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Gusto Gräser im Jahr 1956.

Gusto Gräser: Querdenker und Ikone

Grafing - Zum Auftakt der Reihe „Gang durch den Advent“ zeigt das Museum der Stadt Grafing am Samstag, 29. November, ab 17 Uhr den Film „Gusto Gräser – Der Eremit vom Monte Veritá“ des Schweizer Regisseurs Christoph Kühn.

Die Einführung macht Udo Acker, Stellvertretender Direktor vom Haus des Deutschen Ostens in München.

Im Herbst 1900 wanderten sieben junge Menschen von München über die Alpen, um im Süden eine Kolonie der freien Liebe zu gründen. Oberhalb Ascona am Lago Maggiore entstand die spätere Siedlung Monte Veritá, Berg der Wahrheit, die zur Wiege der Alternativbewegung wurde. Ihre Vordenker waren der Dichter und Maler Gustav Arthur Gräser (1879-1958) und sein älterer Bruder Karl aus Kronstadt in Siebenbürgen. Durch sein unstetes Leben außerhalb der Regeln der Gesellschaft wurde Gusto Gräser, der sich auf Grund seiner Herkunft auch Arthur Siebenbürger nannte, zum Symbol für Aufbruch und Neubeginn, zum Vorläufer der Kriegsdienstverweigerer, der Friedens- und Umweltbewegung. Der Hüne mit dem langen Rauschebart gilt gemeinhin als Aussteiger.

Dichter wie Gerhard Hauptmann und Hermann Hesse erhoben ihn in mythischen Rang. Kulturhistoriker sehen ihn als „Gandhi oder Laotse des Westens“. Immer wieder warb Gräser bei den Menschen für Frieden, gegen die Rüstung, gegen Bürokratie und Staatsgewalt. Seine Texte ließ er zeitweise im Antikriegsmuseum in Berlin als Lithographien drucken.

Gräser hauste im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts zeitweise in der „Pagangrott“ genannten Heidenhöhle bei Arcegno, ernährte sich von Nüssen und Gemüse und ignorierte die Zwänge der Zivilisation. Diese Radikalität ist beeindruckend, gleichwohl ist sie nur das äußere Anzeichen für das wirklich Spannende, nämlich die innere Gestimmtheit.

Der Vordenker einer neuen Menschheit ohne Herr und Knecht und Zerstörung der Natur, Ikone mehrerer Jugendbewegungen und Leitfigur neugegründeter Parteien, die von heute aus gesehen als Vorläufer der Grünen gelten können, lebte seit 1940 in der bayerischen Landeshauptstadt, überlebte halb verhungert den Krieg, war ständiger Gast in der Bayer. Staatsbibliothek und starb vor 50 Jahren vereinsamt in seiner Dachkammer in der Hortensienstraße in München-Freimann, ohne eine einzige Zeile seines umfangreichen dichterischen Werkes je in Buchform gedruckt zu sehen.

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