Rohrleitungsbau bei Wiesham für den künftigen Wasserverbund Ebersberg-Grafing.
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Rohrleitungsbau bei Wiesham für den künftigen Wasserverbund Ebersberg-Grafing.

Mehr als ein Notverbund

Grafing und Ebersberg trinken bald dasselbe Wasser

Eigentlich sind die Kreisstadt Ebersberg und ihre Nachbarn in Grafing ja in vieler Hinsicht Rivalen. Beim Trinkwasser machen sie nun aber gemeinsame Sache. Nach Jahren der Planung und Verhandlung.

Grafing – Was lange nur als Notlösung geplant war, wird zu einem bündigen Projekt zur Sicherheit beider: Aus dem vorgesehenen Notverbund der Städte Ebersberg und Grafing wird demnächst eine Art gemeinsame Wasserversorgung. Am Donnerstag fand dazu in Gsprait am Knotenpunkt der Spatenstich statt. Mit dabei waren die Bürgermeister Uli Proske (parteilos) für Ebersberg und Christian Bauer (CSU) für Grafing sowie das technische Personal der Verwaltungen und die Ingenieure und Arbeiter der Baufirmen.

Die Weichen für dieses Projekt wurden schon beim Bau der Ebersberger Südumfahrung gestellt. Damals noch Wassermeister, war Proske zuständig für einen vorausschauenden Durchstich samt Leerrohr unter dem Straßendamm. Dass für den Bau einer gemeinsamen Pumpstation ein Grundstück notwendig ist, um die bestehenden Wasserversorgungen der beiden Städte miteinander zu verbinden, hatte die Ebersberger Verwaltung ebenfalls auf dem Radar – und ein solches vom Bund gekauft. Auf dem Gelände an der Gspraiter Unterführung stecken bereits Vermessungspfähle.

Wasserverbund: Ebersberg zahlt etwas mehr als die Hälfte

Erste Gespräche für einen Notverbund fanden Mitte des vergangenen Jahrzehnts statt. Die Verhandlungen kamen aber nicht recht vorwärts. Mit dem Bürgermeisterwechsel wechselten auch die Verhandlungspartner – zumindest auf Grafinger Seite. Gefeilscht wurde um die Kostenteilung zwischen Ebersberg und Grafing. Hartnäckiger Unterhändler auf Grafinger Seite: Bauamtsleiter Josef Niedermaier. Die Stadt Ebersberg bezahlt 53 Prozent der Gesamtkosten von 750 000 Euro, der Grafinger Anteil beträgt 47 Prozent.

Die „Wasser-Leiter“: Ebersbergs Bürgermeister Uli Proske (li.) und sein Grafinger Kollege Christian Bauer.

Die Bürger beider Städte profitieren mit einem Sicherheitsgewinn. Die Trinkwasserversorgung von Ebersberg ist verletzlich dadurch, dass sie an einer einzigen Leitung aus dem Ebersberger Forst hängt. Aber auch Grafing hat bange Momente erlebt, etwa, als der Betrieb des Brunnens in Elkofen am seidenen Faden hing.

750 Leitungsmeter - jeden Tag wechselt die Pumprichtung

Ende des Jahres wird eine Leitung von etwa 750 Metern Länge beide Wasserversorgungen der Städte Ebersberg und Grafing verbinden. Darin wird von der Pumpstation in Gsprait aus täglich Wasser hin- und hergepumpt, damit die Rohre nicht verkeimen. Einen Tag bekommen die Grafinger Wasser aus Ebersberg, am anderen ist es umgekehrt. „Unter dem Strich ein Nullsummenspiel“, erklärte Christian Pfeifer. Zusätzliche Wasserkosten entstehen so nicht, die höhere Sicherheit für beide Städte gibt es zum Preis der Investitionen und des Dauerbetriebs der Pumpenstation.

Klebestelle: Die Rohre werden oberirdisch verklebt und dann in einem Rutsch ins vorgebohrte Loch gezogen.

Die Baustelle erläuterte Proske, und die technischen Details sind beeindruckend. Vor Ort werden die Wasserleitungsrohrstücke oberirdisch auf der gesamten Länge miteinander verbunden. Sie werden dann in einen kleinen Tunnel gezogen, der im Moment unter der Straße zum Restaurant Dinos gebohrt wird.

Knifflige Verlegearbeiten

Das ist nicht ganz unknifflig, wie Franz Dimpfelmeier von der ausführenden Firma Huber Rohrleitungsbau berichtete: Im Untergrund nahe dem Umspannwerk in Gsprait befinden sich insgesamt drei 20-Kilovolt-Stromleitungen. Der Tunnelbohrer wird deshalb mittels GPS überwacht und hat ein Drehmoment von 3000 Newtonmeter. „Etwa so viel wie fünf Porsche“, erläuterte Gerhard Preuschl von der Bauoberleitung. Derselbe Bohrer schafft es mit dieser Kraft anschließend auch, die fertig „zusammengelötete“ Wasserleitung in einem Rutsch in den vorgebohrten Untergrund zu ziehen.

„Wir hoffen, dass wir im Oktober fertig sind“, sagte Uli Proske, der mit seinem Grafinger Bürgermeisterkollegen Bauer froh ist, das Kapitel „Notverbund“ nach so vielen Jahren endlich erfolgreich abschließen zu können. Wenn alles vorbereitet ist, dauere die Verlegung der neuen Wasserleitung selbst etwa drei Tage, so Proske. Dann heißt es hoffentlich für Ebersberg und Grafing: „Läuft!“

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