Bisher nur Parkplatz – bald eine Wohnanlage? Die Stadt prüft eine Bebauung der Stellplätze am Waldfriedhof. sro

Parkplatz könnte zum Juwel werden

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Grafing - Die Besucher des Grafinger Waldfriedhofs werden sich vielleicht schon einmal gewundert haben, warum der große Parkplatz vor dem Haupteingang so wellig ist.

Der Grund dafür ist, dass sich hier früher mal eine Kiesgrube befand, die mutmaßlich mit Abraum und Abbruchmaterial verfüllt wurde. Die Zukunft des Areals wurde in der jüngsten Bauausschusssitzung besprochen. Denn vielleicht kann die Stadt hier aus einem hässlichen Entlein ein Juwel machen. Probebohrungen wurden bereits durchgeführt und sorgten schon für Unruhe in der Nachbarschaft, die auch im Rathaus aufschlug.

Das vor Jahrzehnten eingebrachte Material hat sich im Laufe der Jahrzehnte ungleichmäßig gesenkt. Aber: Bebaut werden könnte das Grundstück trotzdem. Der Grafinger Stadtrat sucht nach wie vor nach Möglichkeiten, innerstädtisch zu verdichten. Das Areal befindet sich im Besitz der Stadt, der Kaufvertrag datiert noch aus dem Jahr 1965. Der sich seit Jahren abzeichnende Mehrbedarf an Wohnungen, vor allem auch für Personen oder Familien mit geringen oder mittleren Einkommen, sei ein beherrschendes Thema der Stadtentwicklung, informierte die Verwaltung. Aber ist das Grundstück am Friedhof für diese Zwecke überhaupt geeignet?

Während Bürgermeisterin Angelika Obermayr das bezweifelte, gab sich SPD-Ausschussmitglied Ernst Böhm optimistisch. „Innerhalb von zwei Wochen finden sich da fünf Bauträger, da bin ich mir sicher“, sagte er und schloss dabei aus, dass sein Unternehmen einer dieser Bauträger sein könnte.

Die Faktenlage: Das Grundstück hat etwas über 3000 Quadratmeter Gesamtfläche. Im Untergrund befinden sich bis zu einer Tiefe von über sechs Metern alte Ziegel, Fliesen, Bauschutt und auch Beimengungen von Schwarzdeckenbruch. Ihm entströmen krebserregende Kohlenwasserstoffe, die nur deswegen nicht ins Grundwasser gelangen, weil die darüberliegende Parkfläche mit einer wasserdichten Schicht versiegelt ist. Wird die aufgebrochen, muss das Material entsorgt werden.

Ein entsprechender Bodenaustausch „kostet uns 300 000 Euro“, warnte Obermayr. Auch die Gründung einer Wohnbebauung auf Pfählen würde das Vorhaben verteuern, sagte sie. Böhm hingegen glaubt: „Das ist ganz sicher bebaubar. Hier liegen zwei Millionen brach“, riet er zur Verwertung.

Max Graf von Rechberg (CSU) hingegen machte sich Sorgen, wo denn bei künftigen Beerdigungen die Trauergäste dann ihre Autos abstellen sollen. Aber auch für dieses Problem formulierte Böhm eine Lösung, die in einer zweistöckigen Tiefgarage bestünde. Das Problem mit dem schwierigen Untergrund wäre damit erschlagen. „Eine Ebene für die Friedhofsbesucher, eine für die Bewohner.“ „Das sollten wir anpacken und nicht beiseite stellen“, gab ihm Fraktionskollege Franz Frey Recht.

Ob angesichts dieser Konstellationen das Areal für sozialen Wohnungsbau geeignet ist, blieb im Gremium offen, auch wenn Böhm dazu mehrere Beispielrechnungen aufmachte, die eine Kombination beihalteten. Die Stadt verkauft dabei das Grundstück an einen Bauträger, verpflichtet ihn zur Überlassung einer Anzahl von Tiefgaragenplätzen und sichert sich gleichzeitig ein Belegungsrecht für etwa sechs Wohnungen. „Das ist mir alles zu vage“, meinte Ausschussmitglied Josef Carpus und riet dazu, „nächstes Jahr noch einmal darüber zu reden.“ „Lassen wir das erstmal sacken“, gab ihm Obermayr erleichtert Recht, die in der Diskussion an anderer Stelle schon darauf hingewiesen hatte, dass das Bauamt der Stadt Grafing wegen zahlreich laufender anderer Projekte alle Hände voll Arbeit habe. Ein Beschluss wurde nicht gefasst. Um Wohnbauten zu realisieren müsste aber zuerst der Bebauungsplan geändert werden.

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