterführung und stromlose Züge. Zwei Menschen werden durch einen Blitz in der eigenen Wohnung verletzt. 

Landkreis – Ein gewaltiger Schlag erschüttert das Gebäude in Obstädt, einem Ortsteil von Aßling. Fenster zerspringen, Stromleitungen platzen auf, es raucht in den Räumen. Ein 30-Jähriger, der dort im Dachgeschoss wohnt, geht benommen zu Boden: „Ich habe eine Minute lang nichts mehr gehört“, erzählt er. Nur einen Meter über ihm hat ein Blitz am Mittwoch in das Dach des Wohnhauses eingeschlagen, genau in dem Moment, „in dem ich an den Lichtschalter fassen wollte“.

Eine Freundin (28) des 30 Jährigen wird durch den Einschlag ebenfalls leicht verletzt, beide werden von Rettungskräften ins Krankenhaus gebracht und die Herzen überwacht, die durch die Spannung beeinträchtigt hätten werden können. „Uns geht es soweit wieder gut“, sagt der 30-Jährige gestern gegenüber unserer Zeitung. Er habe unglaubliches Glück gehabt, sollen die Retter ihm gesagt haben, weil er dick isolierte Schuhe getragen habe.

Massive Schäden am Gebäude

Björn Walz Meteorologe aus Grafing

Durch den Blitzeinschlag am Mittwoch gegen 17 Uhr während des Unwetters wurde das Gebäude massiv beschädigt, vor allem am Dach und am Mauerwerk. Die Polizei berichtet, dass der Strom durch eine Metallschiene ins Gebäudeinnere gelang und dort die Wasser- und Stromleitungen beschädigte. Es soll sich um einen „kalten Blitz“ gehandelt haben. Dieser soll, wie Meteorologe Björn Walz erklärt, ein sehr kurzer Blitz gewesen sein, bei dem die kurzzeitige Hitzeeinwirkung nicht ausreicht, damit es zu einem Brand kommt. Den Sachschaden schätzen die Beamten auf etwa 20 000 Euro, wobei der Blitz mehr Schaden angerichtet haben dürfte. In anderen Gebäuden in Obstädt sollen durch die Überspannung Fernseher und Telefone zerstört worden sein. Andere durch das Unwetter bedingte Schäden meldet die Polizei nicht.

Bahnunterführungen werden in Minuten geflutet

Ein dumpfer Schlag lässt auch die Fahrgäste in der S-Bahn in Richtung München aufschrecken. Blitze schlagen in Grafing-Bahnhof um die Gleise herum ein, die Waggons vibrieren, dann gehen gegen 17.20 Uhr die Lichter in den Abteilen zum Teil aus. Auf halber Strecke bleibt die Bahn kurz vor vor Grafing Bahnhof liegen: kein Strom. Es ist ein heftiges Gewitter, das am Mittwochabend den Landkreis trifft. Es fällt innerhalb einer Stunde mehr als ein Viertel des gesamten Regens, bezogen auf einen durchschnittlichen Juni, wie Björn Walz sagt. Er beobachtet seit Jahrzehnten die Klimaentwicklung und sagt: „An diese heftigen Gewitter müssen wir uns in Zukunft gewöhnen.“ Und sie sollen mehr und zum Teil drei bis fünf Mal so heftig ausfallen wie jenes in dieser Woche. Welche Kraft das Unwetter hatte, konnten die Menschen in den Bahnhöfen Grafing-Bahnhof und Zorneding spüren. Dort liefen die Unterführungen in wenigen Minuten voller Wasser, zum Teil bis 40 Zentimeter hoch.

Die Bahnunterführung in Grafing-Bahnhof war am Mittwoch in kurzer Zeit überflutet.

Der Klimawandel zeigt sein Gesicht - auch bei uns

Dass Gewitter stärker und Starkregen häufiger werden, habe auch mit dem Klimawandel zu tun, erklärt Walz. Der Wetterexperte sagt, dass die Erderwärmung, gegen die bisher global und auch von Deutschland viel zu wenig getan werde, nun im Landkreis Ebersberg ihre Folgen zeige. Durch höhere Temperaturen entstünden öfter, mächtigere Gewitterzellen, die, wie es diese Woche der Fall gewesen sei, durch fehlende Höhenwinde – bedingt durch den Klimawandel – nicht schnell abziehen können.

Mehr zum Unwetter über Bayern lesen Sie hier. 

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Auszeichnung mit drei Sternen
Die Grund- und Mittelschule Aßling wurde zum neunten Mal als Umweltschule ausgezeichnet. Schüler, Lehrer und Schulleitung können stolz sein auf dieses Lob.
Auszeichnung mit drei Sternen
Mitbewohner gesucht
Barbara Seidel und Uschi Gebhart haben sich ein Mammutprojekt vorgenommen. Sie wollen in Markt Schwaben oder Umgebung eine Senioren-WG auf die Beine stellen.
Mitbewohner gesucht
Finger hoch für neue Berufsschule
Welchen Nutzen hat eine Schule im Vergleich zu den Kosten, die bei deren Bau entstehen? Auf diese Frage wird es keine institutionelle Antwort geben, im Grafinger …
Finger hoch für neue Berufsschule
Besoffen, bekifft, zugedröhnt
„Mein Name ist Dominik Forster, ich habe gesoffen, gekifft und mich zugedröhnt. Gelandet bin ich ganz unten.“ Mit diesen Worten begann ein Vortrag am Humboldt-Gymnasium, …
Besoffen, bekifft, zugedröhnt

Kommentare