Freibad Grafing
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Im Grafinger Freibad ereigne sich der Vorfall, der nun vor dem Amtsgericht landete. 

39-Jähriger muss sich verantworten, weil er im einem Dreijährigen sein Spielzeug wegnahm

Wasserspritzen-Streit beschäftigt Gericht

Vor Gericht gibt es eigentlich nichts, das es nicht gibt: So musste sich jetzt ein Wasserburger (39) vor dem Amtsgericht verantworten, weil er im Grafinger Freibad einem dreijährigen Buben dessen Wasserspritzpistole entrissen und ihn anschließend damit beworfen haben soll.

Grafing - Das gab der Angeklagte auch sofort zu. Das Kind habe ihn mehrmals mit Wasser angespritzt, obwohl er es gebeten gehabt habe, damit aufzuhören. Beim letzten Mal sei ihm dann der Kragen geplatzt. Er habe einfach einen schlechten Tag gehabt. Die Waffe habe er aber keinesfalls auf oder in Richtung des Kindes geworfen, sondern einfach nur zur Seite ins Gras.

Um Richterin Vera Hörauf das Geschehen deutlich vor Augen führen zu können, entwarf der Angeklagte schnell am Richtertisch eine Skizze des Freibads. Auch eine kleine Showeinlage war drin: Sein Verteidiger, der mit Stift auf den 39-Jährigen zielte. Der Wasserburger, der dem Verteidiger den Stift entriss und ihn zur Seite warf.

Keine echte Wasserspistole, sondern eine Wasserspritze

Bei der Vernehmung der 44-jährigen Mutter des Kindes dann ein ähnliches Programm. Auch sie entwarf schnell eine Skizze des Freibads, auch sie versuchte, mithilfe der Staatsanwältin, das Geschehen szenisch nachzustellen. Da sie jedoch sich selbst die Rolle ihres Sohnes und der Staatsanwältin, die ja aber 2020 nicht im Freibad dabei war, die Rolle des Angeklagten zugewiesen hatte, spielte die 44-Jährige beide Rollen gleichzeitig. Allein das stiftete schon Verwirrung bei Richterin, Staatsanwältin und Verteidiger. Es sei ja außerdem auch gar keine richtige Wasserspritzpistole gewesen, erklärte die Mutter dann aber zusätzlich, sondern eine Wasserspritze. Diese „Pistolen“ bestehen aus einer Röhre, die komplett mit Schaumgummi ummantelt ist. „Ich bin bis zu dieser Aussage davon ausgegangen, dass es eine richtige Wasserpistole war“, sagte die Richterin. Ansonsten wäre es vermutlich nicht mal zur Anklage gekommen.

Es gehe ihr ja auch gar nicht so sehr um die Körperverletzung, sagte die Mutter. Dass der Angeklagte ihren Sohn mit der Wasserspritze nicht hätte verletzen können, sei ihr bewusst. Es ginge ihr darum, dass der Wasserburger sich nicht richtig verhalten habe. Der 39-Jährige entschuldigte sich deshalb bei der Frau für sein Verhalten. „Muss ich so hinnehmen“, erwiderte die 44-Jährige nur.

Bilder werden im Gerichtssaal gegoogelt

Als es dann an die Urteilsfindung ging, herrschte leichte Unschlüssigkeit im Gerichtssaal. Ob es denn Bilder von der Wasserpistole in den Unterlagen gebe, fragte die Staatsanwältin. Gab es nicht.

„Google!“, rief der Angeklagte hilfsbereit. Die Verfahrensbeteiligten sammelten sich um den Computer am Richtertisch. Mit einer solchen „Waffe“ hätte wirklich niemand verletzt werden können, da waren sich alle einig. Verurteilt wurde der 39-Jährige dann aber doch: So soll er die Mutter, eine Deutsch-Türkin, rassistisch beleidigt haben. Das sah die Staatsanwältin als gegeben an. Das Urteil: 200 Euro Geldauflage. Ob er die in Raten zahlen könne, fragte der Angeklagte. Richterin Hörauf bot ihm sechs Monate an. „Mach ma vier mal 50, passt!“, erwiderte er. Die 200 Euro muss er an einen Verein zur Förderung krebskranker und körperbehinderter Kinder zahlen.

Helena Grillenberger

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