Das alte Schulgebäude in der Rotter Straße. Foto: ac

Hängepartie in der Rotter Straße

Grafing - Was ist billiger? Selbst bauen, Investorenmodell, genossenschaftlich verwirklichen oder eine öffentlich-private Partnerschaft? Dieser Frage ging der Grafinger Bauausschuss zusammen mit einem Immobilienfachmann in der jüngsten Sitzung nach

Die Diskussion galt dem Ersatzbau in der Rotter Straße in Grafing, wo von der Ebersberger Zeitung aufgedeckte Brandschutzmängel in dem alten Schulgebäude Alpenverein, Volkshochschule und Musikschule vertrieben haben (wir berichteten). Das Ganze ist nach wie vor eine Hängepartie ohne konkrete Perspektive, weil die Stadt weit davon entfernt ist, die Realisierung eines Ersatzbaus finanziell stemmen zu können.

Aber gerade weil die Finanzierung nach wie vor in den Sternen steht, der Raumbedarf aber vorhanden ist, hatte Bürgermeister Rudolf Heiler (Freie Wähler) den Finanzfachmann Matthias Reichle eingeladen, der die verschiedenen Modelle gegeneinander aufrechnete. Unter dem Strich rausgekommen ist dabei folgendes:

Die günstigste Variante ist eine Realisierung über eine öffentlich-private Partnerschaft. Danach käme ein Genossenschaftsmodell, das etwa 400 000 Euro Kosten weniger verursachen würde. Dieses Modell liegt kostenmäßig fast gleichauf mit einer Eigenrealisierung durch die Stadt selbst. Und die Überraschung: Am schlechtesten schnitt das Investorenmodell ab.

Reichle erklärte auch warum: Ein Investor muss bei der Finanzierung einen Risikozuschlag von etwa 15 Prozent einberechnen, für den Fall, dass er nach Ende der Vertragspartnerschaft mit der Stadt eine Nachfolgenutzung für das Gebäude suchen muss, das ja eigentlich auf die Bedürfnisse der Stadt Grafing zugeschnitten wurde.

Über den Daumen gepeilt wird der Ersatzbau nach dem Entwurf, den der Architekt Klaus Beslmüller angefertigt hat, auf etwa fünf Millionen Euro veranschlagt. Das ist eine Riesensumme. Zum Vergleich: Der Neubau des Grafinger Freibades hat über drei Millionen Euro gekostet. Für das alte Gebäude an der Rotter Straße hat die Stadt Grafing fast 70 000 Euro Miete angesetzt, rechnete Reichle vor. In einem Neubau sähe das ganz anders aus.

Der Finanzfachmann geht im Falle eines Neubaus von jährlichen Mieteinnahmen in folgender Staffelung aus: Eigenregie - 332 000 Euro Ertrag. Investorenmodell - 498 000 Jahresmiete, Genossenschaftsmodell 325 000 Euro Jahresmiete und öffentlich private Partnerschaft 300 000 Euro Jahresmiete.

Zahlen, die nicht geeignet waren, für besonderen Optimismus im Bauausschuss zu sorgen, was eine baldige Lösung des Problems betrifft. „Wir sind noch weit von einem Beschlussvorschlag entfernt“, zog Heiler am Ende der Aussprache eine Zwischenbilanz. „Diese Beträge müssen wir erst mit unserer Finanzplanung in Beziehung bringen.“

Michael Seeholzer

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