Der Marktplatz in Grafing bleibt auch nach Eröffnung der Ostumfahrung staugefährdete Zone.

Wenn die Ostumfahrung fertig ist

Weniger Autos, dafür mehr Stau am Grafinger Marktplatz

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Statt 1600 Autos in der Stunde „nur“ noch 1500, dafür viel mehr stehender Verkehr am Marktplatz: Diese Situation droht im Grafinger Zentrum nach der Eröffnung der Ostumfahrung. 

Grafing – Im Rahmen einer Sondersitzung des Stadtrates wurden am Dienstagabend drei verschiedene Möglichkeiten vorgestellt, dem ab September drohenden Chaos zu begegnen. Alle haben sie einen gewaltigen Haken.

Verkehrsplaner Helmuth Ammerl bekam zwar viel Applaus für sein anschauliches Simulationsmodell der künftigen Verkehrsströme. Die Situation, die er aufzeigte, bot aber alles andere als Grund zum Klatschen. Denn seine von der Stadt beauftragte Untersuchung machte allen deutlich: Mit der von der Ostumfahrung erwarteten Entlastungswirkung im Zentrum wird es wohl nichts werden.

Ammerls hervorragende Analyse lenkte den Blick auf den Dreh- und Angelpunkt der künftigen Verkehrsregelung – und das ist die wenig leistungsfähige Einmündung der Rotter Straße in den Marktplatzbereich. Von hier gehen künftig wahlweise Richtung Marktplatz oder Richtung Schönblick starke Stau-Tendenzen aus. Einen dieser Verkehrstode wird die Stadt wohl sterben müssen, was die Frage nach der Qualität der Planungen des Straßenbauamtes Rosenheim aufwarf, deren Auswirkungen vermutlich nur mit einer Ampellösung am östlichen Marktplatz abgemildert werden können. Das hat den Geschmack einer Notlösung. Denn der Verkehr wird sich bei Rotlicht auf der Südseite des Marktplatzes oft bis zurück zur Griesstraße stauen.

Auf den Punkt genau formulierte es Marlene Ottinger vom „Bündnis für Grafing“: „Die Ampellösung hat genau den Effekt, den wir nicht wollten mit der Ostumfahrung, nämlich einen Stau am Marktplatz.“ Dass der Stadtrat dem verfahrensführenden Landratsamt trotzdem einstimmig die Empfehlung gab, diesen Planungsschritt weiter zu verfolgen, hat einen einfachen Grund: Die beiden anderen Lösungen wären noch schlechter.

Lösung Nummer eins hätte darin bestanden, alles so zu belassen wie bisher, und nach der Eröffnung der Ostumfahrung den ankommenden Verkehr sich selbst zu überlassen. Die Folge davon konnten sich die konsternierten Stadträte in Ammerls Simulation ansehen: Der Verkehr staut sich in den Abendspitzenstunden in einem solchen Fall dramatisch Richtung Schönblick. „Das birgt eine große Gefahr des Ausweichverkehrs in die Anliegerstraßen“, warnte Ammerl. Dass die Autos bis über den Fußgängerüberweg an der Ägidiusstraße zurückstauen – einen der wichtigsten Schulwege Grafings, macht diese Lösung nicht genehmigungsfähig, gab Sachbearbeiter Hermann Ziegler aus dem Landratsamt zu erkennen.

Lösung Nummer drei bestünde in einem Mini-Kreisel vor der Gaststätte Mokka. Diese Möglichkeit wäre die leistungsfähigste, aber nur für die Autofahrer. Fußgänger und Radfahrer wären aufgrund von aus Platzmangel fehlender Bürgersteige erheblich gefährdet, vor allen Dingen auch deswegen, weil der immer noch zu drei Prozent Anteil am Marktplatz verbleibende Schwerverkehr diesen flachen Kreisel einfach überfahren würde. Das ist zu problematisch.

Der Stadtrat empfahl dem Landratsamt, zwei Monate nach Eröffnung der Ostumfahrung den Verkehr noch einmal zu erfassen, und die dann zu installierenden drei Ampeln in der Rotter, der Münchner Straße und am Marktplatz bestmöglich einzustellen. Auch das hat einen Haken. Damit könnte temporär das bei Lösung eins skizzierte Chaos in der Rotter Straße eintreten. „Da werden Bürger sich beschweren, damit müssen wir rechnen“, warnte Bürgermeisterin Angelika Obermayr die Stadträte vor der Abstimmung, die dann doch einstimmig ausfiel. 

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