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20-fach vorbestraft: Schwarzfahrer muss ins Gefängnis

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Von: Raffael Scherer

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Das Ebersberger Amtsgericht. (Archivbild)
Das Ebersberger Amtsgericht. (Archivbild) © Stefan Roßmann

Der angerichtete Schaden ist gering, aber das Maß ist voll: Wegen einer S-Bahn-Fahrt ohne Ticket muss ein Grafinger ins Gefängnis. Ursache: seine Vorgeschichte.

Ebersberg/Grafing – Der Grafinger hatte es bisher nicht leicht, erklärt der Bewährungshelfer des 41-Jährigen. In seinem Leben habe es ständige „Auf und Abs“ gegeben: „Es ist ein ständiger Ritt auf der Rasierklinge“, beschrieb er den Angeklagten vor dem Ebersberger Amtsgericht. Das spiegelte sich auch in den jüngsten Geschehnissen wider: Im Dezember des vergangenen Jahres verurteilte ihn das Gericht zu einer Haftstrafe auf Bewährung. Bis 2025 hätte er sich nichts mehr zu Schulden kommen lassen dürfen.

Doch schon zwei Tage später erwischten ihn S-Bahn-Kontrolleure beim Schwarzfahren. Bis Ende März war der Grafinger sieben Mal ohne Fahrschein mit dem ÖPNV unterwegs – Gesamtschaden 44,20 Euro. Darüber hinaus habe er eine vom Gericht verordnete Geldstrafe über 500 Euro, fällig bis vergangenen August, immer noch nicht bezahlt.

Angeklagter gelobt Läuterung - doch das hilft auch nichts mehr

Der 41-Jährige gab an, mittlerweile als Verkäufer zu arbeiten. Mit dem Geld, das er nun verdiene, wolle er versuchen in den kommenden Monaten all die angesammelten Schulden zu begleichen und sein Leben wieder unter Kontrolle zu bekommen. Damals sei er regelmäßig nach München zu seiner Exfreundin gefahren. Da er nun auch in Grafing arbeite, brauche das Gericht keine Angst zu haben, dass er erneut schwarzfahre. In München habe der Grafinger ohnehin keine Kontakte mehr. „Ich habe diese Schwarzfahrten alle nur begangen, wenn ich in einer finanziellen Notsituation war“, erklärte der 41-Jährige.

Gleichzeitig wisse er, dass dies seine Taten nicht entschuldige und bat um eine „letzte Chance“ – auch wenn er sie nicht verdient habe. „Nach harten Drogen, Gefängnis und Therapie hatte ich es schwer wieder in der Realität anzukommen“, fasste er seine Vergangenheit zusammen. Und die hat es in sich: Insgesamt 20 Eintragungen hat der Verkäufer im Bundesstrafgesetzbuch: Drogen, Schwarzfahren, Diebstahl, versuchter Raub und Volksverhetzung – „Eine ganze Latte“, so Richterin Vera Hörauf. Außerdem habe er sich zu selten bei seinem Bewährungshelfer gemeldet.

Angeklagter will in Berufung gehen

Grund genug für Richterin Vera Hörauf den Mann zu einem halben Jahr Gefängnis zu verurteilen: „Ich gebe gerne Chancen, aber nur, wenn auch außen rum alles passt“, so Hörauf. Die hohe Rückfallgeschwindigkeit und die Verstöße gegen die Bewährungsauflagen sprächen für sie jedoch eindeutig dagegen. Der Grafinger kündigte an, dagegen in Berufung zu gehen.

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