Die Grundschule in Grafing. Die Grünen wollen auf ihrem Dach eine Fotovoltaikanlage sehen. Foto: Sro

Grafinger Beratungsorgie

Grafing - Sechsmal wurde in Grafinger Ratsgremien über die Fotovoltaikanlage auf dem Dach der Grundschule schon beraten. Aber auch der Bauausschuss traf jetzt keine endgültige Entscheidung. Die Beratungsorgie hört noch nicht auf.

Der Antrag der Grünen, die Errichtung einer Fotovoltaikanlage auf dem Dach der Grundschule betreffend, wurde am 21. Dezember 2011 erstmals gestellt. Der Beginn einer Odyssee. Im Januar 2012 wurde das Vorhaben vom Bauausschuss in den Energiebeirat delegiert. Drei Monate später sagt der Energiebeirat in einer Sitzung „ja“ zur Wirtschaftlichkeitsprüfung. Im Mai 2012 landet das Vorhaben im Grafinger Stadtrat. Von dieser Sitzung und deren Beschlüssen gibt es noch kein Protokoll. Im Juli 2012 jedenfalls beschließt der Energiebeirat, für das Vorhaben Angebote einzuholen. Eine Woche später beschließt das der Bauausschuss ebenfalls. Und am Dienstagabend beschloss der Bauausschuss schließlich, dass die Stadt das Projekt nicht selbst weiter verfolgen soll. Der Antrag wurde wieder in den Energieausschuss verwiesen mit der Maßgabe, dieses Gremium solle sich Gedanken darüber machen, wie man die Fotovoltaikanlage im Rahmen eines bürgerschaftlichen Genossenschaftsmodells realisieren könnte. Im genannten Zeitraum ist die Einspeisevergütung laut Solarrechner für vergleichbare Dächer von 27,34 auf 13,77 Cent pro Kilowattstunde gesunken.

Dass die Bürger die Anlage selbst betreiben, hätte man allerdings schon vor fünf oder sechs Jahren haben können, denn damals gab es eine Anfrage eines Bürgers, ob die Stadt die Flächen auf dem Dach der Schule für eine Fotovoltaikanlage vermieten würde. Angesichts des Beratungsverlaufes wundert es nicht wirklich, dass auch daraus nichts wurde.

Dass die Einspeisevergütung sinkt, wäre für Angelika Obermayr (Grüne) eher ein Grund gewesen, „endlich zu Potte zu kommen“. Die Wirtschaftlichkeit des Vorhabens war ein zentraler Punkt der Diskussion. „Ich hab’ auch so ein Ding oben, aber es muss sich auch rechnen“, meinte Josef Fritz (CSU). Max Graf von Rechberg (CSU) hatte Bedenken, dass die Fotovoltaikanlage zusammen mit dem nahen Blockheizkraftwerk den dortigen Knotenpunkt überlasten könnte. Bedenken, die laut Verwaltung der örtliche Energieversorger nicht teilt.

Michael Hirschläger (parteifrei) verwies darauf, dass für diese Investition keine Mittel in den Haushalt eingestellt seien und der Stadtrat in der jüngsten Sitzung soeben der Neuaufnahme von Krediten einen Riegel vorgeschoben hatte. „Wie soll das finanziert werden?“ Das müsse über einen Nachtragshaushalt „aufbereitet“ werden, meinte Bürgermeister Rudolf Heiler (FW): „Das wird Mitte des Jahres auf eine Kreditermächtigung hinauslaufen“, prognostizierte er. „Wir eiern hier rum“, schimpfte Obermayr, „während sich die Ebersberger bei den niedrigen Zinsen die Dächer vollklatschen“. Ignaz Fuchs (CSU) verwies auf die Gefahr durch Dachlawinen im Winter und hatte Zweifel an der Wirtschaftlichkeit des Vorhabens. „Wie hoch ist die Wirtschaftlichkeit einer Stadthalle, eines Schwimmbads oder einer Ostumfahrung?“, hielt ihm Olaf Rautenberg (SPD) entgegen. Es blieb dabei. Die Fotovoltaikanlage wird demnächst den Energieausschuss beschäftigen.

Michael Seeholzer

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