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Hausverbot und Sperren – Streit um Nachwuchsfußballer eskaliert

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Von: Korbinian Kothny

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Spieler der SG Anzing/Parsdorf/Baldham wurden vom Kirchheimer SC abgeworben (Symbolbild).
Spieler der SG Anzing/Parsdorf/Baldham seien vom Kirchheimer SC abgeworben worden, heißt es. (Symbolbild). © IMAGO/BODE

Wechselfieber im Fußball-Nachwuchsbereich - das bereitet dem FC Parsdorf erhebliche Sorgen und sorgt für Wirbel. Hat ein Nachbarverein Spieler abgeworben?

Parsdorf – Der 15. Juli ist für Roland Pumm, Jugendleiter des FC Parsdorf, der große Stichtag. Bis dahin müssen alle Vereine im bayerischen Jugendfußball ihre Mannschaften für die kommende Saison beim BFV melden. Die Jugendleiter planen oft wochenlang im Voraus für die kommende Saison. Die SG Anzing/Parsdorf/Baldham wollte auch in der kommenden Saison in der C-Jugend mit drei Mannschaften spielen. Vier Tage vor Meldeschluss bekam die SG aber über das Online-Portal des BFV mitgeteilt, dass vier Spieler sich abmelden lassen wollen und zum Kirchheimer SC wechseln. Kontakt zwischen den Vereinen gab es zuvor nicht.

Jugendleiter beklagt: Die halbe Mannschaft wurde angesprochen

Das ärgert Pumm: „Insgesamt wurde die halbe Mannschaft unser letztjährigen U14-3 aktiv angesprochen, ob sie zum KSC wechseln möchte. Danach gab es ein Probetraining und am Ende sind vier Spieler gewechselt.“ Bei der SG hatte man mit den vier Kindern geplant. Jetzt sind nur noch 13 Spieler für die Mannschaft übrig.

„Wir reden hier vom Breitensport. Die Mannschaft ist letzte Saison aus der Gruppe in die Kreisklasse aufgestiegen und als zweite Mannschaft eingeplant. Im Leistungssport wird‘s sowas immer geben. Da kann man dann auch drüber reden, wenn ein Spieler wechseln will. Aber hier hört der Spaß auf. Wir hatten bis zur BFV-Abmeldung keinerlei Kenntnis vom Wechsel der Spieler“, sagt Pumm.

Jugendspieler wurden jetzt gesperrt

Der SG sind die Hände gebunden. „Die Art und Weise, wie das funktioniert, ist der Wahnsinn“, ärgert sich der Jugendleiter. Der Verein kann der Abmeldung über den aufnehmenden Verein in den nächsten 14 Tagen lediglich zustimmen oder sie ablehnen. Pumm entschied sich mit seinen Kollegen dafür, die Abmeldung abzulehnen. Die Spieler werden jetzt gesperrt.

„Uns tut das in der Seele weh, aber das ist die einzige Möglichkeit, wie wir uns wehren können.“ Des Weiteren veröffentlichte die SG einen offenen Brief, in dem sie den KSC für die Vorgehensweise heftig kritisiert. Auch die Wechselfristen sind Pumm ein Dorn im Auge. Spieler können im Jugendbereich bis zum 15. Juli wechseln. Demselben Stichtag, wie für die Meldung der Mannschaften. „Wir haben keinerlei Planungssicherheit“, ärgert sich Pumm.

Kirchheim wehrt sich: In keiner Weise aktiv auf die Spieler zugegangen

Beim Kirchheimer SC wehrt man sich entschieden gegen Teile der Vorwürfe. Allen voran Rene Seibold. Er ist Trainer der U11 und hatte nach eigener Aussage für fünf Jungs das Probetraining in Kirchheim organisiert. Seibold sei dabei „in keinster Weise aktiv“ auf die Spieler zugegangen. Der Jugendtrainer kommt aus Anzing, war dort früher auch als Übungsleiter beim SVA tätig und einer der SG-Mitinitiatoren.

Die Spieler, die jetzt gewechselt sind, kennt er von klein auf und trainierte sie bereits früher. Entgegen der Darstellung von Pumm sind die Eltern laut Seibold auf ihn zugegangen und haben ihn gefragt, ob er nicht seine Kontakte spielen lassen könne, um die Jungs bei einem anderen Verein unterzubringen. Sie wollten laut Seibold aufgrund von nicht mehr altersgerechten Training bei der SG aufhören.

Er organisierte daraufhin Probetrainings in Kirchheim und Pasing. Am Ende entschieden sie sich für den KSC. Dass Seibold die halbe Mannschaft angesprochen hat, will er so nicht stehen lassen. Er habe fünf Kindern das Probetraining organisiert, von denen vier gewechselt sind. „Einer der vier Jungs hat übrigens schon aufgehört, von den drei übrigen hätten zwei mit dem Fußballspielen sowieso aufgehört, wenn sie bei der SG geblieben wären“, sagt Seibold.

Kirchheimer Trainer bekommt Hausverbot in Anzing

Den öffentlichen Weg, den die SG und insbesondere Pumm jetzt gehen, kann Seibold nicht verstehen. Zudem habe er Hausverbot in Anzing bekommen – obwohl er noch SVA-Mitglied ist. „Für mich ist das Wichtigste, dass die Kinder weiter Fußball spielen. Ich habe lediglich meine Kontakte spielen lassen. Die eigentliche Frechheit ist, dass die Jungs jetzt gesperrt werden“, sagt Seibold.

Der Kirchheimer SC schilderte auf Nachfrage den angeblichen Abwerbeversuch ähnlich, zeigte sich aber einsichtig. „Das ist nicht gut gelaufen und war nicht die feine englische Art. Wir haben auch angeboten, die Spieler zurück zu transferieren“, erklärt Jugendleiter Dominik Achilles. „Unsere Trainer sollen daraus lernen“, so Achilles und nimmt auch die Eltern in die Pflicht: „In Zukunft ist die Voraussetzung dafür, wenn Spieler kommen möchten, dass die Eltern mit dem Wechsel beim abgebenden Verein offen umgehen.“ Glücklich ist er mit dem ganzen Vorfall nicht. Um in Zukunft Ärger zu vermeiden, will er eine Richtlinie für seine Trainer aufsetzen. Laut dieser soll sowohl im Breiten- als auch Leistungssport nicht aktiv auf Kinder zugegangen werden und falls es zu einem Wechsel kommt, soll dieser transparent ablaufen.

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Für die SG Anzing/Parsdorf/Baldham kommt das zu spät. Die U15-2 gibt die SG aber nicht auf. „Wir haben das Team trotzdem gemeldet. Wir müssen jetzt zwar jedes Wochenende mit den Spielern jonglieren, aber das Wichtigste ist, dass die anderen Kinder weiterspielen können“, sagt Pumm. Das gilt für die drei gewechselten Jungs nicht. Sie wurden für drei Monate gesperrt.

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