Historisches Bild der Fragnerei und Kramerei F. X. Arnold am unteren Grafinger Marktplatz. Das Geschäft ist längst Geschichte, doch viele ältere Grafinger haben es nicht vergessen.

Stadthistorie

Das erste Grafinger Kaufhaus

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Nur die ältesten Grafinger werden mit dem Namen „Leonhardskramer“ am Marktplatz noch Erinnerungen verbinden. Die einstige „Fragnerei F. X. Arnold“ am unteren Marktplatz ist längst Geschichte. Eine Spurensuche

Grafing – Das Haus gegenüber der Marktkirche hat in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts den Besitzer gewechselt. „Der Verkauf war nicht mehr abzuwenden“, bedauert Edith Häckel, das älteste Kind der Familie Arnold. Weil aber die Geschichte der Familien Arnold und Rest gleichzeitig ein interessantes Stück Grafinger Stadthistorie ist, hat die heute 75-Jährige ein Buch darüber geschrieben. Ihre Motivation? „Mir ist klar geworden, dass diese ganze Zeit bis zur späten Mitte des vergangenen Jahrhunderts endgültig in Vergessenheit gerät, wenn ich sie nicht zu Papier bringe.“

Das Buch ist gleichzeitig eine Liebeserklärung an die gehbehinderte Arnold-Oma, die Häckel offensichtlich in ihrer Erinnerung besonders ins Herz geschlossen hat. „Manch ein Katholik ruft in der Not einen der 14 Nothelfer an – ich habe eine ganz besondere Adresse. Es ist die Arnold-Oma: Sie hilft mir, wann immer sie kann“, schreibt Edith Häckel, die inzwischen in Niederbayern in Karpfham wohnt. „Ich fühle mich aber immer noch als Oberbayer.“

Das Buch zeichnet die Familiengeschichte nach von der Gründung der Fragnerei im Jahr 1646 bis zu deren Niedergang. „Eine Fragnerei kann man sich heute als eine Art Bankbetrieb vorstellen. Aus der Kramerei entwickelte sich wahrscheinlich schon nach dem I. Weltkrieg das Textil- und Eisenwarengeschäft, an das sich die alten Grafinger noch erinnern werden.

Die kleine Edith wurde vor dem damaligen Geschäftshaus oft von der Oma beaufsichtigt. Dass sie als Kleinkind dabei einen eingeschränkten Aktionsradius hatte, weil die Großmutter sie an einer Leine festgebunden hatte, tat dem innigen Verhältnis von Oma und Enkel keinen Abbruch. „Mir nachzulaufen war ihr wegen ihrer Gehbehinderung schließlich nicht möglich“, schreibt Häckel und das Kind sollte am Marktplatz schließlich nicht unter ein Pferdefuhrwerk geraten. Weil auch ein Buch immer nur eine Momentaufnahme ist, erhebt das Werk über die Familiengeschichte keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Viel Material sei ihr erst nach Drucklegung in die Hände geraten. „Ich hätte noch viel mehr schreiben können“, berichtet die Buchautorin im Nachhinein.

Herausgekommen ist ein Stück Zeitgeschichte inklusive privater Einblicke in damalige Wohnzimmer. Auch ein Hochzeitsfoto aus dem Jahr 1948 findet sich da, als Franz und Hildegard Arnold, die Eltern der Chronistin, am 28. Juli 1942 sich vor den Traualtar das Ja-Wort gaben. Der Bräutigam hatte dazu Fronturlaub bekommen. Zu der Zeit hatte die Familie noch große Pläne. „Man plante sogar in Afrika eine Filiale einzurichten, sobald der Krieg gewonnen wäre.“ Dass daraus nichts wurde, wird ebenso wenig ausgespart, wie auch über private Probleme in der Familie freimütig berichtet wird. Dichter werden die Erinnerungen der Grafinger vermutlich sein, was die Zeit der 40er und 50er Jahre betrifft. „Im vorderen Teil des Hauses befand sich das Textilgeschäft mit einem für damalige Verhältnisse universellen Warenangebot – von der Nähnadel zu Stoffen aller Art, von der Unterwäsche bis zur Badehose, von der Handarbeitswolle bis zur Konfektions-Kleidung“ erinnert sich Häckel. Im hinteren Teil des Gebäudes war das Eisenwarengeschäft, wo es alles gab, was man auf dem Land braucht, „vom Nagel bis zur Sense, vom Türschloss bis zur Kuhkette, dazu Werkzeuge aller Art“ – die Grafinger hatten damals einen Vorläufer späterer Kaufhäuser.

Weite Passagen in dem Buch werden von der Autorin den Erlebnissen ihrer Kindheit gewidmet, die trotz des offenkundigen Wohlstandes auch von materiellen Sorgen belastet waren. Das Eisenwarengeschäft lief gut, die Textilabteilung schrieb dagegen rote Zahlen, was öfters zu Auseinandersetzungen unter den Eheleuten führte.

In dem Buch tauchen die Namen von vielen bekannten alten Grafingern auf, weshalb es auch für einen Personenkreis interessant ist, der nicht zur näheren Verwandtschaft der Familien Arnold und Rest gehört. Ein Exemplar wurde von der Autorin dem Grafinger Stadtarchiv geschenkt, ein weiteres hatte die Schwester von Edith Häckel, Gertrud Dönig aus Eisendorf, die das Werk ihrer Schwester der Ebersberger Zeitung zur Verfügung stellte.

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