Prozess gegen Grafinger (51)

Spielsucht: Vater bestiehlt seine Kinder

Grafing – Spielsucht ist Kontrollverlust: Diese Erfahrung machte ein 51-Jähriger Grafinger. Weil er über Jahre viel Geld beim Glücksspiel verloren hatte, bekam er lange Finger. Deshalb musste er in Ebersberg auf die Anklagebank.

Seine Spielsucht trieb ihn in die Verschuldung: 2015 lieh sich der Mann 5000 Euro bei zwielichtigen Männern, die er in einer Spielothek kennengelernt hatte. Die aber wollten das Geld schnell wieder zurückbezahlt haben, und das mit Zinsen: Knapp 8000 Euro forderten sie.

Seinen Kindern klaute er 325 Euro

Diese Summe konnte der verschuldete Hausmeister, der aktuell arbeitslos ist, nicht aufbringen. Um schnell an Geld zu kommen, klaute er die EC-Karten seiner minderjährigen Kinder aus der Wohnung seiner Ex-Frau und hob damit dreimal insgesamt 325 Euro in der Sparkasse Poing ab.

Vor dem Amtsgericht Ebersberg musste er sich jetzt unter anderem dafür verantworten und räumte gleich zu Beginn der Verhandlung ein: „Das habe ich gemacht.“ Er habe sich nicht anders zu helfen gewusst. Eben „weil ich spielsüchtig war“, sagte der 51-Jährige. Die Kredithaie hätten gedroht, ihm und seiner Familie etwas anzutun. Muskelbepackte Männer hätten ihn zum Zahlen gezwungen, „zwei Schränke“ seien das gewesen. Und er habe befürchtet, sie könnten auf seine Familie losgehen. Deshalb sei er später psychologisch behandelt worden. „Bis heute habe ich es nicht verarbeitet“, sagte er vor Gericht.

Über seine Schulden hat er den Überblick verloren

Um das Geld zurückzahlen zu können, beklaute er außerdem seinen ehemaligen Arbeitgeber. Der Grafinger entwendete vom Gelände einer Firma im nördlichen Landkreis Messing im Wert von 2000 Euro. Das Material verkaufte er anschließend für 600 Euro weiter. Das Geld habe er den Kredithaien zurückbezahlt, Schulden habe der Angeklagte bis heute aber noch bei anderen. An wen und wie viel Geld er noch zurückzahlen muss, sei ihm nicht bewusst. „Ich habe den Überblick verloren“, sagte er auf Nachfrage von Richterin Vera Hörauf.

Er wolle seine Schulden begleichen, sobald er eine neue Arbeit gefunden habe. Darum kümmere er sich derzeit. Seine Spielsucht habe er überwunden, sagte der Mann. Er absolvierte eine Therapie. Der 51-Jährige wurde wegen Untreue und Diebstahl zu einer Bewährungsstrafe von sieben Monaten verurteilt. Damit schloss sich die Richterin dem an, was die Staatsanwaltschaft gefordert hatte. Außerdem muss der Mann 80 Sozialstunden ableisten.

„Das mit meinen Kindern ist unterste Schublade, es tut mir leid.“

Weil der Angeklagte bereits vor Jahren wegen Betrugs zweimal zu einer Geldstrafe verurteilt wurde, müsse jetzt damit Schluss sein, begründete die Richterin ihre Entscheidung für eine Bewährungsstrafe. Strafverschärfend habe sich das Vertrauensverhältnis zu seinen Kindern ausgewirkt, das der Angeklagte ausnutzte.

Die Richterin sieht aber eine „positive Veränderung des Angeklagten.“ Der 51-Jährige akzeptierte noch im Gerichtssaal das Urteil und zeigte Reue: „Das mit meinen Kindern ist unterste Schublade, es tut mir leid.“ Auch den Diebstahl bei seiner ehemaligen Firma bereue er. Nur seine Schulden müsse er noch in den Griff bekommen, mahnte Hörauf am Ende. 

Christoph Hollender

Rubriklistenbild: © dpa

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