Das Verkehrskonzept in Poings Zauberwinkel sorgt weiter für Diskussionen. foto: rm

Grüne: Hätte man doch auf uns gehört!

Poing - Man kann es drehen und wenden, wie man will: Das Verkehrskonzept in Poings Neubaugebiet Zauberwinkel ist in die Hose gegangen. Nun sagen die Grünen: Wir haben es von Anfang an gewusst - und vor der Planung gewarnt.

Das Interesse der Anwohner des Zauberwinkels (dort leben derzeit rund 1000 Menschen) an der Infoveranstaltung zum Verkehrskonzept war gering. Gerade einmal etwa 30 Personen waren gekommen, darunter aber auch einige Gemeinderatsmitglieder, die gar nicht in dem Neubaugebiet leben - aber mitverantwortlich für die mangelhafte Verkehrsplanung sind. Die beiden Ratsmitglieder der Grünen, Sieglinde Pehl und Manfred Kammler, waren ebenfalls da - und sie sind ebenso enttäuscht wie manche Anwohner.

"Von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen kam der Einwand, ob es nicht sinnvoller wäre, das Verkehrskonzept vor dem Bebauungsplan zu planen", zitieren Pehl und Kammler nun aus dem Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 31. Juli 2008, als über den Bebauungsplan für den Zauberwinkel diskutiert wurde. Der damals mehrheitliche Beschluss fiel laut Pehl und Kammler wie folgt aus: "Der Anregung wird nicht nachgekommen."

Ein Architekturbüro aus München hatte den Bebauungsplan aufgestellt, inklusive der Straßen und Wege. Das Ergebnis ist nach Ansicht der Grünen jetzt deutlich sichtbar und habe zurecht zu Beschwerden der Anwohner geführt: "Die Kreuzungen an der Wilhelm-Hauff- und der Gebrüder-Grimm-Straße zu den Seitenstraßen sind unübersichtlich und eng, dass es an ein Wunder grenzt, dass noch keine Unfälle passiert sind", schreiben Sieglinde Pehl und Manfred Kammler in ihrer nun veröffentlichten Stellungnahme zum Verkehr im Zauberwinkel. Weiter heißt es: "Autofahrer, die mit der zulässigen Geschwindigkeit von 30 km/h fahren, haben mangels Übersicht kaum die Chance zum rechtzeitigen Bremsen. Besucher erkennen aufgrund der anderen Gestaltung der Fahrbahnoberfläche der Seitenstraße häufig nicht die Rechts-vor-Links-Regelung." Diese Umstände monierten auch die Besucher der Infoveranstaltung, die in der Mehrzweckhalle der Grundschule Karl-Sittler-Straße in Poing-Süd stattfand.

Wie mehrmals berichtet, haben sich aufgrund zahlreicher Beschwerden Gemeindeverwaltung, Gemeinderat, Polizei, Landratsamt und ein Verkehrsplanungsbüro in den vergangenen Monaten Gedanken darüber gemacht, ob und wie die Situation verbessert werden kann.

Es gab Expertenrunden, Gespräche und Informationsveranstaltungen: "Das alles, die Kosten und die Folgen dafür wären erspart geblieben, wenn vor oder zumindest mit dem Bebauungsplan das von uns geforderte Verkehrskonzept geplant worden wäre", betonen die Grünen.

Der Gemeinderat hat nach all den Diskussionen aber entschieden, dass für die Dauer von einem Jahr einige machbare Maßnahmen ergriffen werden sollen. Beispielsweise werden an den Straßen regelmäßig so genannte elektronische Zeigefinger aufgestellt, die dem Autofahrer die gefahrene Geschwindigkeit anzeigen.

Die von vielen Anwohnern geforderte Einführung von verkehrsberuhigten Bereichen kann nach Ansicht von Verkehrsexperten und Polizei aufgrund der breiten und geraden Straßen nicht umgesetzt werden.

Die Grünen-Gemeinderatsmitglieder Pehl und Kammler hoffen nun, dass sowohl die Planer als auch die Verwaltung aus den Fehlern lernen - und das nächste Neubaugebiet Seewinkel hinsichtlich des Verkehrs besser geplant wird.

von Armin Rösl

Auch interessant

Kommentare