Ergebnis da: Boris Johnson folgt May - Kommt jetzt der No-Deal-Brexit?

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„Das wird die dritte Wahl, die ich nicht gewinnen werde“: Philipp Goldner bei seiner Nominierung. Foto: sro

Grünen-Kandidat sieht Chance in der Niederlage

Ebersberg - Philipp Goldner sagt von sich selbst, er sei weniger der „emotionale Naturliebhaber“, er sei „mehr der pragmatische Grüne“. Und eines ist der 27-jährige Bürgermeisterkandidat, der seit 2008 im Stadtrat anerkannt gute Arbeit verrichtet, sicherlich auch nicht: Ein Phantast.

Von daher passt es zu ihm, dass er den rund 30 Parteifreunden bei der Nominierungsversammlung in Aßlkofen gleich reinen Wein einschenkt. „Das wird die dritte Wahl, die ich nicht gewinnen werde.“

Zweimal habe er bei Klassensprecher-Wahlen in früher Jugend den Kürzeren gezogen, erinnert er sich mit einem Schmunzeln. Er wird auch gegen Ebersbergs Bürgermeister Walter Brilmayer (CSU) bei der Wahl im März nächsten Jahres unterliegen, aber das scheint den jungen Lehrer nicht sonderlich zu stören. Es gehe darum, Ebersberg ein Stück grüner zu machen. Jede einzelne Stimme für den Kandidaten Philipp Goldner werde dafür sorgen, verspricht er.

Ähnlich wie SPD und Freie Wähler werden auch die Grünen in jedem Ebersberger Wahlkampf „Opfer“ der Einmütigkeit der Stadtpolitik. Die meisten Beschlüsse von einigermaßener Tragweite fallen von je her einstimmig. Wie soll man sich da positionieren? Wie soll man sich von den anderen differenzieren, wie dem Wähler die Unterschiede klar machen?

Die Grünen wissen um die Schwierigkeit dieses Unterfangens und suchen ihr Heil deswegen erstmals in der Geschichte ihres Ortsverbands in einem eigenen Kandidaten. So sei es noch am ehesten möglich, ein paar Pflöcke einzuschlagen, geben sie sich überzeugt. „Ich will die grüne Alternative zu Walter Brilmayer sein“, sagt Goldner an diesem Abend selbstbewusst und schiebt nach, dass bei der Wahl niemand etwas zu verlieren habe: „Ich nicht, die Partei nicht.“ Fraktionssprecherin Rosemarie Will hatte zuvor klar gemacht: „Wir wollen nicht auf einer grünen Welle schwimmen, wir sind die grüne Welle.“

In seinem Ausblick aufs Wahlprogramm versucht Goldner dann, in aller Kürze einige Alleinstellungsmerkmale der Grünen herauszuarbeiten. Da sei zum einen die gesunde Skepsis jeglichen Wachstums gegenüber. Im Unterschied zu Brilmayer sage er, Goldner, dass es auch negatives Wachstum gebe und dass Wachstum von daher Grenzen haben müsse. Da sei zum anderen die „Meinungsführerschaft“ beim Thema Verkehr. Brilmayer habe den Öffentlichen Personennahverkehr „ziemlich vernachlässigt“, weil er bloß einmal im Jahr mit der S-Bahn zur Wiesn fahre. Der ÖPNV aber, so der gebürtige Ebersberger, müsse „Chefsache“ sein, da müsse man Woche für Woche bei den Verantwortlichen Druck machen.

Ja, das Thema Verkehr: Seit Goldner mit seinem Vorschlag einer Untertunnelung der Kreisstadt von sich reden machte und auch Kritikern ob der Ernsthaftigkeit seines Plans Respekt abverlangte, gilt er als Verkehrsexperte im Stadtratsrund. Seine Worte werden schon von daher ernst genommen, weil die anderen Fraktionen wissen, dass es die klare Positionierung in der Verkehrsfrage war, die den Grünen bei der vergangenen Stadtratswahl satte Zugewinne bescherte.

Mittlerweile, so berichtet Goldner an diesem Herbstabend in Aßlkofen stolz, ja mittlerweile würden die Grünen beim Thema Verkehr, die „Meinungsführerschaft“ in Ebersberg genießen. Keine Woche vergehe, in der er nicht E-Mails bekomme, in denen es um Fragen der innerstädtischen Verkehrsführung gehe. Er habe da noch viele Ideen, vor allem, was die Situation der Fahrradfahrer und Fußgänger angeht. Da bestehe in der Kreisstadt noch erheblicher Nachholbedarf.

Als weiteres Kernthema nennt der Kandidat erwartungsgemäß die Energiewende. Nach der Katastrophe im japanischen Fukushima hätten andere Parteien die grünen Postionen übernommen. Dennoch werde man „Vorreiter“ bleiben auf diesem Gebiet, das wohl wie kein zweites die Bedeutung der Nachhaltigkeit zeige. Die Gesellschaft brauche auf allen Feldern politische Entscheidungen, die nachhaltig seien, von denen man auch in 20 oder 30 Jahren noch sagen werde, dass sie richtig gewesen seien. 20 oder 30 Jahre. Goldner könne seine Zukunft in Jahrzehnten planen, sagt Fraktionssprecherin Will, er könne Visionen entwickeln und realisieren.

Will bittet die Mitglieder Fragen an Goldner zu richten. Diese kommen eher spärlich und zeugen von den Mühen, die alle Kommunalpolitiker irgendwie kennen. Warum, so fragt eine Frau, gebe es in Ebersberg zwei Schlecker-Märkte und keinen dm-Drogeriemarkt. Könne man da nichts machen? Goldner schüttelt mit dem Kopf. Nein, das könne die Politik nicht, antwortet er ruhig, wissend dass das politische Alltagsgeschäft weniger von Visionen als vielmehr von Fragen wie diesen handelt.

Von Michael Acker

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