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Mit ganzem Körpereinsatz spielt Anne Klinge ihr Fußtheater. 

Ungewöhnliches Theater

Hauptdarsteller sind die Füße

Das bekommt man selten zu sehen: ein Fußtheater. Wobei: Eigentlich ist es ein Eine-Frau-Ganzkörpertheater. Egal, es ist faszinierend, was Anne Klinge in der Grundschule Pliening dargeboten hat.

Pliening – Schüler oder Lehrer in der Grundschule Pliening müsste man sein. Deren Rektor Peter Bachmeier holt mindestens einmal im Jahr außergewöhnliche Künstler in die Schulturnhalle, wo Kinder und Erwachsene gleichermaßen in den Genuss schöner Kultur kommen. Weil Schule nicht nur fürs Lernen, sondern auch fürs Kennenlernen von Neuem außerhalb des Lehrplans da sein sollte. So Bachmeiers Credo.

Am Donnerstagvormittag sahen die Kinder von der ersten bis zur vierten Klasse zusammen mit ihren Lehrerinnen eine Vorstellung, wie sie es in Pliening und weit darüber hinaus noch nie gegeben hat: ein Fußtheater. Ein Eine-Frau-Fußtheater, bei dem die Hände auch noch mitspielen. Der ganze Körper der Schauspielerin Anne Klinge ist 45 Minuten lang in Bewegung, jeder Muskel arbeitet auf Hochtouren. Die 45-Jährige liegt auf dem Rücken, die Füße abwechselnd oder auch gleichzeitig in die Höhe gestreckt, die Hände kommen ebenfalls ins Spiel – und dazu erzählt sie eine Geschichte. Ohne einen einzigen Schnaufer oder Durchhänger ob der körperlichen Anstrengung. Im gestrigen Fall das Märchen von „Des Kaisers neue Kleider“.

Die Fußsohlen stellen die Köpfe der Figuren dar, dazu verschiedene Kleidungsstücke an den Waden und mit Perücken auf den Zehen. Den Kostümwechsel bewältigt Anne Klinge während der Vorführung, zuvor hat sie alle Kleider und Utensilien so auf der kleinen Bühne drapiert, dass sie sie gleich greifen und verwenden kann.

Faszinierend: Das Märchen von „Des Kaisers neue Kleider“, gespielt mit Füßen und Händen.

45 Minuten dauert die Vorstellung, während der die Kinder mucksmäuschenstill sind und gebannt nach vorne blicken. Das ist eine weitere hohe Kunst von Anne Klinge, zusätzlich zu ihrer Körperbeherrschung. Schließlich hat sie zu ihrem Publikum keinen Augenkontakt, mit dem sie die Zuschauer auf sich ziehen kann. Die Fußsohlen, pardon: Figuren haben lediglich Pappnasen umgebunden, Augen und Münder sind keine aufgemalt. Absichtlich nicht, sagt die Schauspielerin hinterher. „Das braucht es gar nicht. Die Zuschauer wissen ja, dass über der Nase die Augen sind und darunter der Mund.“ Es klingt komisch, aber es ist so: Man blickt zwar auf Füße, nimmt diese aber gar nicht als solche wahr, sondern als Figuren, lebendige Puppen. Schlichtweg geniale Kunst ist das.

Seit 20 Jahren ist Anne Klinge aus Bayreuth mit ihrem Fuß- und Handtheater unterwegs, hat Auftritte auf Bühnen in der ganzen Welt und in Fernsehsendungen. Für Erwachsene gibt es abendfüllende Programme, sogar Mozarts „Die Zauberflöte“, für Kinder hat die 45-Jährige verschiedene Märchen im Angebot. „Des Kaisers neue Kleider“ hat die Plieninger Grundschüler und Lehrer gefesselt und begeistert zugleich. Als sich die Hauptdarsteller, also: die Füße und Beine von Anne Klinge, am Ende der Vorstellung verbeugen, rufen die Kinder laut und lange „Zugabe!“. Das hat es bislang auch noch nicht gegeben in der Geschichte der Grundschule Pliening, dass die Schüler von sich aus nicht nur lautstark geklatscht, sondern sogar eigenständig und ohne Aufforderung a la „Kinder, wollt’ ihr noch eine Zugabe?“ nach eben solcher verlangt haben. Da ist selbst Rektor Peter Bachmeier baff. Im Übrigen auch, als die Schauspielerin verrät, dass das Fußtheater-Spielen zwar schon ein gutes Bauchmuskeltraining sei, aber nicht nur: „Eigentlich ist jeder Muskel des Körpers in Bewegung“, sagt Anne Klinge und lächelt charmant. Über ihre Stirn rinnt nach 45 Minuten Höchstleistungsganzkörpertheater kein einziger Tropfen Schweiß.

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