Amtsgericht Ebersberg
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Wieder einmal musste sich der 46-jährige Grafinger vor dem Amtsgericht Ebersberg verantworten.

Wegen verschiedener Vergehen muss der 46-Jährige in Maßregelvollzug

28-fach vorbestrafter Grafinger sagt vor Gericht: „So bin ich nicht“

Insgesamt 28 Vorstrafen hat der 46-jährige Grafinger, der sich jetzt wegen mehrerer Delikte vor dem Amtsgericht Ebersberg verantworten musste, bereits. Jetzt kommt der Suchtkranke in Maßregelvollzug.

Grafing - Unter den Vorwürfen: Mehrfaches Fahren ohne Fahrschein, die Zerstörung einer Glasscheibe am Bahnhof Kirchseeon, mehrfache Körperverletzung, Sachbeschädigung und Verstoß gegen Weisung während seiner Führungsaufsicht. Bis auf die Zerstörung der Glasscheibe räumte der Angeklagte vor Gericht alles ein. An das Zerschlagen der Scheibe könne er sich aber nicht mehr erinnern, weil er zum damaligen Zeitpunkt stark betrunken gewesen sei. Auch die anderen Taten, die ihm für diesen Tag vorgeworfen wurden, seien komplett aus seinem Gedächtnis verschwunden: So habe er eine junge Frau in der S-Bahn am Oberschenkel angepackt, sie sexuell belästigt und sexistisch beleidigt.

Die Frau bestätigte vor Gericht, dass der 46-Jährige stark betrunken gewesen sei. Er habe schon beim Einsteigen in die Bahn gesabbert und sei getorkelt. Ihrer Ansicht nach habe der Angeklagte zwar verstanden, dass er aufhören solle, aber nicht „den Ernst der Lage“ begriffen. „Ich glaube nicht, dass er verstanden hat, was er da eigentlich tut“, sagte sie. Viel mehr als das Angefasst werden, habe sie mitgenommen, dass niemand in der vollen S-Bahn reagiert habe und sich erst nach dreimaligem Bitten jemand berufen gefühlt habe, den Notrufknopf zu drücken.

Grafinger beleidigt und bedroht Polizisten

Auf die Tat in der S-Bahn folgte das Randalieren am Kirchseeoner Bahnhof. Den Polizist, der ihn später in Gewahrsam nahm und auf die Wache brachte, beleidigte und bedrohte der Grafinger dann ebenfalls. Außerdem dessen Familie.

Ob er die Drohungen eines Betrunkenen und Gefesselten tatsächlich ernst genommen habe, wollte der Verteidiger vor Gericht wissen. Der Polizist bejahte. Er habe sich „akut bedroht gefühlt“, schließlich habe er den Angeklagten bereits gekannt und gewusst, „dass er zur Aggression neigt“. In der Gewahrsamszelle habe der Angeklagte dann schließlich noch den Hitlergruß gezeigt und den entsprechenden Gruß dazu verbal geäußert.

An nichts davon konnte sich der Grafinger vor Gericht erinnern. „Ich hatte mir in München Pfefferminzlikör gekauft“, sagte er aus. Dann erinnere er sich nur noch, „dass ich abends in Gewahrsam war.“ Es täte ihm sehr leid. „So bin ich nicht“, betonte er vor Gericht.

Vielleicht sei er auf sich selbst wütend gewesen und habe das in betrunkenem Zustand an anderen Menschen und der Glasscheibe ausgelassen. Trotz vorangegangener Gefängnisaufenthalte erklärte er: „Ich bin mit 46 einfach zu jung, um in Haft zu gehen.“

Mehrere Gutachten werden hinzugezogen

Mehrere Gutachten kamen in dem Prozess zur Verlesung. Alle stimmten darin überein: Unter Alkoholeinfluss seien weitere Gewalttaten sehr wahrscheinlich. Und die psychiatrische Gutachterin erklärte vor Gericht, der Angeklagte brauche einen derart strukturierten Tagesablauf, dass es ihm nicht möglich sei, seine Alkohol- und Drogensucht zu befriedigen. Die klassischen Suchteinrichtungen würden diese engmaschige Überwachung nicht anbieten.

Der 46-Jährige wurde schließlich zu zwei Gesamtstrafen von zwei Jahren sowie zehn Monaten verurteilt. Weil der Bewährungsversager nicht anders davon abzuhalten sei, seiner Alkohol- und Drogensucht zu erliegen, erklärte Richter Nikol, sei der Maßregelvollzug unumgänglich.

von Helena Grillenberger

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