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Die Schüler in der Schreinerei in Piusheim. Unterstützung erhalten sie von Schreinermeister Bernhard Sedlmaier (li.).

Grafinger Gymnasiasten gründen Aktiengesellschaft

Jung, dynamisch und motiviert in die Marktlücke

Grafing - Wir rechnen mit Gewinn!“ Die Vorstände des Grafinger Unternehmens „Don del Cajon“ sind zuversichtlich. Wer gerne in Aktien macht, hat bei ihrer Firma gute Chancen. Ihr Produkt: Kisten aus Holz, die als eine Art Trommel benutzt werden, also ein Instrument – auf spanisch: Cajon.

Im Rahmen eines Projektseminars gründen Schüler der 11. Klasse am Gymnasium Grafing eine Aktiengesellschaft. Das Unternehmen ist gerade einmal ein paar Monate jung. Jung sind auch die Chefs: Jannis Hornung, 16, und Luis Kremer, 17. Im Juli soll es die erste und letzte Jahreshauptversammlung geben, dann löst sich die Firma wieder auf. Bei Gewinn werden dann Dividenden an die Aktionäre ausbezahlt. Hornung und Kremer sind sich sicher: Sie sind auf der Erfolgsspur. Ihre Musikinstrumente haben sogar ein Qualitätssiegel: „Hausgemachte Cajons, hergestellt in Bayern“, steht auf ihren Werbeflyern mit schwarz-gelbem Logo. Die Kisten gibt es in den Farben schwarz, blau und – sehr schick: in natura.

Schule mal anders. Löhne, Steuern und Gewinne – mit echtem Geld. Die Jugendlichen können bis zu 90 Anteilscheine ihres Schülerunternehmens zu je zehn Euro verkaufen. Das Klassenzimmer wird zum Betriebsbüro.

In der Oberstufe müssen Gymnasiasten sogenannte Projekt-Seminare absolvieren, zum Beispiel im Fach Wirtschaft. An der Grafinger Schule wurde das „Junior-Projekt“ gegründet. Harald Kaupa, der zuständige Lehrer, erklärt: Das Seminar wird benotet und fließt mit in die Abiturnote ein. Die ersten Stunden leitete Kaupa das Projekt, dann mussten die Schüler selber ran. Ziel: eine Geschäftsidee suchen und diese theoretisch und praktisch umsetzen. Dazu hat sich die Klasse – insgesamt 14 Schüler – in vier Gruppen unterteilt: Buchhaltung, Finanzen, Marketing und Produktion. „Wie bei einem echten Unternehmen“, sagt Vorstand Jannis Hornung.

Das Projekt sei eine „super Möglichkeit, um zu testen, was wirtschaftlich klappt und was nicht“, sagt er. Realität in einem geschützten Rahmen sozusagen. Luis Kremer sagt: „Es geht um die praktische Erfahrung.“ Das überzeuge viele der Gymnasiasten: eine „coole Idee“, sagen sie. Einfach anders, weniger theoretisch. Die Schüler müssen Steuern und Sozialabgaben abrechnen, eine Gewinn-und Verlustrechnung erstellen und Löhne zahlen: Eine kleine Entschädigung bekommen sie, 50 Cent in der Stunde.

Nicht an allen bayerischen Gymnasien werden diese praxisnahen Wirtschaftsseminare angeboten, in Grafing aber seit vielen Jahren. Es diene zur Berufsorientierung, sagt Harald Kaupa. Die Schüler könnten sich kreativ aber auch verantwortungsbewusst testen; schließlich gehe es um echtes Geld. Bisher sind 30 Aktienanteile verkauft – an Schüler, Lehrer, Eltern und Freunde. Die ersten zehn Cajons sind bereits produziert, sechs sind verkauft. In einer Schreinerei in Piusheim bei Glonn baut die Produktionsgruppe unter Leitung ihres Mitschülers Jonas Mertl die Trommelkisten. „Wir hoffen, dass noch mehr verkauft werden“, sagt dieser. Dazu wollen sie in den kommenden Wochen Werbung in Musikschulen und Geschäften in Grafing machen; das bedeutet Arbeit für die Marketinggruppe. Der Preis pro Cajon beträgt 69,99 Euro. Die Schüler betonen: Es sei gute Qualität und vor Ort produziert.

Wer Interesse an den Instrumenten hat, kann der Schülergruppe eine E-Mail schreiben: dondelcajon@gmx.net. Bis Juli kann man noch Aktien des Grafinger Startups zeichnen.

Christoph Hollender

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