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Der kleine fair-Weltladen in der Grafinger Innenstadt. Die Genossenschaft, die ihn betreibt, erlebt schwere Zeiten.

Grafinger Finanzaffäre

Auch fair-Gründungsmitglied stellt Strafanzeige gegen Stadtrat Fröhlich

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Grafing - Die Mehrheit der Genossen des fair-Weltladens Grafing wollte schon Ende Oktober dem ehemaligen Finanzvorstand Heinz Fröhlich den Stuhl vor die Tür stellen. Das geht aus dem Protokoll der damaligen Versammlung hervor. Dem BfG-Stadtrat werden finanzielle Ungereimtheiten vorgeworfen.

Ein Großteil der Mitglieder wollte ihn nicht mehr in ihren Reihen haben: In der Jahreshauptversammlung der fair Grafing Weltladen e. G. wurde nach Bekanntwerden der Unregelmäßigkeiten im Bargeldverkehr die Forderung erhoben, „die Mitgliedschaft von Heinz Fröhlich in der Genossenschaft zu beenden“. Dem ist Fröhlich zuvorgekommen, nachdem er im Sommer aufgrund der gegen ihn erhobenen Vorwürfe bereits vom Amt des Finanzvorstands zurückgetreten war. Nur einen Tag nach der Versammlung am 29. Oktober 2015 kündigte er selbst seine normale Mitgliedschaft.

Am Freitag äußerten sich erstmals Angela Reichmeyer für den neuen Vorstand und Nikolaus Schatt für den Aufsichtsrat der Genossenschaft. In einer Erklärung wird mitgeteilt, um welchen Fehlbetrag es genau geht: „Bei einer routinemäßigen Stichprobenkontrolle von Jahresabschlüssen und Buchungsunterlagen der fair Grafing Weltladen e. G. durch den Aufsichtsrat vor der Mitgliederversammlung 2015 wurden Gelddifferenzen zwischen entnommenen Tageseinnahmen und Bankeinzahlungen in Höhe von 13 873,45 Euro festgestellt. Der damals verantwortliche Finanzvorstand Heinz Fröhlich hat für diesen Fehlbetrag die Verantwortung übernommen.“

Inzwischen hat der 55-jährige, der für das Bündnis für Grafing im Stadtrat sitzt und dort auch Mitglied ist im Rechnungsprüfungsausschuss, das Geld zurückbezahlt. Dadurch sei der Genossenschaft kein finanzieller Schaden entstanden, argumentieren Reichmeyer und Schatt. In der Mitgliederversammlung Ende Oktober sei abgesprochen worden, von einer strafrechtlichen Verfolgung abzusehen, da dies „keine Vorteile bringen würde und öffentlich der Genossenschaft schaden könnte“.

Dieses Protokoll liegt der Ebersberger Zeitung vor. Auch „in Anbetracht der 9-jährigen ehrenamtlichen Tätigkeit von Heinz Fröhlich für die Genossenschaft hat sich die Mitgliederversammlung gegen eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft ausgesprochen“, so Reichmeyer und Schatt am Freitag. Anzeige erstattet hat aber die Stadt Grafing, weil „die Vorwürfe der finanziellen Unregelmäßigkeiten in der fair-Genossenschaft so gravierend sind, dass eine staatsanwaltliche Klärung notwendig ist, da Dr. Fröhlich als Stadtrat in sensiblen Bereichen, z.B. im Rechnungsprüfungs- und im Bau-, Werk- und Umweltausschuss tätig ist“, sagt Bürgermeisterin Angelika Obermayr. Anzeige erstattet hat inzwischen auch die ehemalige Grünen-Stadträtin und Genossenschaftsgründungsmitglied Ottilie Eberl. Hier Transparenz herzustellen, sei ihr „persönlich wichtig“.

„Das Ziel war stets, Schaden von der Genossenschaft fernzuhalten“, erklären Reichmeyer und Schatt die zurückhaltende Informationspolitik. Immerhin wurden die finanziellen Unregelmäßigkeiten Fröhlichs bereits im Sommer festgestellt. Seither drang keine Silbe davon an die Öffentlichkeit – bis eben nach der Mitgliederversammlung die Ebersberger Zeitung über die Vorgänge berichtete. Für die Genossenschaft ist der Vorgang „abgeschlossen“. Für Fröhlich nicht. Er wurde als Finanzvorstand von den Mitgliedern nicht entlastet.

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