Sie freuen sich über das neue System (v.l.): Kommandant Uli Proske, Martin Geisler von „easyStandby“, Florian Huber, Jan Köhnen und Christoph Münch (Vize-Kommandant). Foto: Stefan Rossmann

Hier können die Retter "einchecken"

Ebersberg - Der ideale Feuerwehrmann arbeitet am Ort, ist rund um die Uhr verfügbar, kann jederzeit seinen Arbeitsplatz verlassen und ist ein Spezialist auf allen technischen Gebieten. Leider nur eine Wunschvorstellung. Deswegen besteht Handlungsbedarf.

Die moderne Arbeitswelt hat ein Credo: Man muss so mobil und flexibel sein, wie nur irgend möglich. Die Zahl der Pendler oder derjenigen, die weite Anfahrtswege zum Arbeitsplatz in Kauf nehmen müssen, hat in den vergangenen Jahrzehnten erheblich zugenommen. Große Arbeitgeber am Ort, wie zum Beispiel die Firma Rodenstock oder das Sperrholzwerk haben zugesperrt. Was hat das mit der Feuerwehr zu tun? Der Pool der Kräfte, die tagsüber zu einem Alarm wie aktuell dem Gasalarm in Kirchseeon ausrücken können, ist kleiner geworden. Manchmal sogar gefährlich klein. Deshalb ist die Tagesalarmsicherheit schon seit langem ein heikles Thema bei den Feuerwehren.

Uli Proske, der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Ebersberg, hat in dieser Situation nach einer Lösung gesucht. In Zusammenarbeit mit dem Programmierer Martin Geisler (Firma „easyStandby“) wurde ein Konzept entwickelt, welches die Kommandanten bei der Lösung dieses Problemes unterstützen wird.

Die Idee zwischen den beiden entstand während des ehrenamtlichen Theaterprojekts „Biedermann und die Brandstifter“. Proske wünschte sich eine bessere Planbarkeit der Tagesbereitschaft und sprach dabei ein weit verbreitetes Problem an: „Auch wenn unter den Feuerwehren nicht gerne darüber gesprochen wird, wissen wir oft nicht die genaue Anzahl der Kameraden, die uns zur Verfügung stehen.“ Gerade tagsüber, wenn viele Feuerwehrleute in andere Städte pendeln, sei es äußerst schwierig, eine ausreichende Einsatzstärke zu gewährleisten.

Inspiriert von Proskes Worten, hatte Martin Geisler die Idee zu dem Programm „FireCheckIn“. „FireCheckIn“ erfasst alle verfügbaren Feuerwehrleute, nachdem diese sich „eingecheckt“ haben. Das funktioniert über eine Internetseite, sowie über ein SMS-System.

Worin liegt der Vorteil? Beim Auftreten einer Unterbesetzung werden die Kommandanten per SMS darüber informiert. „Jetzt werde ich sogar im Vorfeld automatisch über eine Unterbesetzung per SMS benachrichtigt und kann rechtzeitig entsprechende Maßnahmen einleiten“, erklärt Proske.

„FireCheckIn“ ist ein Teil der Web-App „easyStandby“, welche auch für andere Hilfsorganisationen konzipiert ist. Sie soll vor allem in Organisationen eingesetzt werden, in denen viele freiwillige Helfer engagiert sind. Der Datenschutz wird bei diesem Projekt sehr ernst genommen. „Die Daten werden stets anonymisiert angezeigt und lassen deshalb keine Rückschlüsse auf mögliche Lebensgewohnheiten zu“, so die Firma „easyStandby“ in einer Mitteilung.

Die Ebersberger Feuerwehr ist weltweit die erste, die dieses System einführt. Bisher waren die Mannschaften mehr oder weniger auf persönliche Absprachen beschränkt.

Das System des Ebersberger Unternehmens „easyStandby“ ist neben Freiwilligen Feuerwehren auch für andere Hilfs- und Rettungsorganisationen geeignet. Dazu könnten beispielsweise das Technische Hilfswerk, der Katastrophenschutz, die Rettungshundestaffeln, Wasserwachten, Seelsorgedienste oder auch Fahrdienste zählen.

Robin Wedekind

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