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Angela Lothmann aus Ebersberg hat in der Altenpflege einen erfüllenden Beruf gefunden: „Man baut sehr starke Beziehungen auf.“

Bosnien rückt in den Landkreis

Heimleiter: Es geht nur mit Pflegekräften aus dem Ausland 

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Anders als in München gibt es im Kreis Ebersberg keine lauten Hilferufe von Heimen. Noch nicht. Was Bosnien damit zu tun hat und wieso nur derjenige überlebt, der ausbildet. 

In Stadt und Landkreis München fehlt es an allen Ecken und Enden, was das Pflegepersonal angeht. Am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität sind 200 von 3200 Stellen unbesetzt. In Unterschleißheim muss ein Senioren- und Pflegeheim 24 von 180 Betten leer lassen. Die Lage sei ernst, sagen die Leiter der Einrichtungen.

Im Kreis Ebersberg ist das anders. Die meisten der großen Seniorenheime haben genug Fachkräfte. Und das hat einen entscheidenden Grund. Stefan Schmidt leitet das Seniorendomizil Bartholomäus in Pöring. Er sagt: „Nur wer ausbildet, überlebt.“

Die Ausbildungs-Bewerber haben sich in den letzten Jahren entscheidend verändert. Immer weniger deutsche Azubis gebe es. Vor allem aus Bosnien bewerben sich junge Frauen auf Stellen im Landkreis Ebersberg; auch im Seniorendomizil in Pöring. Aber auch Bewerbungen auf Stellen aus anderen Nicht-EU-Ländern kämen dazu, sagt Schmidt. Von den im Jahr durchschnittlich drei bis vier Auszubildenden zu Pflegefachkräften im Seniorendomizil seien ein bis zwei aus dem Ausland. „Die allermeisten werden übernommen“, sagt der Leiter. Daher komme es zu noch keinem Personalengpass. Ohne die Kräfte aus dem Ausland gehe es nicht. Dennoch schaue Schmidt ganz genau, wer sich als Azubi und als Pflegehelfer bewirbt. Die Qualität sei höchst unterschiedlich.

Eine gesetzliche Quote von 50 Prozent

119 Plätze für Senioren gibt es in Pöring, der Bedarf dafür sei laut Schmidt vorhanden, die Zimmer seien gut belegt. An einen Aufnahmestopp, wie im Landkreis München, denke niemand. Im Heim am Valentinspark in Unterschleißheim hingegen werden Plätze frei gelassen und keine Patienten mehr aufgenommen. Dieter Pflaum vom Paritätischen Wohlfahrtsverband leitet das Heim. Er sagt, dass eben Fachkräfte fehlen. Die vorgeschriebene Fachkraftquote, das sind ausgebildete Fachpfleger, liegt bei 50 Prozent. Das gibt der Gesetzgeber so vor. Der Geschäftsführer in Unterschleißheim lässt lieber Zimmer leer stehen, als in die Illegalität abzurutschen oder Qualitätsmängel in der Pflege zu riskieren.

Im Seniorendomizil in Pöring liege die Quote der Fachkräfte bei über 55 Prozent. Die Lage in dem Pöringer Heim sei „komfortabel“, sagt Schmidt. Auch das AWO Seniorenzentrum Kirchseeon stehe gut da, wie Leiterin Lydia Wörlein mitteilt. Hier kämen genug Auszubildende nach, im Jahr gibt es bis zu vier neue Stellen. Auch hier könnte der Nachwuchs nur durch ausländische Bewerber gedeckt werden.

...vor allem aus Bosnien

Die meisten stammen laut Wörlein aus Kroatien, Moldawien und vor allem Bosnien. Wörlein erklärt: Es liege daran, dass ein Aufenthaltstitel mit an die Ausbildung geknüpft sei. Das mache die Arbeit attraktiv.

Angela Lothmann aus Ebersberg ist ein Beispiel, dass sich aber auch noch Deutsche für die Arbeit entscheiden. „Mit Menschen zu arbeiten, vor allem mit alten Menschen, deren Wünschen gerecht zu werden, zu erfahren, was sie erlebt haben, das macht mir Freude.“ Die 49-Jährige war früher Einzelhandelskauffrau. Seit sechs Monaten hat sie ihre Ausbildung zur Altenpflegerin abgeschlossen und arbeitet bei der Inneren Mission im Reischlhof in Ebersberg.

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