Die Mädchen und Buben zwischen ihren Werken. Zwei Tage lang haben sie sich mit ihren Schulkameraden intensiv darüber Gedanken gemacht, wo es ihnen in Kirchseeon gefällt und wo nicht. foto: jro

Von guten und von schlechten Orten

Kirchseeon - Kirchseeon aus der Perspektive von Kindern: Wer wissen möchte, wie das aussieht, sollte sich eine Ausstellung im Rathaus ansehen. Entstanden sind die Werke im Rahmen eines Hochschulprojekts.

Aislinn weiß genau, wie das ist mit den guten und den schlechten Orten in der Marktgemeinde. Sie deutet auf ihr selbst gemaltes Bild. „Das ist ein Gelände, und da sind noch Gifte im Boden“, beschreibt sie und meint das Areal, auf dem sich das Schwellenwerk befand.

Die Zehnjährige hat im vergangenen Sommer mit ihren Klassenkameraden an einem Projekt teilgenommen, das sich „Orte von Jungen und Mädchen in Kirchseeon“ nannte. Unter der Leitung von Tilo Klöck, Professor an der Hochschule für angewandte Wissenschaften München, beschäftigten sich rund 60 Viertklässler mit ihrem Heimatort. Drei von vier Klassen der Grund- und Mittelschule beteiligten sich daran und investierten zwei Schultage.

Als ein Beteiligungsprojekt kann dieses Unterfangen gesehen werden. Denn darüber steht das vom Bayerischen Jugendring geförderte Projekt „Alles männlich!? - Fachprogramm Jungen- und Männerarbeit“.

Die Gemeinde Kirchseeon hatte gemeinsam mit der Hochschule Fördermittel beantragt und erhalten. 15 000 Euro flossen aus dem Kulturfonds 2009-2012 der Bayerischen Staatsregierung.

Es gehe eigentlich um die Wahrnehmung der Jungs, so Klöck in seiner Rede im Rathaus. „Aber bei dem Projekt in den vierten Klassen wollten wir die Mädchen natürlich nicht ausschließen“, so der Professor. „Am ersten Tag haben wir die Schüler zu Kinderforschern ausgebildet“, erklärte Klöck. „Wir sind mit Polaroid-Kameras losgezogen und haben fotografiert.“ Ziel sei es gewesen, dass sich die Kinder mit ihrem Wohnumfeld auseinandersetzen und darüber sprechen, was kinderfreundliches Wohnen bedeutet. „Am zweiten Tag haben wir die Kinder zu Plakatkünstlern gemacht und ihnen erklärt, wie ein Plakat überhaupt funktioniert“, so Klöck, der während der beiden Tage Unterstützung von einem neunköpfigen Team aus Pädagogen und Studenten hatte.

„Herr Klöck hat bei uns angeklopft“, erklärte Bürgermeister Udo Ockel den Kontakt zur Hochschule. Ausgangspunkt sei der Wohnungsbau an der Waldbahn gewesen. „Wir wollten von den Kindern wissen, an welchen Orten sie sich gerne aufhalten und wo sie Angst haben und was man positiv bewegen kann“, so der Bürgermeister, der sich von den Bildern begeistert zeigte.

Begeistert von dem Projekt war ebenfalls Franz Kraxenberger, Konrektor der Grund- und Mittelschule. „Die Auseinandersetzung mit dem Lebensraum steht auch auf dem Lehrplan. Was die Kinder hier anfangen, ist eine politische Auseinandersetzung und somit Teilhabe an der Gemeinschaft. Sie lernen, wie demokratische Entscheidungsprozesse funktionieren.“

Noch bis zum 31. März läuft „Alles männlich?!“. Klöck führt bis dahin seine so genannte gemeinwesenorientierte Jungenarbeit weiter, die dann ausgewertet wird.

Die Ausstellung im Rathaus Kirchseeon ist bis Mittwoch, 13. Februar, zu den üblichen Öffnungszeiten des Rathauses zu sehen.

Von Tanja Beetz

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Lehrer nicht für alles zuständig
Um Schule im Allgemeinen ging es hauptsächlich bei der Diskussionsrunde auf dem Podium in der Poinger Realschule. Aber nicht nur.  
Lehrer nicht für alles zuständig
Gemeinsam für eine bessere Zukunft - ohne Plastikheftumschläge
Zuerst werden Hefte damit eingebunden, später landen die Plastikumschläge irgendwann einmal im Müll. Die Aßlinger Schüler sagten sich: Das muss nicht sein.
Gemeinsam für eine bessere Zukunft - ohne Plastikheftumschläge
Landkreis trauert um Krankenhauspfarrer Josef Graml
Josef Graml war Pfarrer aus Berufung. Als Krankenhausseelsorger leistete er vielen Menschen im Landkreis Ebersberg 37 Jahre lang seelischen Beistand. Jetzt ist er tot.
Landkreis trauert um Krankenhauspfarrer Josef Graml
Nistkästen: Im Herbst ist es Zeit für eine Kontrolle
Wie jedes Jahr schwärmen jetzt die Vogel- und Fledermausfreunde aus zur Nistkastenkontrolle. Der Landesbund für Vogelschutz im Landkreis sucht noch Mithelfer.
Nistkästen: Im Herbst ist es Zeit für eine Kontrolle

Kommentare