Grafing unternimmt neuen Anlauf

Achtung: Schnappschuss an Wertstoffinsel droht!

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Mit der Videoüberwachung von Wertstoffsammelstellen hat die Stadt Grafing früher schon experimentiert. Jetzt soll ein neuer Anlauf unternommen werden – an einer anderen Stelle.

In der jüngsten Sitzung des Bauausschusses ging es um die Neuerrichtung einer Sammelstelle in unmittelbarer Nachbarschaft zum bestehenden Wertstoffhof an der Jahnstraße. Damit will die Stadt unter anderem auf die steigenden Einwohnerzahlen reagieren. Einfache Rechnung: Mehr Bürger machen mehr Müll. Zwar hat die Verwaltung dem bereits Rechnung getragen, aber eben noch nicht genug, was Bürgermeisterin Angelika Obermayr ein bisschen wundert: „Unser Wertstoffhof ist derjenige mit den großzügigsten Öffnungszeiten im ganzen Landkreis und trotzdem fahren viele Bürger mit dem Auto am Wochenende die Wertstoffinseln an“, stellte sie in ihrem Sachvortrag fest.

Dauerprobleme gebe es auch mit „den Leerungszyklen, der Größe der Einwurföffnungen der Container und wilden Ablagerungen“. Die Stadt sei nicht Vertragspartner der Entsorgungsunternehmen, sondern das Landratsamt. Die Grafinger Verwaltung könne lediglich Vorschläge machen, so Obermayr.

Eine neue Sammelstelle soll jetzt für Entlastung sorgen. Aber: „Da diese direkt an den Wertstoffhof angrenzt, bestehen seitens der Verwaltung gewisse Bedenken, dass sie als Müllabladeplatz missbraucht wird. Es wird befürchtet, einen Anreiz zu bieten, Sperrmüll, Altholz und Bauschutt kostenfrei zu entsorgen.“ Und gegen diese wilden Ablagerungen soll eine Wildkamera helfen, beschloss der Bauausschuss.

Es gibt auf dem Gelände noch ein zweites Problem. „Das Areal liegt zwar im festgesetzten Überschwemmungsgebiet“, informierte das Bauamt. Ausnahmen könnten aber zugelassen werden, „wenn der Hochwasserabfluss nicht wesentlich beeinträchtigt wird und erhebliche Gesundheits- und Sachschäden nicht zu erwarten sind.“

Das werden in Grafing einige Bürger mit Interesse zur Kenntnis nehmen, die selbst schon in Überschwemmungsgebieten Vorhaben verwirklichen wollten. Zur Erinnerung: Da war ein Zaun, der einen halben Meter hoch ist und Schnecken aus einer Zucht am Seeoner Bach am davonkriechen hindern sollte, schon Grund für eine Ortseinsicht samt behördlicher Auflagen. Umso besser, dass das bei der neuen Wertstoffsammelstelle in Grafing jetzt offensichtlich nicht der Fall ist – obwohl dort schwere und zusätzliche Container abgestellt werden sollen.

Die ersten Versuche in der Stadt, mit einer Videokamera Müllsünder an der Sammelstelle am Aldi in Schach zu halten, verliefen deswegen im Sand, weil die Videokamera damals lediglich ein Dummy war. „Das wurde deswegen wieder eingestellt“, erinnert sich Obermayr. Auch die Videoüberwachung aller Sammelstellen wird nicht funktionieren, „wenn die Gefahr besteht, dass harmlose Spaziergänger fotografiert werden könnten“.

Noch mehr dezentrale Sammelstellen zu etablieren sei im Moment unmöglich, berichtete Obermayr. Jeder Bürger habe dabei das Beispiel der verschmutzten Lederer-Gasse vor Augen. Beschlossen wurde deshalb, die neue Sammelstelle am Wertstoffhof und die Insel an der Kapellenstraße per Video zu überwachen. Dazu beschafft die Stadt zwei Wildkameras, die Serienbilder und auch Videosequenzen aufnehmen können. Die Investitionskosten sind überschaubar und liegen für zwei Aufnahmegeräte samt Zubehör bei 1000 Euro. Die Bilder werden mit einem Zeitstempel versehen und von der Verwaltung auf Verstöße durchgeforstet.

Die Stadt Ebersberg ist bei derÜberwachung einen anderen Weg gegangen. Dort wurde eine Detektei beauftragt. Die Einnahmen aus Bußgeldern betrugen im Jahr 2012 etwa 17 000 Euro und sind aktuell auf 6000 Euro gesunken. Ebersbergs Geschäftsführter Erik Ipsen freut sich, dass das Modell so gut funktioniert.11

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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