„Ich hab’ einen großen Vorteil als Kinderpfleger. Ich bin ein Mann“: Sego, hier mit seiner Freundin Stefanie Kraus. sro

Vom Besucher zum Betreuer

Grafing - Im Grafinger Jugendtreff Chaxter gibt es zwei neue Ansprechpartner: Sego und Stefanie.

Sego redet wie ein Buch. Ohne Punkt und Komma. Aber er trifft offensichtlich den richtigen Ton. Er spricht die Sprache der Jugendlichen, für die er sich einsetzt. Seit seiner Zeit als Jugendlicher hat er viele Stunden im Grafinger Jugendtreff Chaxter am Bahnhof verbracht. Zusammen mit seiner besten Freundin Stefanie Kraus (23) ist Sergej Davidjan (24), wie Sego eigentlich heißt, jetzt vom Besucher zum Betreuer geworden.

Beide haben eine Ausbildung zum Kinderpfleger gemacht. Sego sagt von sich: „Ich war echt nicht der beste Schüler.“ Aber geschafft hat er seine Ausbildung dann doch. Und einen Job hat er auch. Wo? Genau, im Chaxter, dort wo er schon als Kind gerne war.

„Ich hab’ einen großen Vorteil als Kinderpfleger. Ich bin ein Mann“, sagt der 24-Jährige selbstbewusst. Und tatsächlich stellt eine Studie des Bundesministeriums für Familie, Frauen, Senioren und Jugend zum Thema männliche Fachkräfte in diesem Bereich fest: „Die Türen der Kindertagesstätten für Männer sind weit geöffnet und die wenigen dort anwesenden männlichen Fachkräfte werden als große Bereicherung für die pädagogische Arbeit wahrgenommen und geschätzt“.

Sego ist sozusagen in eine Marktlücke gestoßen. „Ehrlich gesagt, konnte ich es mir fast raussuchen, wo ich arbeiten wollte.“ Er wollte am liebsten ins Chaxter, dort, wo er einen Großteil seiner Jugend verbracht hat und wo er sich deswegen in die Kinder, die dort hingehen, gut hineinversetzen kann. Wenn er mit ihnen redet, kommt Leben in die Bude. Sego redet nämlich mit Händen und Füßen, macht dabei spontan Schritte vor und zurück und rudert mit den Armen in der Luft.

Männliche Kinderpfleger sind die Ausnahme. Männliche Bezugspersonen in der Sozialisation eines Kindes ebenfalls. Zuerst kommt die Mama, dann das weibliche Personal im Kinderhort, dann die Kindergärtnerin und schließlich in den meisten Fällen die Lehrerin. Papa kommt spät von der Arbeit heim. Die Sozialisation von Kindern ist voll in weiblicher Hand. Im Chaxter bilden Stefanie und Sego ein Team. Sie sind männliche und weibliche Bezugsperson. „Wir arbeiten gut zusammen“, sagt Steffi, die schon seit drei Jahren im Chaxter tätig ist.

Die Beziehung der beiden zum Grafinger Jugendtreff ist gewachsen. Seit 2007 sind die zwei als Schüler und später als Jugendliche regelmäßige Gäste gewesen. Sie gehörten bald dem Vorstand an, übernahmen Verantwortung und sollten dann noch ein bisschen mehr Verantwortung bekommen.

Der Grafinger Stadtjugendpfleger Himo Al Kass erkannte als erster, was in den beiden steckt. Er hatte einen Vorschlag für sie. Sie sollten doch eine Ausbildung zum Jugendleiter machen. So war der Weg für Sergej Davidjan, der ursprünglich aus Armenien stammt und seine deutsche Kollegin Stefanie Kraus praktisch vorgezeichnet. Zuerst Jugendleiter, dann Kinderpfleger. Dass das der richtige Beruf für sie ist, merkten die zwei schnell, vor allem in der praktischen Arbeit. „Mein Zeugnis hat in der ganzen Zeit nur einmal einer angeschaut“, wundert sich Sego. In der Jugendarbeit zählt der Mensch mehr als das Papier, das etwas über seine Qualitäten aussagen soll.

Erfahrung sammeln konnten die beiden Jugendleiter auch bei den Grafinger Skatertagen, wo sie in der Vorbereitung und Durchführung von der Stadtjugendpflege beteiligt wurden. „Diese Veranstaltung ist unser Flaggschiff“, sagt Sego stolz. Die Skatertage haben eine Magnetwirkung über die Stadt hinaus entfaltet.

„Die gesellschaftliche Aufwertung kindlicher Erziehung und Bildung fällt in eine Zeit, in der sich auch in der deutschen Gleichstellungspolitik ein Paradigmenwechsel vollzieht“, heißt es in der Studie des Familienministeriums. Neben gleichstellungspolitischen Maßnahmen zur Erhöhung der Chancengleichheit von Frauen richte sich die Politik deshalb zunehmend an Männer und männliche Jugendliche mit dem Ziel, ihnen neue Perspektiven jenseits traditioneller und einengender Männlichkeits- und Lebensentwürfe zu eröffnen.

Michael Seeholzer

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