1. Startseite
  2. Lokales
  3. Ebersberg
  4. Hallo Ebersberg

Sarglose Bestattung für Muslime verzögert sich 

Erstellt:

Von: Oliver Oswald

Kommentare

Friedhof Neukirchen Kirchseeon
Am Friedhof Neukirchen besteht bereits ein Bereich für Gräber von Muslimen, aber noch wird dort in Särgen bestattet © osw

Grundsätzlich steht der Marktgemeinderat in Kirchseeon sarglosen Bestattungen offen gegenüber. Doch es gibt noch einige Hürden zu überwinden

Kirchseeon – Bereits im Juni vergangenen Jahres hatte die Kirchseeoner SPD-Fraktion einen Antrag an die Rathausverwaltung gestellt, sarglose Bestattungen in der Marktgemeinde zuzulassen respektive die Möglichkeiten dafür auszuloten (wir berichteten). Jüngst wurden im Gemeinderat mit einem Sachvortrag von Stephan Baumann, im Rathaus zuständig für Friedhofsangelegenheiten, die zuvor offenen Fragen beantwortet: Unerlässlich ist demnach ein Gutachten der Bodenbeschaffenheit am Waldfriedhof, so die Stellungnahme des Gesundheitsamtes.

Denn nur unter bestimmten Umständen, Grundwasserpegel, Korngröße oder Kalkgehalt sind hier zu beachten, seien „optimale Verwesungsbedingungen zu gewährleisten.“ Dies scheint wichtig, da Leichname, die nur in ein Tuch gewickelt ins Grab verbracht werden, eine Fettwachsbildung entwickeln könnten, welche die erwünschte Verwesungszeit überschreiten würde. Besagtes Gutachten würde knapp 3.300 Euro kosten; kein Problem, dem wurde von den Gemeinderäten zugestimmt. Aber: Die sarglose Bestattung fuhr am Sitzungsabend auch einige Bremsklötze auf, etwa die Beerdigungsfrist des Islam – bis zu 48 Stunden. Doch die Verwaltung verweist auf das bayerische Bestattungsrecht, dass erst nach Ablauf von 48 Stunden Bestattungen zulässt. Und: „Gräber dürfen im Islam nur einmal belegt werden, zudem unterliegen sie dem ewigen Ruherecht“, so eine Info von „Pietas“, dem größten Bestattungsunternehmen Bayerns. Kirchseeons Verwaltung ganz nüchtern dazu: „Eine Einmalbelegung kommt aufgrund von Platzgründen in Kirchseeon nicht in Frage.“ Und „Pietas“ fragt unter anderem, wie denn Verstorbene pietätvoll in ein Grab abgelassen würden; über ein Brett oder eine Tasche?

Ein Brett berge zu große Abrutschgefahr, so Baumanns Skepsis. Letztlich: Bei muslimische Beerdigungen werden die Leichname von Trägern im Grab stehend in Empfang genommen und anschließend abgelegt. Dies würde laut Bestatter mit den bestehenden Unfallverhütungsvorschriften kollidieren. Und das Unternehmen sorgt sich zudem um das Wohl von Kindern. Denn sollten diese denn Augenzeuge sein, wenn eine Leiche nach dem Antransport aus dem Sarg genommen wird, um ins Grab abgelassen zu werden? Gemeint waren hier Kinder von Friedhofsbesuchern, die gar nicht zur besagten Beerdigung gehören. Es war unüberhörbar, dass so manche Hürde noch zu übwerwinden ist, um den Wünschen muslimischer Famlien auf eine sarglose Bestattung nachzukommen.Doch der interessanteste Aspekt: Laut Baumann liegen bislang noch gar keine derartigen Anträge vor. o

Auch interessant

Kommentare