Jetzt erst mal ein Bier: Robert Niedergesäß (2.v.r.) mit (v.l.): Landrat Gottlieb Fauth, Landrat-Stellvertreter Walter Brilmayer und Sebastian Brilmayer, Vorstandsmitglied des CSU-Ortsverbands Aßling. Foto: Stefan Rossmann

CSU hadert mit den verflixten zwei Prozent

Landkreis - Wir gehen in die Verlängerung. Und da gewinnen wir.“ Angelika Niebler, CSU-Kreisvorsitzende und Europaabgeordnete aus Vaterstetten ist zuversichtlich. „Wir haben es ausgerechnet, es haben nur 977 Stimmen gefehlt. Aber es waren eben starke Gegenkandidaten.“

Gerechnet wird viel an diesem Abend im Ebersberger „Hölzerbräu“ bei der Wahl-Party der CSU. Euphorische Stimmung war nicht zu erwarten, nach dem knappen Ergebnis. Aber mehr die Vorgabe: Jetzt erst recht. Der Landratskandidat der Christsozialen, Robert Niedergesäß, muss in die Stichwahl. Er rechnet ebenfalls vor. „Bis zur absoluten Mehrheit sind es nur zwei Prozent. Der Abstand zu meinem Gegner ist größer.“

Auch andere Berechnungen werden an der Tischen angestellt. Wenn der SPD- Kandidat Ernst Böhm in Grafing 400 Stimmen weniger gehabt hätte. . . Am Tisch der Grafinger CSU ist die Stimmung etwas niedergeschlagen. Böhm, der in einem Grafinger Ortsteil lebt, lag in der Bärenstadt deutlich vor Niedergesäß. „Das ist der Heimvorteil“, so die Begründung. Und der Erfolg Böhms in Aßling? Die Erklärung: Dort wohnten viele Leute, die bei Böhm in seiner Firma bei Bad Aibling arbeiten. „Das war für ihn eine Steilvorlage.“

Die Gaststube im Hölzerbräu ist voll belegt, es gibt keinen Sitzplatz mehr. Als letztes waren die Parteifreunde aus Vaterstetten gekommen. Sie standen alle im Gang. „Wir haben noch bei uns im Rathaus auf das Ergebnis aus Markt Schwaben gewartet. Deshalb sind wir so spät dran.“

Der Wahlabend war spannend und klingt bei der Wahlparty nach. Gleich zu Beginn der Schock für die CSU. Böhm liegt in Aßling vorn. Dann das überragende Ergebnis für Niedergesäß aus Vaterstetten. „Da habe ich gedacht, das ist durch“, sagt Martin Wagner, Vizebürgermeister der Gemeinde. Und dann doch noch Stichwahl. Das Vaterstettener Votum mit 63,5 Prozent für Niedergesäß wird unterschiedlich gewertet. Zum einen der Vorteil der Heimatgemeinde. Zum anderen habe es diejenigen gegeben, die Niedergesäß als Landrat sehen wollten und diejenigen, die ihn aus Vaterstetten weg haben wollten. „Das haben wir im Vorfeld schon gehört.“

Bestürzung herrscht bei allen über die geringe Wahlbeteiligung. Das, obwohl der Wahlkampf auch über die Medien so intensiv geführt worden sei. Dann ein Seitenhieb auf den SPD-Kandidaten. „Wenn man sieht, wie der mit Anzeigen eingestiegen ist, dann hätte er doch ein noch besseres Ergebnis erreichen müssen.“

Aber der Frust über die schlechte Wahlbeteiligung sitzt tief. Monika Hohlmeier, Ex-Ministerin und Ex-Vater-stettenerin, war extra zur Wahl aus Franken angereist. Ihre Analyse: Die Bürger wissen gar nicht, wie wichtig ein Landrat ist. Dann seien einige wegen des guten Wetters nicht zur Wahl gegangen. Andere hätten wohl gemeint, Niedergesäß schaffe es auch so. Das müsse bis zur Stichwahl anders werden. „Wir müssen jetzt um jede Stimme kämpfen“, gibt Kreisvorsitzende Niebler die Richtung vor. „Da muss jeder Ortsverband mitziehen. Die Entscheidung fällt in 14 Tagen.“ Niedergesäß kündigt an, sich nochmal voll in den Wahlkampf zu werfen.

Robert Langer

Auch interessant

Kommentare