Städtepartnerschaft Grafing-Saint Marcellin

Jetzt soll die nächste Generation ran

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Die deutsch-französische Städtepartnerschaft zwischen Grafing und Saint Marcellin steht vor einem Generationswechsel. Da muss die eine oder andere harte Nuss geknackt werden.

Grafing – Die Nussbauernfamilie Convert aus St. Marcellin ist in Grafing immer gerne gesehen. Ihr an Leonhardi umlagerter Verkaufsstand mit provençalischen Spezialitäten und den hervorragenden Walnüssen ist sichtbarer Ausdruck der lebendigen Partnerschaft Grafings mit dem südfranzösischen Ort. Zum 25. Jubiläum der französisch-deutschen Städtefreundschaft gilt es jetzt aber eine besondere Nuss zu knacken. Es geht um die Quartiere.

„Wir haben die Befürchtung, für die etwa 100 Gäste, die wir erwarten, nicht ausreichende private Unterkunftsmöglichkeiten zu finden“, setzte Udo Helmholz in der Bürgerfragestunde vor der jüngsten Stadtratssitzung einen Notruf ab. „Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich auch mal Stadträte melden“, meinte Helmholz aufmunternd in die schweigende Runde der versammelten Ratsmitglieder und ließ gleichzeitig erkennen, dass ihm die Arbeit im Zusammenhang mit der gewachsenen Städtepartnerschaft zwar viel Spaß macht, aber langsam auch zuviel wird.

Helmholz darf ohne Übertreibung zusammen mit dem Initiator der grenzübergreifenden Freundschaftsinitiative, Adalbert Mischlewski, als Motor der Städtepartnerschaft bezeichnet werden. Die erfolgreiche Beziehung musste freilich in ihrem 25-jährigen Bestehen, das jetzt gefeiert werden soll, immer auch wieder angeschoben werden.

Den Lohn dieser Bemühungen beschreibt Helmholz so: „Es haben sich sehr schöne, freundschaftliche Beziehungen entwickelt.“

Für den Fortbestand der Städtepartnerschaft wird ganz entscheidend sein, die Aktivitäten in die nächste Generation zu transportieren, die anders als die Kriegs- und erste Nachkriegsgeneration nicht mehr weiß, wie belastet die Beziehungen zu Frankreich einst waren. Die Jugend von heute ist viel weltoffener, als es vermutlich die meisten ihrer Väter waren, weshalb ihnen die Bedeutung einer Städtepartnerschaft und deren Pflege vielleicht auch nicht so wichtig sein könnte.

Ein Generationenwechsel hingegen kündigt sich bereits an, weil Helmholz eigenem Bekunden nach „seit 26 Jahren die ganze Arbeit“ gemacht und jetzt „den Wunsch hat, sie in die Hände anderer zu geben.“ Und wenn Helmholz Hände sagt, dann meint er nicht nur zwei: „Es soll ein Verein gegründet werden, das müssen wir zustande bringen.“

Was den Nachwuchs in der Städtepartnerschaft betrifft sind vielversprechende Ansätze zu erkennen. „In den letzten Jahren haben sich in zunehmendem Maße auch Jugendliche durch gemeinsame Aktivitäten engagiert“, berichtet die Stadtverwaltung auf ihrer Internetseite und verweist darauf, dass seit dem Jahr 2006 in jährlichem Turnus ein Fußballturnier zwischen Olympique de Saint Marcellin und dem TSV Grafing stattfindet und auch zwischen den Judoka beider Städte bestünden enge sportliche Beziehungen. „Ebenso etablieren sich die gemeinsamen zehntägigen Sommerferienlager für Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren aus Grafing und Saint Marcellin.“ Auch musikalischen Austausch gibt es zwischen den beiden Städten und der bayerische Brauch des Maibaumaufstellens hat sich dem Vernehmen nach in St. Marcellin so etabliert, so dass die Franzosen dabei keine Hilfe der Grafinger mehr benötigen.

„Der Arbeitsanfall ist überschaubar“, versuchte Helmholz einem potenziellen Nachfolger den Job des „Parnerschaftsbeauftragten“ schmackhaft zu machen. Es gebe nur „einmal im Jahr eine Begegnung, die Arbeit macht“.

Helmholz stellte die Städtepartnerschaft in seinem kurzen Appell an die Stadträte in einen europäischen Kontext. Bei Frankreich und Deutschland handele es sich schließlich um die „Kernländer“ Europas mit wichtiger Verantwortung gerade in der heutigen Zeit. Dass die Franzosen hingegen nicht nur an Deutschland, sondern diesmal vielleicht sogar an Bayern mehr interessiert sind, darauf wies Bürgermeisterin Angelika Obermayr (Grüne) hin. „Die Franzosen wollen unbedingt die Landesausstellung ,Mythos Bayern’ besuchen“, teilte sich ihren Kenntnisstand zu einem wichtigen Programmpunkt der Jubiläumsfeierlichkeiten mit.

Die französischen Gäste

sind vom 10. bis 13. Mai 2018 zum 25-jährigen Jubiläum der Städtepartnerschaft in Grafing. Auskünfte im Bureau Saint Marcellin in der Stadtverwaltung unter der Rufnummer (0 80 92) 703-58, Maximilian Dierauff, m.dierauff@grafing.bayern.de.

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