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Das Verwaltungsgericht München bei seinem Vor-Ort-Termin in Straußdorf. Immer wieder bretterte Schwerlastverker an den Teilnehmern vorbei, der die Gefährlichkeit der Stelle an der Kirche augenscheinlich machte. 

Verwaltungsgericht war vor Ort

Tempo 30 ist in Straußdorf nicht mehr unmöglich

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Kann in der Ortsdurchfahrt von Straußdorf auf Höhe der Kirche das Tempo auf 30 Stundenkilometer begrenzt werden? „Nein“, sagte das Landratsamt Ebersberg bisher zu dieser Frage. Jetzt muss die untere Straßenverkehrsbehörde aber nacharbeiten.

Straußdorf – Bei einer Ortseinsicht des Verwaltungsgerichts München stellte Vorsitzender Richter Dietmar Wolff fest: „Das der Behörde zustehende Ermessen wurde nicht ausreichend ausgeübt.“ Außerdem erkannte das Verwaltungsgericht darauf, dass in Straußdorf an der Kirche eine besondere Gefährdung für Kinder und Rollstuhlfahrer gegeben sei. Das ist eine der Voraussetzungen für Tempo 30. Geklagt hatte die Straußdorfer Familie Lechner. Weil die Gefährdung aber nicht für Erwachsene gilt, sondern nur für Kinder, waren es die Kinder der Familie, die formell Klage erhoben hatten.

Die Gerichtssache wurde nach der Inaugenscheinnahme und einer Verhandlung vor Ort in beiderseitigem Einverständnis als erledigt erklärt. Das war möglich, weil Hermann Ziegler von der Straßenverkehrsbehörde Zugeständnisse signalisierte. Er könne sich vorstellen, so sagte er, dass der Gehweg an der Kirche auf eine ausreichende Breite ausgebaut werde. Voraussetzung dafür sei jedoch, dass im Begegnungsverkehr noch zwei Personenwagen aneinander vorbeifahren könnten. Das hält Ziegler für machbar, und das ist mehr, als bei früheren Ortseinsichten möglich schien. Dass die Verhandlung zum Teil aber mit deutlich erhobener Stimme geführt werden musste, lenkte die Aufmerksamkeit auf den unüberhörbaren Lastwagenverkehr, der ebenfalls hier durchkommt. Laut Martin Lechner, Vater der klagenden Kinder, besteht dieser Schwerverkehr unter anderem aus Mautflüchtlingen. Eine Argumentation, der Richter Wolff nur teilweise folgen wollte, weil im wenige Kilometer entfernten Weiching im Süden von Straußdorf eine Eisenbahnunterführung die Höhe der Laster auf 3,30 Meter begrenzt. Dem hielt Lechner entgegen, dass auch Schwerverkehr aus Rott durch Straußdorf donnert.

Die Kreisbehörde wurde in der Verhandlung dazu angehalten, alle möglichen Maßnahmen zu prüfen, mit denen man die Gefahr an der Engstelle in Straußdorf für die Schulkinder minimieren könne. Und dazu gehört ausdrücklich auch der Versuch, das mit einer Tempo-30-Regelung zu probieren, wenn denn notwendig. Eine Vorentscheidung war das nicht, aber immerhin ein Hinweis darauf, dass das Verwaltungsgericht auch das für eine praktikable Lösung hielte.

So eine gab es allerdings bereits einmal. Als die Straußdorfer Kirche vor gut zwei Jahrzehnten Risse bekommen hatte, wurde der Verkehr in der Ortsdurchfahrt aus Sicherheitsgründen jahrelang auf Tempo 30 beschränkt, ohne, dass das dramatische Folgen auf den Abfluss der Fahrzeuge aus dem Ort gehabt hätte. Das veranlasste Lechner zu der sinngemäßen Aussage, was für ein Gebäude wie eine Kirche möglich sei, müsse doch erst recht für Kinder ermöglicht werden. „Der einzige Unterschied ist, dass die Holländer zehn Sekunden länger brauchen, wenn sie hier durchfahren“, meinte der Straußdorfer.

Die Ebersberger Polizei war in dem Verfahren auch um eine Stellungnahme gebeten worden, aus der in der Verhandlung zitiert wurde. Demnach ereigneten sich von 2013 bis 2017 in Straußdorf fünf Verkehrsunfälle, unter anderem einer, bei dem ein Radfahrer stürzte. Diese wenigen Vorkommnisse würden nicht begründen, in Straußdorf das Tempo von 50 auf 30 zu drosseln. Dass der Gehweg an dieser Stelle „seinen Namen nicht verdient“, so wie sich Lechner ausdrückte, konnte das Verwaltungsgericht mit dem Meterstab selbst feststellen. An den zwei schmalsten Stellen misst er gerade einmal 75 Zentimeter.

Jetzt hat die Straßenverkehrsbehörde des Landratsamtes Ebersberg Zeit bis 31. Oktober dieses Jahres, um Lösungsmöglichkeiten zu präsentieren und die auch „zeitnah“ umzusetzen.

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