Viele Niederschläge im Juli und August

Trotz Regen-Sommer: Experte fürchtet Wasserknappheit - Region in Oberbayern betroffen

  • Josef Ametsbichler
    VonJosef Ametsbichler
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Der nasse Sommer hat der Natur gutgetan. Doch für die Grundwasser-Reserven im Landkreis Ebersberg war die Regenzeit nicht lang genug. Ein Experte rechnet künftig sogar mit Wasserknappheit.

Landkreis – Sattes Dunkelgrün tragen die Fichten an den Waldrändern. „Der Regen hat den Bäumen unbandig gutgetan“, sagt Werner Fauth von der Waldbesitzervereinigung im Landkreis Ebersberg. Buchen, Tannen, Douglasien – alle kräftig gewachsen, dank satter Niederschläge im Juli und August. „Enorme Trieblängen im Meterbereich“, lobt Fauth. „Total schee!“

Oberflächlich, im wahrsten Sinne des Wortes, sieht es danach aus, als ob sich die Natur im Landkreis nach einer langen Dürrezeit wieder eingerenkt hätte. Doch, um kurz biblisch zu werden: Ein fettes Jahr gleicht sieben magere nicht aus. Das weiß auch Waldspezialist Fauth, der vom Nadelgrün nicht aufs Grundwasser schließen mag.

Regensommer im Landkreis Ebersberg: Gut für die Bäume - Fürs Grundwasser reicht es noch nicht

Einer, der das genau im Blick hat, ist Klaus Moritz, Chefhydrologe am Rosenheimer Wasserwirtschaftsamt. „Es gab heuer nennenswerte Grundwasser-Neubildung in der östlichen Schotterebene“, sagt er. Aber was die die unterirdischen Pegelstände angehe, „sind wir seit fast einem Jahrzehnt unter dem Durchschnitt“. Daran hätten auch ein vergleichsweise nasser Juli und August nicht viel geändert – zumal aufs Jahr gerechnet noch kein Regenüberschuss zu verzeichnen sei. „Regional reicht das lange nicht“, sagt der Grundwasser-Spezialist. Auch wenn die zurückliegenden Monate vor allem in oberflächennahen Grundwasserlagen wie um Pliening und Poing für Entspannung gesorgt hätten.

Recht gibt ihm der Niedrigwasserinformationsdienst Bayern (NID), dessen Messwerte online öffentlich abrufbar sind. Tief in die „Quartär“ genannte Erdschicht versenkte Drucksonden messen mit einer Membran die Höhe der Grundwassersäule über sich. An der Messstelle „Anzinger Sauschütt“ etwa eiert der Pegel im Jahresverlauf ein wenig auf und ab, hat aber seit Jahren den Durchschnittswert nicht mehr überstiegen. Zum Ende des nassen Sommers steigt er heuer erstmalig auf Stand „niedrig“ statt „sehr niedrig“. Vorbei sind die Zeiten, in denen das Grundwasser, wie im Flutsommer 2013 in Forstinning, in die Keller drückte.

Seit 1938 zeichnet die Messstelle Anzinger Sauschütt den Grundwasserpegel auf. Seit dem Sommer 2013 liegt er dauerhaft unter dem Durchschnittswert (grüne Linie).

Starkregen fließt ab - „Schnürlregen“ hilft dem Grundwasser

Das wünscht sich natürlich niemand. Aber damit sich der Grundwasserspiegel nennenswert erholt, müsse es sich noch eine ganze Weile richtig einregnen, sagt Hydrologe Klaus Moritz. Starkregen fließe über die Bäche ab. „Schnürlregen, das ist das, was wir brauchen.“

Diesen Wunsch teilt Thilo Kopmann. Er ist Vorstands des Zweckverbands Ver- und Entsorgung München Ost, kurz VEMO, der in den Landkreisen Ebersberg und München westlich des Forsts rund 78 000 Menschen mit Trinkwasser versorgt. „Ein einziger toller Regen füllt nicht leere Brunnen auf“, sagt Kopmann. Dafür müsse es noch zwei Jahre so weitergehen wie zuletzt. „Wasser hat ein langes Gedächtnis.“

Fünf Millionen Kubikmeter im Jahr fördert der Zweckverband aus seinen Brunnen nahe Zorneding in rund 45 Metern Tiefe; damit könnte man Dutzende Öltanker-Schiffe füllen. „Keine Nachteile bisher“, sagt der Chef über die Trockenzeit. Mehr Sorgen mache ihm aber die Zunkunft: In Karstgebieten wie Teilen Frankens sei absehbar, dass es wegen hoher Verbräuche auch in Landwirtschaft und Gewerbe schon in den kommenden zehn Jahren zu spürbarem Wassermangel kommen könne.

Landkreis Ebersberg: Versorgerchef rechnet mit Wasserknappheit binnen zwanzig Jahren

Die Münchner Schotterebene sei da etwas besser aufgestellt, aber zu oft habe der Klimawandel schon die wissenschaftlichen Prognosen einge- und überholt. „Wir werden das noch erleben“, sagt Kopmann“, der einen Mangel binnen zehn, zwanzig Jahren kommen sieht. Das zweite Grundwasserstockwerk in rund 200 Metern Tiefe anzubohren, das das Wasserwirtschaftsamt bisher hütet wie einen Goldschatz, sei auch keine Lösung. „Da geht es um Daseinsvorsorge!“, sagt Kopmann. „Ein drittes oder viertes Stockwerk gibt es nicht.“

Der Wasserverbandschef hält auch drastische Mittel für möglich, um bei nachlassenden Niederschlägen genug Trinkwasserreserven im Boden zu erhalten. Wir müssen reagieren“, sagt Kopmann. „Vielleicht muss es eine Mengenbegrenzung sein.“

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