Die Teilnehmerinnen des Seminars „Nutzpflanzenvielfalt und Insektenvielfalt erhalten – wie geht das?“ im Markt Schwabener Storchengarten
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Die Teilnehmerinnen des Seminars „Nutzpflanzenvielfalt und Insektenvielfalt erhalten – wie geht das?“

Nutzpflanzenvielfalt und Insektenvielfalt

Seminar im Schwabener Storchengarten

Nutzpflanzenvielfalt und Insektenvielfalt erhalten: Agrar-Ingenieurin Doris Seibt zeigt den Teilnehmerinnen, wie es geht

Markt Schwaben – Sonnenhüte und Durstlöscher waren gefragt: im Markt Schwabener Storchengarten hat Doris Seibt, Diplom-Agrar-Ingenieurin und langjährige Mitarbeiterin der Genbank des Institutes für Genetik und Kulturpflanzenforschung Gatersleben, ein Seminar zum Thema Saatgutgewinnung gehalten. „Nutzpflanzenvielfalt und Insektenvielfalt erhalten—wie geht das?“ lautete das Seminar. Saatgut selbst produzieren wurde von den Urgroßeltern zum Teil noch gemacht, berichtet Seibt. Das Wissen, das dringend benötigt werde, sei in den meisten Familien verloren gegangen. Saatzuchtfirmen, die mit modernen Maschinen und Spezialmethoden arbeiten, hätten sich durchgesetzt.

Dieses Wissen wird seit zehn Jahren im Rahmen des Projekts Storchengarten Markt Schwaben angeboten. „Das Thema klingt trocken“, so Charlotte Schmid, Bundestagskandidatin der ÖDP für den Landkreis Erding/Ebersberg, aber nach wenigen Minuten ist sie fasziniert und empört zugleich. Die Politikerin folgert: „Beim Umgang mit Saatgut haben die Lobbyverbände die Politik anscheinend ganz fest in der Hand – wie in vielen anderen Themenbereichen.“

Seibt erklärt: „Die neuen Kulturpflanzen, fast alles Hybridsorten, haben für die Menschen etliche Vorteile, wie Melonen bzw. Trauben ohne Kerne. Sonnenblumen können auf dem Esstisch platziert werden, ohne zu fürchten, dass die Tischdecke mit Pollen verunreinigt wird“, so Seibt. Es gebe allerdings zahlreiche Nachteile. Die Hybridsorten würden in Billiglohn-Ländern vermehrt. Der Kauf dieser Samen unterstütze die Ausbeutung der Arbeiter von ärmeren Ländern. „Aus Hybridpflanzen geerntete Samen bringen keine guten Erträge – das Saatgut muss deshalb jedes Jahr neu gekauft werden“, weiß die Diplom-Agrar-Ingenieurin, „wir wissen nicht, welche Pflanzen in unserem künftigen Klima wachsen werden. Der Vorteil von samenfesten Sorten, die an einem Standort Jahr für Jahr geerntet und wieder eingepflanzt werden ist, dass diese ‚lernen‘ mit den Gegebenheiten des Standorts umzugehen. Sie passen sich an. Nur so ist es möglich, robuste Pflanzen an einem Standort zu erzeugen.“

Die Aktiven des Storchengartens werden noch viele Stunden im Storchengarten verbringen. Gleichzeitig erfreuen sie sich an der Natur, dem gemeinsamen Tun und den Sonnenuntergängen.
Die Storchengartengemeinschaft freut sich über jedwede Unterstützung – sowohl auf dem Feld, bei der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit als auch bei der Finanzierung. Der Storchengarten ist als Förderprojekt bei der regionalen Initiative BÜRGER vermögen VIEL e.V. angemeldet. Das Projekt kann unter der Fördernummer 125151 durch den Einkauf bei den teilnehmenden Läden unterstützt werden. Mehr Infos unter www.buerger-vermoegen-viel.de.

Interessenten für den Storchengarten können sich bei Adeline Klinge unter Tel. (0 152) 33 66 86 82 melden oder per Email an adeline.klinge@gmail.com. Die nächsten Seminare unter Führung von Doris Seibt finden am 11. September und am 23. Oktober jeweils von 13 bis 16 Uhr statt. Zusätzlich sind einstündige Führungen oder Projekte für Kindergärten und Schulen auf Anfrage möglich. - Adeline Klinge

Der Storchengarten Markt Schwaben, preisgekrönte biologische Vielfalt: Der am Rand von Markt Schwaben gelegene „Storchengarten“ dient dem Anbau von regionalen und alten Gemüsesorten mit dem Ziel, die Vielfalt der Nutzpflanzensorten zu erhalten und weiter zu kultivieren. Außerdem ist der Garten auch ein Ort der Bildung. Im Rahmen der angebotenen Führungen lernen die Teilnehmer, Nahrungsmittel selbst anzubauen, zu nutzen und Saatgut daraus zu gewinnen. Es werden gemeinsam Früchte geerntet und nach historischen Rezepten zubereitet. Mehr Infos unter www.nutzpflanzenvielfalt.de

Quelle: Hallo Falke

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