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Provisorisch, aber gefährlich: Die Bushaltestelle des Schienenersatzverkehrs an der Grafinger Leonhardikirche. Eine Anwohnerin fotografierte diese Szene in den Morgenstunden und postete das Bild auf Facebook.

Bürger verlangen Antworten der Verantwortlichen

Verkehrschaos in Grafing: Wegducken geht nicht

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Die Unzufriedenheit ist nicht zu übersehen. Die zahlreichen Baustellen in Grafing und das aktuell damit verbundene Chaos sind seit Mittwoch über die sozialen Medien zu einer unübersehbaren politischen Baustelle geworden.

Grafing - Wegducken geht nicht. Die Bürger verlangen Antworten von den Verantwortlichen, die auf der Facebook-Seite der Ebersberger Zeitung direkt angesprochen werden. Die Reaktionen kommen zögerlich, einige politischen Akteure haben den Zug anfänglich scheinbar ganz verpasst oder sind erst spät eingestiegen – wie zum Beispiel Landrat Robert Niedergesäß, der die Situation eigenem Bekunden nach „aus der Zeitung erfahren“ hat.

Der Grafinger Landtagsabgeordnete Thomas Huber (beide CSU) ist ebenfalls mit Verspätung auf den Zug aufgesprungen. „Eigentlich sollte das auch unsere Bürgermeisterin interessieren!“, schaltete er sich in die öffentliche Diskussion um den Verschiebebahnhof der Verantwortlichkeiten ein. Die Rathauschefin Angelika Obermayr hatte sich zu diesem Zeitpunkt allerdings schon als einzige Verantwortliche und ganze zwei Stunden vor Huber geäußert: „Wir tun wirklich das Möglichste, die Baustellen von verschiedenen Auftraggebern (Bahn, Freistaat für die Ostumfahrung, Stadt für Rotterstraße) einigermaßen erträglich für unsere Bürger zu gestalten“, versicherte sie. Dass die Baustelle für Ärger sorgen wird, war ihr wohl im Februar schon klar: „Wobei mir persönlich eine heftige, aber absehbare Bauphase lieber ist als eine sich endlos hinziehende Baustellenaktivität“, meinte sie damals in „Grafing aktuell“. Das wird jetzt freilich kritisiert.

Obermayr hat keinen leichten Stand, auch wenn sie mitteilt: „Es ist mir wirklich wichtig, zum wiederholten Male zu betonen: Es handelt sich um eine Baustelle der Bahn!“ Den Schienen-Ersatzverkehr koordiniere auch das Landratsamt Ebersberg. „Die einzig rein städtische Baustelle ist der Kanal und die Abbiegespur in der Rotter Straße“, wirbt sie um Verständnis für eine Situation, an der im Vorfeld aber viele mitgewirkt haben, die jetzt mit dem Finger auf den jeweils anderen zeigen.

Huber: Hänge nicht ständig am Handy

Die improvisierte Bushaltestelle an der Leonhardikirche führt allen Grafingern vor Augen, welche logistischen Auswirkungen die gleichzeitige Sperrung der Bahnübergänge für Pendler und Schüler derzeit hat, die buchstäblich auf der Strecke bleiben. Es war ein Bürger, der in einer Fragestunde vor Monaten im Rathaus den notwendigen Weitblick hatte: „Euch ist schon klar, dass zu der Zeit auch die Bahnübergänge gesperrt werden?“, meinte Toni Stürzer an die Stadträte gewandt. Inzwischen kursieren Fotos im Netz, die belegen, wie Recht er hatte. „Das kann keine sieben Wochen so weitergehen“, räumt Niedergesäß deshalb in der öffentlichen Diskussion ein, die zunehmend hemdsärmeliger wird. Auf der Suche nach Verantwortlichen wird zum Beispiel Huber vorgeworfen, er sei „abgetaucht“. Die Replik des Landtagsabgeordneten kommt prompt. Er sei nicht abgetaucht, meinte Huber, sondern hänge „nur nicht ständig am Handy und wartet auf dumme Kommentare“. „Aber spätestens wenn er von einem Problem erfährt, versucht er zu helfen“, spricht Huber von sich in der dritten Person. „Also, nicht immer so ungeduldig und Vorurteile gegen Politiker verteilen.... Wir sind nicht so, wie so mancher Kabarettist verbreitet.“

Schüler sind die Draufzahler

Eine häufig gestellte Frage ist die, warum die Arbeiten an der Bahnstrecke nicht in die Ferienzeit gelegt wurden. Die Bahn sagt: Nebenstrecken, wie zwischen Grafing und Ebersberg, stünden hinter Hauptlinien an.

„Die Kinder fahren teilweise per Anhalter nach Hause, weil die Busse voll vorbei fahren“, wird berichtet. Die Schüler sind eindeutig die Draufzahler in dieser Situation und es hat den Anschein, als wurden sie in den Planungen schlicht vergessen. Das ist umso bedenklicher, als am kommenden Mittwoch, 3. Mai, das Mathematik-Abitur stattfindet. Wer kann, kommt mit dem Auto, lässt sich von den Eltern fahren oder nimmt ein Taxi, um zum Start ins spätere Leben nicht zu spät zu kommen.

Immerhin, es gibt auch konstruktive Beiträge. Huber bietet an, „ich werde umgehend in Abstimmung mit unserem Landrat mit den Beteiligten Kontakt aufnehmen und versuchen, die Verantwortlichen an einen Tisch zu bekommen, um das Problem zu lösen“, verspricht er.

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