Werner Stinauer und Hans Zäuner vor dem Turm des Windrades in Hamberg während der Bauphase. Die beiden leiten die Windenergieanlage.
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Werner Stinauer und Hans Zäuner vor dem Turm des Windrades in Hamberg während der Bauphase. Die beiden leiten die Windenergieanlage.

Die Anlage produziert bis zu vier Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr

Windrad in Hamberg: Positive Bilanz nach viel Widerstand

  • Max Wochinger
    vonMax Wochinger
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Das Windrad in Hamberg in der Gemeinde Bruck läuft seit gut drei Jahren. Und es läuft besser, als angenommen. Das räumen auch die Gegner von einst ein.

Hamberg – Windräder sind derzeit das Top-Thema im Landkreis. Im Ebersberger Forst, in Moosach und Bruck sind welche geplant. Die einzige Windmühle im Kreis steht in Hamberg. Vor gut drei Jahren nahm sie den Betrieb auf. Zeit für eine Bilanz.

Hans Zäuner, 45, steht in der fünf Meter breiten Gondel des Windrads in Hamberg. Die Knie sind weich, 140 Meter über dem Brucker Gemeindeboden. Steckt man den Kopf aus der Lucke, pfeift einem der Wind um die Ohren, die ganze Gondel wackelt, dazu mechanische Geräusche. Der Ausblick auf die Alpen ist fantastisch. Zäuner war schon oft hier oben. Zusammen mit Werner Stinauer leitet er die Windenergieanlage. Am 16. Dezember 2016 ging sie in Betrieb. Gut drei Jahre später sagt Zäuner: „2025 wird es nicht mehr das einzige Windrad im Landkreis sein“.

19 Ordner mit Gutachten

Fünf Jahre wurde die Anlage geplant. Die 16 Anteilseigner mussten mit 200 000 Euro in Vorleistung gehen. Es gab artenschutzrechtliche Prüfungen, 18 Tage lang wurde das Vogelverhalten in Hamberg beobachtet, sagt Zäuner. Insgesamt wurden 19 Ordner mit Gutachten bei Behörden eingereicht. Es gab eine Bürgerinitiative gegen das Windrad, sie und der Landesbund für Vogelschutz klagten vor dem Verwaltungsgerichtshof in München. „Fünf Jahre lang Kasperltheater“, sagt der Betreiber. Am Schluss kam der Genehmigungsbescheid. Auf 77 Seiten.

„Heute könnten wir das Windrad in Hamberg nicht mehr bauen“, sagt Zäuner. Wegen „10H“. Die Abstandsregelung schreibt seit 2014 vor, dass die 10-fache Höhe des Windrads als Abstand zur nächsten Wohnsiedlung eingehalten werden muss. Davor errechnete sich der Abstand zu Wohnhäuser aus Schall und Schattenschlag, sagt Zäuner.

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Im August 2016 war Baubeginn

Im August 2016 war schließlich Baubeginn. 1800 Quadratmeter Waldfläche mussten für den Bau der Anlage weichen. Mit dem Faktor 1,2 wird der Wald an anderer Stelle wieder aufgeforstet.

3,7 Millionen Euro kostete das Ganze. Wenn sich das Windrad so weiter dreht wie bisher, ist es in 13 Jahren abbezahlt, sagt Zäuner. Die Höhe der jährlichen Gewinnausschüttung aus dem Kapitalertrag betrage derzeit vier Prozent. In den kommenden Jahren soll sie steigen. Den eigenen Kapitaleinsatz für das Windrad könne man nach 20 Jahren verdoppeln, sagt Zäuner. „Wenn ich das Windrad anschaue, sehe ich meine Rente.“

Die Windmühle produziert dreieinhalb bis vier Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr. Den erzeugten Strom – der künftig auch gespeichert werden soll – verkauft die Investitionsgemeinschaft für 8,42 Cent je Kilowattstunde an den Energieversorger „Eberwerk“. 20 Jahre lang sei der Preis garantiert.

Die wildesten Argumente gegen das Windrad

„Vor dem Bau kamen die wildesten Argumente gegen das Windrad“, sagt der Geschäftsführer. Er zählt auf: Schlafstörungen, Lärm, Kühe, die keine Milch geben, unfruchtbare Frauen. „Alles Schmarrn“, meint Zäuner.

Peter Pfaff wohnt 850 Meter vom Windrad entfernt. Er war klar gegen den Bau in Hamberg. Vor seinem Haus könne er die Anlage deutlich hören, der Rotor „ragt mit einer massiven Wucht in die Höhe“, das Windrad habe die Identität des alten Bauerndorfs einschneidend verändert, sagt Pfaff. Alles auszuhalten. Nur eins macht ihn sauer: die Verhältnismäßigkeit des Windrads bezogen auf die Energiewende.

„Das Windrad bringt im Vergleich zu besser stationierten Anlagen nur einen bescheidenen Ertrag“, so Pfaff. Die Windmühle sei im Sinne der Energiewende also weniger effizient, werde aber bis zu 20 Jahre lang aus Steuergeldern subventioniert. Man könne mit öffentlichem Geld besser umgehen.

Keine neuen Messungen

Richard Straub aus Markt Schwaben, Hobby-Ornithologe und 2. Vorsitzender des Landesbunds für Vogelschutz in Ebersberg, war vom Windrad in Hamberg nicht begeistert. Dort gebe es extrem seltene Rotmilane und Baumfalken. Wie es nach gut drei Jahren um die Vögel in Hamberg bestellt ist, weiß Straub nicht. „Es gibt dazu keine Messungen“. Verunfallte Vögel könnten schließlich nicht gezählt werden. Füchse und Marder würden sich die Beute zuerst holen. Der Vogelschützer sagt aber: „Die Energiewende gelingt nicht ohne Verluste“.

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